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Aufgeständerte Solarpaneele: Diese Anlage befindet sich im Saarland. Ernst Deiringer könnte sich etwas Ähliches auch in der Kommune vorstellen. 

Energiewende

Energie und Kartoffeln von einem Feld

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Strom und Getreide vom gleichen Feld: Ernst Deiringer, Sprecher der Energiewende-Ortsgruppe Seefeld, will sich in der Gemeinde diesbezüglich auf Flächensuche machen. Vom Umweltausschuss erhielt er dafür grünes Licht. Auch ein Ortstermin ist geplant.

Seefeld – Bis 2035 will der Landkreis die Energiewende schaffen, aber es ist mühsam.

Der Anteil Erneuerbarer Energien am Gesamtenergieverbrauch liegt derzeit insgesamt bei gut elf Prozent. Die Gemeinde Seefeld ist mit einem Anteil von 18 Prozent einigermaßen gut unterwegs. Sie schneidet aber nur deshalb besser ab, weil es in Gut Tiefenbrunn ein großes Solarfeld gibt, das 3,2 MWp (Megawatt-Peak) Strom liefert – das ist der Strombedarf von bis zu 860 Haushalten. Deiringer findet: Da geht noch mehr. Er stellte dem Ausschuss Methoden vor, die Ernte und Stromgewinnung nicht mehr ausschließen. Das konnten sich die Mitglieder des Gremiums auch für die Gemeinde Seefeld vorstellen.

„Agrofotovoltaik“ heißt das Zauberwort. Am Bodensee testet eine Biobauern-Hofgemeinschaft derzeit eine Anlage, die sich auf hohen Stelzen befindet. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend. Unter den Solarpaneelen ernteten die Landwirte am Bodensee Winterweizen, Kartoffeln, Sellerie und Kleegras in wechselnder Fruchtfolge. „Die Anlage ist so hoch, dass Traktoren unter ihr rangieren können“, erklärte Deiringer. Das Mikroklima unter den Solardächern sei ein bisschen wärmer, dunkler und trockener. Einige der Pflanzen mochten dies lieber, andere nicht. Weil die Paneele das Licht auch von unten auffangen, passte auch der Stromertrag. Allerdings sind die Anlagen teuer. Und rein optisch entfachten die hohen Stelzen mit den Solarpaneelen im Umweltauschuss keine Begeisterung.

Besser gefiel den Mitgliedern die Lösung, die das Berliner Startup „Next2sun“ schon auf mehreren Flächen in ganz Deutschland testet: sogenannte bifaziale Fotovoltaikanlagen, deren Module es erlauben, zweimal täglich Strom zu ernten. Die Paneele stehen vertikal, die Vorderseite liefert vormittags, die Rückseite nachmittags Strom. „Unser Vorteil ist, dass wir dann Strom machen, wenn die anderen Module noch nicht liefern. Und mittags, wenn alle produzieren, ist der Ertrag geringer. Das wirkt sich auch auf den Strompreis aus“, erklärt Daniel Kögler, Bauleiter bei „Next2sun“. Die Installation ist weniger aufwendig, und zwischen den etwa 2,60 Meter hohen Ständern ist gut zehn Meter Platz. Genug Raum also für die Bewirtschaftung des Felds. Nach Testläufen im Saarland ist 2019 eine 4-Megawatt-Anlage geplant.

Zwei Hürden haben aber wohl beide Methoden zu nehmen: Bislang sind Ackerflächen von der Nutzung für die Solarstromerzeugung ausgeschlossen. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) schreibt vor, dass sie nur auf sogenannten benachteiligten Gebieten errichtet werden dürfen.

Deiringer will sich davon nicht beirren lassen, sondern überhaupt erstmal nach Flächen schauen. Seinen Worten nach gibt es beispielsweise weitere Möglichkeiten in der Nähe des Guts Tiefenbrunn. Aber auch bei der Umladestation Unering konnte sich das Gremium ein Feld vorstellen. Allerdings hatte Ute Dorschner (SPD) die Befürchtung, das für die Ständer zu tief gegraben werden müsste. Wie Kögler von „Next2Sun“ berichtet, ist die Tiefe von der Bodenbeschaffenheit und der Windstärke abhängig. Bei einem Pilotprojekt in Dirmingen im Saarland „haben wir im Innenbereich der Anlage 1,60 Meter tief gerammt, im Außenbereich tiefer“.

Vielleicht zu tief für die ehemalige Umladestation. Deiringer wird trotzdem im Auftrag des Umweltausschusses auf Flächensuche in der Gemeinde gehen. Vor der nächsten Sitzung Anfang April soll dann auch eine Ortsbegehung stattfinden.

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