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Das Aubachtal aus der Luft. Im Vordergrund sind der Pilsensee und die Flussmündung zu sehen. 

20 Jahre Schutzgemeinschaft Aubachtal

Der schöne Aubach und seine Auen

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20 aktive Jahre liegen hinter der Schutzgemeinschaft Aubachtal. Grund genug für einen ausführlichen Rückblick bei der Jahresversammlung, bei der auch der Vorstand neu gewählt wurde. Ernste Töne gab es allerdings auch.

Seefeld– Der Aubach entsteht im Plonnermoos im Süden der Gemeinde Weßling nahe Hochstadt. Er ist etwa sieben Kilometer lang und speist bei Hechendorf den Pilsensee. Die Schutzgemeinschaft Aubachtal ist streng genommen auch eine Schutzgemeinschaft für den Pilsensee. Denn um diesen vor Verunreinigungen zu schützen, entwickelte Eberhard Stich, langjähriger Vorsitzender des Fischereivereins Pilsensee Wörthsee, schon in den 90ern einige Gedanken und Vorschläge, denen vor allem die Renaturierung des einst von Zwangsarbeitern grob ausgehobenen Grabens mit seinen hohen, verödeten Ufern zugrunde lag.

Zum einen sollten dem Aubach seine Auen zurückgegeben werden. Zum anderen erreichte es die 1998 auf das Hinwirken von Stich gegründete Schutzgemeinschaft, dass Verunreinigungen wie Kraftstoffe beispielsweise nicht direkt in den Pilsensee gelangten. Denn es gab einige Ölunfälle diese Art, zumeist von defekten Fahrzeugen verursacht. Doch die beiden Auffangbecken an den Bächen, die vom Seefelder Bahnhof hinab in den Aubach fließen, haben da schon Schlimmeres verhindert, wie Ute Dorschner, langjährige und gerade wieder gewählte Vorsitzende bei der Jahresversammlung im Seefelder Bräustüberl berichtete. Die Renaturierung verlangsamte auch die Fließgeschwindigkeit des Bachs, und tatsächlich hat er in Teilbereichen zu der Idylle zurückgefunden, die er ganz früher vielleicht mal gewesen ist.

Nicht nur die Auffangbecken wurden angelegt. Von der Staatsstraße aus zogen die Aubachschützer – ebenfalls auf Initiative von Stich – zwei Gräben in das Schilf, die sich bis heute je nach Wetterlage und Wasserstand füllen und die Fläche vernässen. Später, 2003, legten die Naturschützer auf dem Fischereigrundstück noch zwei Flachwasserbiotope an, im gleichen Jahr begannen sie auch mit der Renaturierung des Baches bei Delling.

Mit im Boot war seit jeher die Gemeinde Seefeld. Sie gab einst bei Architekt Erhard Bolender einen Gewässerpflegeplan in Auftrag, sie kaufte 1995 das so genannte Fischereigrundstück und damit 3,2  Hektar Aubach-Wiesenwald zwischen der Staatsstraße und dem Pilsensee. Und sie unterstützt den Verein bereitwillig bei seinen Aktivitäten.

Mit der Renaturierung des Aubachs war 1997 bereits begonnen worden. Eberhard Stich beaufsichtigte damals die Baustelle, und er wurde nicht müde, immer noch weiter an die Gemeinde und die Naturschützer hinzureden. „Er hat immer gesagt: Ein Verein kann Spenden akquirieren und hat mehr Kraft“, erinnert sich Dorschner. Im März 1998 war es dann schließlich soweit. Zu den Gründungsmitgliedern zählten neben Stich und Dorschner Ursula Gampe und Dr. Oswald Gasser. Letztere sind Beisitzerin und Kassier, auch heute noch. Seit Sommer 2000 ist der Verein als gemeinnützig anerkannt. Er zählt weniger als 30 Mitglieder. Die Zahl täuscht jedoch. Denn mit dem Bund Naturschutz, dem Fischereiverein und auch der Firma 3 M sind größere Mitgliedsgruppen beteiligt. Kurz nach der Gründung der Schutzgemeinschaft entstanden auch die Agenda-Gruppen in Seefeld. Das Miteinander ist intensiv, daher sieht sich die Schutzgemeinschaft bis heute als ein Teil der Agenda.

