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Klaus Kögel: „Freiwillige Leistungen auf dem Prüfstand“

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Von: Hanna von Prittwitz

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Seefelds Bürgermeister Klaus Kögel hat gut lachen: Finanziell steht die Gemeinde Seefeld inmitten der Pandemie besser da als erwartet.
Seefelds Bürgermeister Klaus Kögel hat gut lachen: Finanziell steht die Gemeinde Seefeld inmitten der Pandemie besser da als erwartet. © Andrea Jaksch

Was bringt das Jahr 2022? Der Starnberger Merkur spricht mit den Bürgermeistern und Bürgermeisterinnen aller Gemeinden über die Pläne für das neue Jahr. Heute: Klaus Kögel, Bürgermeister der Gemeinde Seefeld.

Seefeld – Eineinhalb Jahre Amtszeit liegen hinter Seefelds Bürgermeister Klaus Kögel. Beim Jahresgespräch in der Verwaltung im Seefelder Technologiepark macht der 63-Jährige einen entspannten Eindruck. Grund dazu hat er, denn die Pandemie hat die Gemeinde zumindest finanziell längst nicht so gebeutelt wie erwartet.

Herr Kögel, wie fällt Ihre Bilanz für 2021 aus?

Tatsächlich ganz gut, obwohl einen die Rahmenbedingungen nach wie vor nicht zu Luftsprüngen veranlassen. Im Großen und Ganzen ist die Gemeinde bisher gut durchgekommen. Das betrifft auch die Verwaltung: Wir hatten keinen einzigen Corona-Fall. Dazu kommt die finanzielle Situation, die nicht desolat ist wie befürchtet. Im ersten Jahr hat uns der Staat unter die Arme gegrifen. Doch auch im zweiten Jahr können wir es schaffen. Wir werden bei den freiwilligen Leistungen aber Abstriche machen müssen.

Wie meinen Sie das?

Wir werden die freiwilligen Leistungen an die Vereine und Einrichtungen auf den Prüfstand stellen. Das sind die Vereine so nicht gewohnt, aber es geht nicht anders. Mir geht es auch um das Bewusstsein im Umgang mit den Steuergeldern und um Eigenverantwortung. Wenn wir zum Beispiel für die Liegenschaften, die ein Verein nutzt, den Unterhalt zahlen und ich dann sehe, dass dort pausenlos das Licht brennt oder geheizt wird wie verrückt, dann ärgert mich das. Natürlich wollen wir die Arbeit der Vereine für die Gesellschaft anerkennen und unterstützen. Mit dem Geld pfleglich umzugehen, ist aber auch Vorgabe der Rechtsaufsicht. Wir brauchen einen Bewusstseinswandel, den möchte ich erreichen. Ich weiß schon, dass ich dafür nicht viele „Likes“ kriege. Es hat aber schon jeder mitgekriegt, dass ich versuche, ausgleichend zu sein. Ich bin eher selten konfrontativ.

Bei welchen großen Projekten soll es 2022 sichtbar weitergehen?

Ganz oben auf der Liste steht für mich die Verkehrsführung in Drößling. Da will ich nächstes Jahr fertig sein – und zwar ohne Ampel. Ich bin der Überzeugung, dass das ohne Ampel dort besser läuft. Ich weiß, es gibt zwei, drei Anlieger, die der Ampelregelung mehr abgewinnen können. Aber deutlich mehr Anlieger sind für die Verbreiterung, die in erster Linie dem Gehweg zugutekommt. Es überwiegen die Vorteile. Eine Ampel würde auch den Verkehr in Unering beeinflussen, da würde dann dort das Rumoren anfangen. Es gibt jetzt schon viele Verkehrsteilnehmer, die über Unering fahren, weil die Gefahr, in Drößling stecken zu bleiben, größer ist. Die Umsetzung steht im Sommer an. Das wäre mein erstes Ziel.

Wie schaut es mit der Entwicklung der Flächen am Jahnweg aus mit Blick auf Gewerbeansiedlung?

Die Niederschlagswassersituation dort macht uns zu schaffen. Das Wasserwirtschaftsamt fordert die Ausweisung von Rückhaltebecken. Das ist ein großes Problem und ich hoffe sehr, dass wir uns mit der Behörde und der Unteren Naturschutzbehörde da an einen Tisch setzen und einig werden können. Denn daran hängt die gesamte Entwicklung des Areals und damit auch die Gewerbesteuereinnahmen. Die Situation ärgert mich, sage ich ganz ehrlich. Das wäre ein zweites Ziel.

Und ein drittes?

