+
Das Bild entstand bei der konstituierenden Sitzung Anfang Mai. Thomas Zimmermann (l.) ist Vizebürgermeister, Klaus Kögel Bürgermeister (Mitte) und Johann Dreyer Dritter Bürgermeister in Seefeld. 

Vizebürgermeister unter Beobachtung

  • Hanna von Prittwitz
    vonHanna von Prittwitz
    schließen

In Seefeld ist eine Diskussion über Vizebürgermeister Thomas Zimmermann (Grüne) entbrannt. Auf der Internetseite der Grünen und der BI Eichenallee berichtet Zimmermann, dass er seit Anfang Juni für die Firma TQ Systems arbeitet. Das sehen viele kritisch.

Seefeld – In der nichtöffentlichen Sitzung des Seefelder Gemeinderats teilte Vizebürgermeister Thomas Zimmermann (Grüne) am 2. Juni den Gemeinderäten mit, dass er seit Anfang des Monats bei TQ Systems auf Gut Delling beschäftigt ist. Seither wird fraktionsintern heftig diskutiert. Seit gestern ist Zimmermanns beruflicher Fortgang auf den Internetseiten der Grünen und der Bürgerinitiative Eichenallee (BI) nachzulesen. TQ-Geschäftsführer Detlef Schneider lebt mit seiner Familie in Hechendorf. Ihm gehören unter anderem der Technologiepark, in dem die Gemeindeverwaltung untergebracht ist, und auch ein Areal an der Inninger Straße in Hechendorf, das derzeit noch entwickelt wird.

Die Bürgerinitiative und der Grünen-Ortsverband waren zur Kommunalwahl mit einer gemeinsamen Liste angetreten, Zimmermann war ihr Bürgermeisterkandidat. Er verlor in der Stichwahl gegen Klaus Kögel (CSU), bei der konstituierenden Sitzung am 13. Mai setzte er sich gegen Josef Wastian (FWG) als Vizebürgermeister durch.

„Ich weiß, ich muss mit diesem Thema sensibel umgehen und Transparenz walten lassen“, sagte Zimmermann (52) gestern dem Starnberger Merkur. Sollte es bei einzelnen Themen einen Interessenkonflikt zwischen seinem Arbeitgeber und dem Mandat geben, „werde ich mich persönlich neutral halten, beispielsweise indem ich nach der Mehrheitsmeinung der Fraktion abstimme“. Es handele sich bei TQ Systems um ein spannendes Unternehmen in räumlicher Nähe. „Das war meine Entscheidung und meine Initiative.“ Zimmermann ist Diplom-Wirtschaftsingenieur und bei TQ als Leiter für Produkte, Dienstleistungen und Kundencenter tätig – „und damit rein auf Kundenseite“, wie er sagt.

Bei der BI wird Zimmermanns Vorgehen heftig debattiert. „Transparenz ist für uns als BI sehr wichtig. Deswegen haben wir abgesprochen, wie wir mit möglichen Interessenkonflikten in der Zukunft umgehen wollen. Daran werden wir Thomas Zimmermann messen“ – so fasst Ortwin Gentz die Haltung der Gruppe zusammen. Das betreffe vornehmlich das Abstimmungsverhalten Zimmermanns. Gentz ist auch Gemeinderat.

Johanna Senft (BVS) findet Zimmermanns TQ-Engagement höchst unglücklich. „Ich glaube, dass es schwierig wird für ihn, Beruf und politisches Engagement zu trennen“, sagt sie. Die Einflussnahme Schneiders sei offensichtlich. Als Zweiter Bürgermeister erhalte Zimmermann Einblick in Interna der Gemeinde, auch Grundstücksangelegenheiten betreffend. „Ich sehe die Position als Vize nicht mehr passend.“ Senft betont, dass sie sowohl Schneider als Unternehmer als auch Zimmermann als Kommunalpolitiker schätze. „Aber das hat für mich ein Gschmäckle.“ Sie bezweifle, dass unter diesen Umständen in die Gemeinderatsarbeit Ruhe einkehren könne. „Das tut mir körperlich weh, dass da nun so ein dicker Hund kommt.“ Dass sich Josef Wastian, Mitarbeiter der Firma Schlecht in Seefeld, ebenfalls als Vizebürgermeister zur Wahl gestellt hatte, ist für Senft nicht vergleichbar. „Wir wussten bei der Wahl um diese Verbindung.“

„Herr Zimmermann ist in leitender Funktion in der Gemeinde tätig, und Herr Schneider ist einer der wichtigsten Unternehmer vor Ort – das ist auf Dauer schwierig“, glaubt Dr. Oswald Gasser (FDP). Und auch die SPD, die Zimmermann als Bürgermeisterkandidat unterstützt hatte, ist laut Dr. Brigitte Altenberger skeptisch. „Entscheidend ist aber, was passiert, wenn die heißen Themen kommen.“

Peter Schlecht (FWG) sieht das Ganze entspannt. „Aber das ist meine persönliche Meinung. Intern gibt es bei uns viel Kritik.“ Konflikte zwischen Beruf und Ehrenamt als Gemeinderat gebe es immer. „Das wäre bei der Wahl Josef Wastians ähnlich gewesen.“ Schlecht, der den gleichnamigen Holzfachhandel betreibt, hat das Problem am eigenen Leib erfahren. „Die Leute reden immer“, sagt er. Gegen Gerüchte sei man machtlos. „Problematisch ist nur, wenn sie Realität werden.“ Der Vizebürgermeister stünde nun wohl besonders unter Beobachtung. Fraktionssprecher Wastian ist derzeit in Urlaub.

Bürgermeister Kögel warnt vor einer Vorverurteilung Zimmermanns. Als Vizebürgermeister habe Zimmermann nicht mehr Einblick in Interna als alle anderen Gemeinderäte. „Das finde ich nicht problematisch“, sagt er. Zimmermann habe ihn sehr früh informiert. „Der Zeitpunkt ist immer der verkehrte“, sagte Kögel zu dem schwelenden Vorwurf, Zimmermann habe seinen Einstieg bei TQ zu spät publik gemacht.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Pflegestützpunkt in Starnberg ab 2021: Kreis plant zentrale Anlaufstelle
Was ist das Beste für einen Angehörigen, der pflegebedürftig wird? Mit dieser Frage sollen die Landkreis-Bürger ab 2021 in eine zentrale Anlaufstelle in Starnberg kommen …
Pflegestützpunkt in Starnberg ab 2021: Kreis plant zentrale Anlaufstelle
Vergessener Koffer sorgt für Sperrung - Spezialkräfte im Einsatz
Ein vergessener Koffer hat am Freitagmorgen zu einer Sperrung des S-Bahnhofs Gilching-Argelsried gesorgt. Der Eigentümer hat sich bis zum Nachmittag noch nicht gemeldet.
Vergessener Koffer sorgt für Sperrung - Spezialkräfte im Einsatz
Ein Gewitter nach dem anderen
Das Wetter sorgt für einigen Wirbel: Am Freitagabend zogen und ziehen in dichter Folge Gewitter insbesondere über den nordwestlichen Landkreis Starnberg hinweg. Es gibt …
Ein Gewitter nach dem anderen
Corona-Ausbruch bei Caterer: Lüftung wohl nicht Ursache für Infektionen
Die Lüftung war es ganz offensichtlich nicht: Nach wie vor ist unklar, wie sich das Coronavirus bei einem Gilchinger Caterer so massiv hatte ausbreiten können. 
Corona-Ausbruch bei Caterer: Lüftung wohl nicht Ursache für Infektionen

Kommentare