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Die Weihnachtsbäckerei von Meiling

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Von: Laura Forster

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Backen nicht nur zusammen, sondern gehen im Sommer auch zusammen schwimmen: Monika Regensburger (l.) und Alexandra Ludwig. Am See überlegen die beiden Landfrauen oft schon, welche Plätzchensorten sie in der Adventszeit backen wollen.
Backen nicht nur zusammen, sondern gehen im Sommer auch zusammen schwimmen: Monika Regensburger (l.) und Alexandra Ludwig. Am See überlegen die beiden Landfrauen oft schon, welche Plätzchensorten sie in der Adventszeit backen wollen. © Dagmar Rutt

Seit 15 Jahren backen die Meilinger Freundinnen Alexandra Ludwig und Monika Regensburger in der Adventszeit 21 verschiedene Sorten Plätzchen zusammen. An vier Tagen entstehen unzählige Vanillekipferl, Elisenlebkuchen, Zimtsterne, Butterplätzchen, Bethmännchen, 100-Jahr-Kokostaler und viele Sorten mehr.

Meiling – Hinter einer schweren Eisentür, versteckt in einer Scheune, beginnt eine andere Welt – eine Welt, die nach geschmolzener Butter, heißer Schokolade und erhitztem Marzipan riecht. Seit 16 Jahren backen die Freundinnen Alexandra Ludwig (51) und Monika Regensburger (49) aus Meiling Ende November mehrere Tausend Plätzchen für Familie und ein paar Freunde, jedes davon ist ein Unikat. In vier Tagen zaubern die beiden von neun Uhr morgens bis acht Uhr abends 21 Sorten auf das Blech – ohne hartes Durchhaltevermögen und Liebe zum Detail ist das unmöglich.

Alexandra Ludwig steht in ihrer Profiküche, eine grüne Schürze um Hals und Hüfte gebunden, sticht mit einer Edelstahlform Herzen in den Millimeter dünnen Plätzchenteig und legt sie behutsam auf ein Blech. „Früher haben wir oben in meiner Küche im Haus gebacken“, erzählt sie. Seit sie jedoch einmal die Woche selbst gemachte Kuchen und Torten auf dem Markt in Herrsching verkauft und deshalb eine professionelle Küche im hinteren Teil ihres Hofes hat einbauen lassen, nutzen sie und Monika Regensburger den Luxus von drei Öfen, einer Teigknet- und einer Teigausrollmaschine.

Himbeer-Marzipan-Herzen auf dem Weg in den Ofen.
Himbeer-Marzipan-Herzen auf dem Weg in den Ofen. © Dagmar Rutt

„Vor vielen Jahren waren auch noch unsere Kinder dabei“, sagt Regensburger, die an einem Tisch ein paar Meter entfernt sitzt und gebackene Schokoplätzchen auf der Arbeitsfläche verteilt. „Mittlerweile sind sie erwachsen und kommen nur noch zum Probieren.“ Die 49-Jährige, die in einer Mittagsbetreuung arbeitet, nimmt ein Glas mit einer dunkelroten Flüssigkeit aus einem Korb und öffnet es. „Johannisbeergelee 2021“, steht auf dem Deckel. „Den habe ich dieses Jahr selbst gemacht“, sagt sie.

Auch Eier und Milch kommen nicht aus dem Supermarkt, sondern von Ludwigs Hühnern und den Kühen ihrer Schwiegertochter. „So wissen wir nicht nur, wo die Lebensmittel herkommen, wir haben sie auch immer vorrätig“, sagt Ludwig, die gelernte Hauswirtschafterin ist. Die richtigen Zutaten für den Plätzchenteig sind in der Adventszeit nämlich nicht immer leicht zu bekommen. „Oft sind Nüsse, Marmelade oder Zucker ausverkauft“, sagt Regensburger, während sie die Schokoplätzchen, österreichische Brabanzerl genannt, mit einer Schicht Johannisbeergelee einschmiert. „Die Plätzchen machen wir bestimmt schon seit zehn Jahren“, sagt sie. Immer wieder probieren die beiden Freundinnen neue Rezepte aus, wie Chai-Latte- oder Matcha-Plätzchen. „Meist kommt aber das Altbewährte am besten an.“