Die Fortführung des Ortsentwicklungskonzepts. Es ist sehr ärgerlich, dass die Klausurtagung ausgefallen ist, das Thema hätte da großen Raum eingenommen. Die Entwicklung der großen Ortsteile mit Blick auf Gewerbe, soziale Räume und Kinderbetreuung auch im Hinblick auf den rechtlichen Anspruch auf Ganztagsbetreuung ab 2025, in all diesen Bereichen müssen wir weiter kommen. Alles hängt mit allem zusammen und sollte in Balance bleiben. Auch wenn wir es nicht hinkriegen werden, dass die Ausstattung der Ortsteile Hechendorf und Oberalting-Seefeld absolut im Gleichgewicht ist.

Welche Optionen bietet da die Immobilie der Chirurgischen Klinik auf lange Sicht – bekanntlich wird das Krankenhaus langfristig geschlossen?

Das ist eine riesige Chance für den Ort, egal, wo die neue Klinik letztlich gebaut wird. Der Gemeinderat durchdenkt die Nachnutzungen, im nächsten Schritt werden wir das mit dem Immobilienverband Klinik Seefeld und dann mit der Öffentlichkeit diskutieren.

Müssen sich die Bürger nächstes Jahr auf größere Baustellen einstellen?

Es wird an der Spitzstraße in Hechendorf losgehen. Dort werden vermutlich drei Baukörper mit 22 Wohnungen entstehen. Das wäre mir jedenfalls lieber als zwei Baukörper, die dann eine Riegelwirkung hätten. Das zweite Projekt, die Stampfgasse in Oberalting, nehmen wir 2023 ins Visier. Etwas unbequem kann es an der Bahnhofstraße in Hechendorf werden. Sie ist in einem schlechten Zustand. Was genau gemacht werden muss, wird eine Kanalbefahrung im Januar zeigen. Die erforderliche Baumaßnahme allerdings könnten wir nur im August durchführen. Die Baustelle wird schwierig, nicht zuletzt wegen des starken Busverkehrs. Auch an der Aubachstraße in Oberalting stehen noch Kanalbauarbeiten an, Und dann will auch die Telekom mit der Verlegung von Glasfasern loslegen. Das läuft aber hoffentlich besser als in der Nachbargemeinde. Und die Brückensanierung an der Kastanienallee bei Gut Delling, die müssen wir auch anpacken.

Die Gemeinde steht auch deswegen finanziell unter Druck, weil ein großer Konzern seine Gewerbesteuer an anderer Stelle zahlt. Gibt es dazu eigentlich Gespräche?

Ja, es gibt Gespräche, in denen ich darauf aufmerksam mache, dass die taktisch-strategischen Entscheidungen des Konzerns dafür sorgen, dass das Image des Unternehmens in unserer Gemeinde leidet. Da kann die Geschäftsführung vor Ort nicht so viel dafür, das ist auch klar. Ich weiß aber auch, was für Bedeutung Marken haben. Gewisse Spendenaktionen wären da mit Blick auf die Kraft der PR sicher hilfreich. Und ich rede da nicht über eine Brotzeit für die Feuerwehr. Der Konzern nutzt unsere Infrastruktur, und auch die Feuerwehr Oberalting ist speziell aufgestellt. Wenn er die übliche Gewerbesteuer zahlen würde, wäre die Gemeinde auf einen Schlag alle Sorgen los.

Wie hat sich die Arbeit im Gemeinderat entwickelt?

Ich bin mit der Situation sehr zufrieden. Wir kommen bislang super klar. Am Anfang, also 2020, hat es schon gerumpelt. Da war ich auch etwas frustriert. Aber es ist dann wieder in Ordnung gekommen. Bei den verschiedenen Themen wie beispielsweise beim Krankenhausstandort haben wir uns intensiv auseinandergesetzt, es aber auch weitgehend sachlich gehalten. Ich bete und hoffe nun, dass bald jemand die Fahne hisst und wir wissen, wo das neue Krankenhaus gebaut wird.

Wie steht es um den Ausbau des S-Bahnhofs – mit Blick auf Barrierefreiheit?

Die Bahn ist und bleibt ein schwieriger Verhandlungspartner. Aber das Bauamt ist am Ball. Durch den geplanten zweigleisigen Ausbau erhält auch der barrierefreie Ausbau eine andere Priorität. Allerdings hängt dies auch von der Entscheidung zum Thema Klinik ab. Sollte diese doch in Hechendorf gebaut werden, sieht das gesamte Konzept anders aus. Abgesehen davon diskutieren wir beim barrierefreien Ausbau eine schlanke Version mit einer Rampe, die auf den Bahnsteig führt. Das ist die beste Lösung auch mit Blick auf Unterhalt und Vandalismus. Ich möchte aber die Bahn auch dazu bringen, dass sie ihr Versprechen einlöst und die Anlieger über den zweigleisigen Ausbau umfassend informiert. Das geht auch auf keinen Fall online, finde ich.

Was wünschen Sie sich für 2022 als Bürgermeister?

Ich wünsche mir, dass wir weiter mit stabilen Finanzen rechnen können, dass die Ortsentwicklung weitergehen kann, und das wir auch mit der Verwaltung gut durchkommen – trotz und mit Corona.

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