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Die Kandidaten aller sechs Fraktionen wollten sich im Seefelder Pfarrheim den Bürgern vorstellen. Daraus wird nun nichts. 

Kommunalwahl 2020

Vorstellung aller Kandidaten geplatzt

  • Hanna von Prittwitz
    vonHanna von Prittwitz
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Ab wann ist eine Veranstaltung eine politische Veranstaltung? Diese Frage sorgt in Seefeld für Diskussionen. Und dafür, dass die für kommenden Sonntag, 2. Februar, geplante Kandidatenmesse im Pfarrheim St. Peter und Paul geplatzt ist.

Seefeld– Geplant war, dass sich am kommenden Sonntag alle Listen- und Bürgermeisterkandidaten der insgesamt sechs Fraktionen im Pfarrheim vorstellen. Nun haben die Gemeinde Seefeld und die katholische Kirche ihre Genehmigung zurückgezogen. Grund ist eine Widmung, nach der im Pfarrheim keine politischen Veranstaltungen stattfinden dürfen.

Weil es sich aber um eine überparteiliche Kandidatenvorstellung handeln sollte, hatten die Gemeinde in Person des Geschäftsstellenleiters Fritz Cording und die Kirche erst zugesagt. „Aber ich hatte von Beginn an Bauchschmerzen“, erklärte Cording gestern dem Starnberger Merkur. Die Angelegenheit habe ihn ein Wochenende Grübelei gekostet. „Dann war ich ohnehin zu dem Schluss gekommen, dass wir das nicht machen sollten.“ Das Tüpfelchen auf dem i sei schließlich noch eine Anfrage des Bund Naturschutz (BN) gewesen.

Dieser wollte bekanntlich am 16. Februar – ebenfalls im Pfarrheim – eine Podiumsdiskussion mit den Bürgermeisterkandidaten veranstalten. Er erhielt jedoch eine Absage mit der Begründung, es handele sich um eine politische Veranstaltung. Der BN mietete daraufhin das Sudhaus des Schlosses. Weil später aber die Kandidatenmesse genehmigt wurde, schrieb Ildiko Gaal-Baier vom BN einen Brief an die Verwaltung.

Darin fragte sie an, ob die BN-Veranstaltung nun auch im Pfarrheim stattfinden könnte, nachdem die Widmung faktisch durch die Genehmigung der Kandidatenmesse geändert worden sei. Denn das Interesse an der Podiumsdiskussion sei groß. „Im Sudhaus könnte es eng werden.“ Dazu kommt, dass die Anmietung des Raums im Schloss 250 Euro koste, die aus Spendengeldern finanziert werden müssten. Im Falle eines Umzugs ins Pfarrheim bittet der BN auch um Übernahme der Summe. Für Cording war schließlich klar: „Mit der Kandidatenmesse hätten wir die Widmung gebrochen.“

Für FDP-Gemeinderat Dr. Oswald Gasser, der die Idee zu der Messe hatte, ist der BN nun für den Schlamassel verantwortlich. In einem Schreiben an die Fraktionen und Gemeinderäte spricht er von einer „Intervention“. Mögliche Alternativen hat er gemeinsam mit Bürgermeisterkandidatin Johanna Senft (BVS) in den vergangenen Tagen überprüft. Das Sudhaus sei zu klein. Zwar könnten im Bräustüberl Räume hinzugemietet werden. „Dort müsste man die sechs Fraktionen dann verteilen.“ Eine Gleichbehandlung aller Beteiligten wäre da schwierig geworden. Das Schützenheim in Drößling liege zu abgelegen, und die Gemeinde wünsche auch im neuen Sitzungsraum im Technologiepark keine Veranstaltungen dieser Art.

Das Bedauern über die Absage zieht sich durch alle Gruppierungen, angefangen beim Bund Naturschutz. Man habe lediglich eine Gleichbehandlung erbitten wollen und dazu auch einen konkreten Vorschlag unterbreitet. „Ihre Absage der Parteienmesse überrascht uns sehr, das war nie unser Anliegen“, schreibt Gaal-Baier.

„Ich finde das sehr schade, weil es dem Bürger die Möglichkeit nimmt, alle Kandidaten kennenzulernen“, sagt FWG-Bürgermeisterkandidatin Petra Gum. Auch CSU-Bürgermeisterkandidat Klaus Kögel bedauert, „dass man keinen Kompromiss gefunden hat“. Johanna Senft war geknickt. „Es tut mir sehr leid. Die Messe wäre ein schönes Instrument für die Bürger gewesen.“ Erste Plakate seien schon gedruckt worden. „Vielleicht braucht man andere Bedingungen.“ Bürgermeisterkandidat Thomas Zimmermann (Grüne) bedauert, dass die Verantwortlichen ein Gesprächsangebot des BN zu der Angelegenheit nicht angenommen hätten. Dass die Messe ausfällt, sei schade. „Sie wäre eine gute Gelegenheit für alle gewesen, sich ein Bild zu machen.“

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