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Wenn die Busse der 924er Linie an der S-Bahn stehen, tickt die Uhr. Die Busfahrer haben 18 Minuten Zeit, zu kassieren und dann die Runde hinüber nach Seefeld und wieder zurück nach Hechendorf zu drehen. 

Öffentlicher Nahverkehr

Drei Minuten sollen es in Seefeld richten

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Zwölf Minuten Zeit haben die Fahrer der Linie 924 für die Runde vom S-Bahnhof Hechendorf über Seefeld und zurück. Zu wenig, aus mehreren Gründen. 

Seefeld– Die Buslinie 924 sorgt in Seefeld für Gesprächsstoff. Sie bedient die jeweils ankommenden und abfahrenden S-Bahnen und fährt immer gegen den Uhrzeigersinn nach Seefeld und wieder zurück nach Hechendorf. Aus mehreren Gründen ist dies aber nicht immer in den vorgegebenen zwölf Minuten zu schaffen. In der Sitzung des Seefelder Umweltausschusses war dies ein Thema. Für Verdruss aber sorgt die Tatsache, dass das Landratsamt nun mit einer Fahrplanänderung reagiert hat – von der in der Gemeinde niemand etwas wusste.

„Das ist schon ein starkes Stück“, ärgerte sich Dr. Oswald Gasser (FDP) im Umweltausschuss am Dienstagabend. Ab Montag, 19. Februar, nämlich fährt die Linie 924 morgens nicht mehr um 7.13 Uhr ab S-Bahnhof Hechendorf los, sondern schon um 7.10 Uhr. „Das heißt: Allen, die mit der S-Bahn um 7.10 Uhr kommen und beispielsweise in Seefeld in der Klinik arbeiten, fährt der Bus vor der Nase weg“, sagte Gasser. Und es gibt noch einen Grund für seinen Groll: „Wir zahlen viel Geld für den Bus, und dann wird man nicht mal informiert.“ Erfahren hat Gasser nur durch Zufall von der Änderung. In der Sitzung präsentierte er einen Flyer, auf dem der MVV über die während der Schulzeiten geltende Neuerung informiert. Die um 7.10 Uhr beginnende Fahrt ende um 7.22 Uhr wieder am S-Bahnhof, heißt es dort. Und: „Somit können die S-Bahnen Richtung Herrsching und München, jeweils Abfahrt um 7.30 Uhr, zuverlässig erreicht werden.“

Im Landratsamt Starnberg hatte man gestern eine plausible Erklärung: „Bei uns haben sich sehr viele Eltern und auch die Realschule Herrsching beschwert, weil die Schüler den Bus um 7.30 Uhr oft verpasst haben und zu spät zur Schule kamen“, erklärte Pressesprecherin Barbara Beck. Mitarbeiter der Verkehrsbehörde hätten daraufhin die Situation vor Ort überprüft. „Um die Zeit sind vor allem Schüler in dem Bus. Und nur eine berufstätige Person“, sagte Beck. Daher habe man entschieden, die Abfahrtszeit um drei Minuten nach vorn zu verlegen.

Dass die Busfahrer der Linie 924 oft Schwierigkeiten haben, die ganze Runde in den nötigen 12 Minuten, also immer zum Turnus der S-Bahnen zu schaffen, hat viele Gründe (wir berichteten). Ein Problem ist die Parksituation, und zwar sowohl an der Mühlbachstraße als auch an der Hauptstraße in Seefeld. Immer wieder muss der Bus anhalten und den Gegenverkehr vorbeilassen. Hat er sich durch Hauptstraße und Mühlbachstraße durchgekämpft, steht er an der Ampel. Diese räumt dem Verkehr auf der Staatsstraße von Herrsching nach Weßling Vorrang ein und ist entsprechend geschaltet. „Da verliert der Bus dann noch mal eine Minute“, sagte Gasser. Ute Dorschner (UFL/SPD) hatte aber auch beobachtet, dass der Bus an der S-Bahn oft viel Zeit verliert: „Da reicht es, wenn ein Fahrgast sein Geld nicht passend hat fürs Ticket.“

Automaten in den Bussen zu installieren, ist laut Gasser „viel zu teuer“. Die Busroute, wie von Stephan Burkes (BVS) angefragt, im Uhrzeigersinn verlaufen zu lassen, ist offensichtlich zu riskant. „Der Bus müsste dann von der Schranke kommend nach links auf die Eichenallee abbiegen, und das ist zu uneinsehbar und dauert vermutlich auch wieder länger“, erklärte Gasser.

Was also tun? Letztlich einigten sich die Mitglieder des Umweltausschusses auf zwei Empfehlungen für den Gemeinderat. Zum einen soll die Ampelschaltung sowohl an der Mühlbachstraße als auch an der Kreuzung unterhalb des Seefelder Schlosses den Bus bevorrechtigen. „Da gibt es in vielen Städten schon Fernbedienungen für die Busse, vielleicht wäre so etwas auch bei uns möglich“, sagte Gasser. Außerdem soll die Parkplatzanordnung entlang der Mühlbach- und der Hauptstraße angeschaut werden. Dort sah das Gremium grundsätzlich Handlungsbedarf. Gasser: „Wenn wir eines Tages die beiden Großbaustellen Supermarkt und Klinik haben, werden wir um Parkverbote und wohl auch eine Einbahnstraßenregelung für die Hauptstraße nicht mehr herum kommen.“

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