+
Da steht nicht mehr viel: Der Bauhof hat im Zuge des Straßenausbaus an der Wörthseestraße in Hechendorf eine 50 Jahre alte Hecke gerodet. 

Straßenbau

Rodungsaktion sorgt für Unmut

Aufregung an der Wörthseestraße in Hechendorf: Die Gemeinde Seefeld hat dort in diesen Tagen mit dem Straßenausbau begonnen – gegen den Willen der Anlieger. Als am Donnerstag ein Bagger anrollte, um eine 50 Jahre alte Mischhecke zu fällen, liefen diese Sturm. Vergebens.

Hechendorf– Mitbetroffen ist CSU-Bürgermeisterkandidat Klaus Kögel, der ebenfalls an der Wörthseestraße wohnt und auch schon Briefe an die Gemeinde in dieser Angelegenheit geschrieben hat. „Mich herauszuhalten, weil ich Bürgermeisterkandidat bin, wäre doch albern“, sagt er. Hintergrund für die Baumaßnahme ist die Tatsache, dass Gemeinden nur noch bis zum 1. April 2021 ihre Erschließungskosten für so genannte Altfälle auf die Anlieger umlegen können.

In Hechendorf hatte dies Ende 2019 schon für Ärger gesorgt, weil die Gemeinde dort den Pointweg staubfrei gemacht und den Anliegern Anfang Dezember hohe Rechnungen präsentiert hatte (wir berichteten). Auch im südlichen Bereich der Wörthseestraße, nahe der Rossschwemme, sei der Ausbau nicht gewünscht, berichtet Kögel. „Es gibt eine einstimmige Haltung gegen den Ausbau und die damit in Verbindung stehenden Kosten“, sagt er. „Es bestand auf jeden Fall Diskussionsbedarf.“ Im April 2019 habe er die Gemeinde schließlich angeschrieben, weil das Bauamt Rodungsarbeiten angekündigt hatte. „Die jetzt gefällte Hecke steht zwar auf Gemeindegrund. Aber wir machen uns schon Gedanken. Denn im Sommer hat sie die Leute davon abgehalten, alles zuzuparken.“ Es sei schon fraglich, ob Ausbau und Verbreiterung der Straße nahe des kleinen Badeplatzes Rossschwemme sinnvoll sind. „Davon abgesehen wird der Badeplatz sehr stark frequentiert. Dass man das als Anlieger mitfinanziert, das passt uns auch nicht.“ Verkompliziert wird die Angelegenheit durch die Tatsache, dass zwei der etwa 13 Anlieger mit ihrem Grund zum Gemeindebereich Inning gehören, diese aber ihr Haus nur über die Wörthseestraße erreichen können.

Auf das Schreiben Kögels im April hat die Gemeinde bis heute nicht reagiert. „Ich halte das Schaffen von Fakten durch die Rodung vor einer Bürgerinformation und dem Austausch der Positionen für denkbar unglücklich, da es die Fronten unnötig weiter verhärtet und Lösungswege deutlich schwieriger macht“, schrieb Kögel. Die einstimmige Haltung der Anlieger, einem Ausbau der Wörthseestraße nicht zuzustimmen, sei nach einem Gespräch am 23. März 2019 der Gemeinde samt Unterschriften am 29. April zugegangen. Am 24. Juni forderte Kögel die Gemeinde erneut zur Stellungnahme auf. „Da hieß es: Ja, wir haben das Schreiben bekommen und kümmern uns. Geschehen ist nichts.“ Er sehe das kritisch, dass die Gemeinde „auf die Schnelle“ noch derartige Maßnahmen durchziehe. „Das macht keine der Nachbargemeinden so.“

In der Seefelder Verwaltung war am Freitagvormittag niemand erreichbar, die Mitarbeiter waren auf Außenterminen, Bürgermeister Wolfram Gum ist im Urlaub. Als am Donnerstag der Bagger anrückte, waren auch Mitarbeiter des Bauamts zugegen. „Sie berufen sich natürlich auf den Gemeinderatsbeschluss und müssen ihre Arbeiten ausführen“, sagt Kögel. Schade um die Hecke sei es trotzdem.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Mental wachsen in der Krise
Dr. Robin Basu betreibt drei Taekwondo-Schulen. Während der Corona-Krise bietet der Gilchinger kostenloses Online-Training für jedermann an.
Mental wachsen in der Krise
Infiziertenzahl steigt weiter - Kliniken bieten Hilfe fürs Ausland an - Dießen sagt Großveranstaltung ab
Die Zahl der Corona-Fälle im Landkreis ist dramatisch gestiegen - und die Situation ändert sich beinahe jede Minute. Das Neuste zur Lage lesen Sie in unserem Ticker.
Infiziertenzahl steigt weiter - Kliniken bieten Hilfe fürs Ausland an - Dießen sagt Großveranstaltung ab
Mit Kreativität nach vorne schauen
„Zuerst mussten wir den Shutdown verwalten, jetzt schauen wir mit Kreativität nach vorn“, erzählt Petra Hofstätter, Geschäftsführerin der Volkshochschule (VHS) …
Mit Kreativität nach vorne schauen
Bauarbeiter beschädigen Leitung: Berg ohne Gasversorgung
Eine beschädigte Gasleitung an der Etztalstraße hat weitreichende Folgen: Im ganzen Hauptort Berg wird die Gasversorgung abgestellt.
Bauarbeiter beschädigen Leitung: Berg ohne Gasversorgung

Kommentare