2006 schließlich durfte die Schutzgemeinschaft die ehemalige Kläranlage sozusagen übernehmen. Jahrelang hatte diese dem Bauhof als Baustofflager gedient. „Da liegt auch heute noch Beton herum“, berichtet Dorschner. Die Naturschützer machten klar Schiff, errichteten ein Insektenhotel und zauberten im Laufe der Zeit aus der etwa 900 Quadratmeter großen Fläche nahe der Staatsstraße 2068 eine Idylle, die auch bei Festen und Aktionen ein besonderes Ambiente bietet.

Wenn es etwas zu feiern gab in der Gemeinde, sei es der 1200. Geburtstag oder das Fest der Eichenallee – immer beteiligte sich auch die Schutzgemeinschaft. Seit 2013 gibt es entlang des Aubachs in Richtung Kläranlage einen Lehrpfad, 2016 fand ein Aubachfest statt, 2017 legten die Naturschützer entlang des Aubachs einen Blühstreifen an, und im Januar 2018 rief die Schutzgemeinschaft zu einem Arbeitseinsatz auf: Denn die Weiden entlang des Bachs wachsen schnell und müssen immer wieder ausgelichtet werden. Im Angebot befinden sich außerdem Vorträge und Ausstellungen.

Derzeit plant der Verein die Anlage eines Lesesteinhaufens: Dieser soll vor allem Eidechsen und Insekten als Bleibe dienen. Wo er genau entstehen wird, ist offen. Ute Dorschner konnte der Versammlung jedoch berichten, dass ein Landwirt einen Teil seiner Fläche angeboten habe, „damit wir sie ökologisch wertvoller machen“.

Ein reger kleiner Verein also, der sich mit Herzblut um das Aubachtal kümmert. Als es jedoch um die Frage ging, ob an der Eichenallee und damit nicht weit entfernt eine Fläche für den eventuellen Neubau der Chirurgischen Klinik Seefeld vorbereitet werden sollte, schwiegen die Vereinssprecher. In der Versammlung war dies Thema. „Das hat mir gefehlt, dass die Schutzgemeinschaft das Wort ergriffen hat“, sagte Constanze Gentz, Vorsitzende der Bund-Naturschutz-Ortsgruppe Hechendorf. Auch Niki von Dehn wollte wissen, wie weit in den Augen des Vereins der zu schützende Bereich geht, erkannte aber auch einen Gewissenskonflikt. Denn treibende Kräfte im Verein sind mit Dorschner und Gasser zwei Gemeinderäte. Beide hielten sich bei der Diskussion zurück. Gentz schlug schließlich vor, sich in Zukunft aktiv an der Ortsentwicklung zu beteiligen. Und Rolf Annecke, im Amt bestätigter zweiter Vorsitzender, sagte: „Wir sollten das nächste Mal gewappnet sein.“ An der Besetzung des Vorstands änderte sich wenig. Dr. Beate Zimmer bleibt Schriftführerin, Uschi Gampe Beisitzerin. Dr. Martin Dameris prüft die Kasse. Neue Beisitzerin ist Constanze Gentz.

Zurück zur Idylle. In den ersten Frühlingstagen summen an dem Bach die Bienen, die Weidenkätzchen blühen. Die sanften Ufer des Aubachs bieten Tier- und Pflanzenwelt beste Bedingungen, über den Bach hinweg ragen Büsche und Gehölze. Im klaren Wasser werden später wieder Flussbarsch, Rotaugen und andere Fische flussaufwärts wandern. Auch der Biber hat sich wieder angesiedelt. Ein schutzbedürftiges Paradies.

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