Die Rezepte für die 21 Sorten haben sich über die Jahre angesammelt – mache stammen aus dem Internet, andere aus einem Backbuch, einige sind von Mutter oder Schwiegermutter überliefert und ein paar haben sich die beiden von Freunden abgeschaut. Ein Gebäck, bei dem niemand Nein sagen kann, sind die 100-Jahr-Schokotaler. „Ich glaube, die heißen so, weil sie lange dauern, oder Sandy?“, fragt Monika Regensburger scherzhaft. „Die sind wirklich sehr aufwendig“, stimmt Alexandra Ludwig zu. Der Geschmack von Schokolade, Kokosflocken und einem Schuss Rum lässt die viele Arbeit jedoch schnell wieder vergessen.

Vor 16 Jahren, als die beiden zum ersten Mal zusammen gebacken haben, war Ludwig noch etwas skeptisch. „Ich konnte mir das nicht so ganz vorstellen. Ich bin, was Plätzchen angeht, ein bisschen speziell“, gibt sie zu. „Du bist perfektionistisch“, entgegnet Regensburger. „Ich mache halt keine Kekse, der Teig muss dünn, die Formen müssen klein sein“, verteidigt sich Ludwig. Mittlerweile hat sie ihre Freundin mit ihrer Pingeligkeit angesteckt. „Für mich hat Plätzchenbacken inzwischen etwas Meditatives. Ich will, dass die Plätzchen schön aussehen, und wenn das etwas länger dauert, dann dauert es halt länger“, sagt Regensburger. „Dafür freue ich mich wie ein kleines Kind, wenn ich die Plätzchendose aufmache.“ Während der vier Back-Tage, die sich die Freundinnen mit Radio hören und ratschen vertreiben, naschen sie jedoch an keiner einzigen Sorte. „Da hat man mehr Lust auf eine Essiggurke oder ein Butterbrot“, scherzt Monika Regensburger.

Die beliebten österreichischen Brabanzerl werden mit Johannisbeergelee gefüllt.
Die beliebten österreichischen Brabanzerl werden mit Johannisbeergelee gefüllt. © Dagmar Rutt

Wichtig beim Plätzchenbacken sei, dass der Teig schon einen Tag vorher gemacht wird und eine Nacht im Kühlschrank ruhen kann. „Sonst ist er zu warm und klebrig“, sagt Ludwig. „Auch zu viel Mehl ist schädlich für den Teig, das macht ihn mürbe.“ Doch selbst der erfahrenen Bäckerin passieren noch Fehler. „Ich mache fast jedes Jahr eine Sorte ohne Zucker. Mein Mann sagt immer, dass ich wieder Diabetes-Plätzchen gebacken habe.“ Früher hat der Ziegenbock das verunglückte Gebäck bekommen, mittlerweile freut sich der Vater einer Freundin darüber. „Der mag nichts Süßes.“

Neben den 21 Plätzchensorten backt Alexandra Ludwig noch rund 700 Elisen-Lebkuchen. „Ein Großteil ist für meine Kunden am Markt. Am vorletzten Wochenende vor Weihnachten bekommt jeder einen schwarzen und einen weißen Lebkuchen geschenkt.“ Ob sie auch Plätzchen verkauft, wird die 51-Jährige regelmäßig gefragt. Ihre Antwort ist jedoch klar: „Da steckt so viel Liebe und Zeit drin, die kann ich nicht hergeben.“

Am letzten der vier Back-Tage verteilen die Freundinnen die Plätzchen in mehrere Dutzend Dosen. „Damit fängt für mich die Weihnachtszeit an“, sagt Ludwig.

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