Senioren-Wohnprojekt

Neue Angebote  auch für die Nacht

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Der Bebauungsplan ist fertig: Das Pflege-Wohnprojekt in Oberalting-Seefeld nimmt an Fahrt auf. 

Seefeld – Der Bebauungsplan ist mittlerweile in trockenen Tüchern, im Dezember will Ulf Walliczek den Bauantrag einreichen: Beim geplanten Pflege-Wohnprojekt in Oberalting erhöht sich nun deutlich das Tempo.

„Das war ein wichtiger Schritt für uns“, freute sich Ulf Walliczek gestern auf Rückfrage. Seit mehr als zehn Jahren ist der Geschäftsführer des Seniorenstifts Pilsensee mit der Entwicklung eines weiteren Wohnprojekts wenige Meter weiter an der Ulrich-Haid-Straße/Anton-Etmayr-Straße in Oberalting beschäftigt. Der Satzungsbeschluss zum vorhabenbezogenen Bebauungsplan „Seniorenstift Pilsensee“ und das damit abgeschlossene Bebauungsplanverfahren war das Finale eines mitunter mühsamen und langwierigen Prozederes.

Änderungen im Nutzungskonzept und auch beim bestehenden Seniorenstift, in dem zwischenzeitlich der Träger gewechselt werden musste, sorgten für Verzögerungen. Am Nutzungskonzept für die beiden geplanten Gebäude tüftelt Walliczek nach wie vor – in Absprache mit Behörden und auch Pflegekassen.

„Wir wollen die Leistungen ausbauen und auch ambulanten Service anbieten“, erklärt Walliczek. Wie berichtet, wird dem Hauptgebäude ein Pavillon für die Tages- und auch Nachtpflege vorgelagert. Bei Letzterem handelt es sich insgesamt um ein neues Angebot in der Pflegelandschaft. „Bisher gibt es das relativ selten, auch weil die Kasse dafür nicht eingesprungen ist“, sagt Walliczek. Die Vergütungsmodelle seien heute jedoch durchlässiger, „und es gibt einen Bedarf“. Die Nachtpflege richtet sich an Menschen, die ihre Angehörigen pflegen, nachts jedoch Kraft tanken und schlafen wollen und müssen. Denn viele Pflegebedürftige sind besonders nachts unruhig und müssen versorgt werden. Insgesamt können in dem Pflegepavillon voraussichtlich bis zu 20 Menschen versorgt werden. Dazu kommt ein Seniorentreff, in dem auch unterschiedliche Angebote stattfinden können – „auch in Zusammenarbeit mit der Nachbarschaft“, wie Walliczek betont.

Wie genau die Aufteilung im Hauptgebäude ausschauen wird, kann Walliczek noch nicht sagen. Möglich sind Wohngruppen für Demente, aber auch Appartements für Ehepaare, bei denen nur ein Teil pflegebedürftig ist. „Unsere Betreuungskräfte unterstützen dann bei der Pflege“, erklärt Walliczek. Der gesunde Lebenspartner kann indessen das Programm des Seniorentreffs nutzen, auch, um fit zu bleiben. „Heute ist es wichtig, dass die Menschen so lange wie möglich ihre Selbstbestimmung wahren können“, sagt Walliczek. „Wir wollen also nicht alles für alle anbieten, sondern flexibel sein und reagieren können.“

Was den Bedarf in Seefeld angeht, so orientieren sich Walliczek und die Planer unter anderem an den Pflegebedarfserhebungen der Heimaufsicht in Starnberg. Die jüngste Erhebung wurde 2016 vorgenommen, „die nächste kommt 2021“. Eine Rolle spielt auch der Pflegeatlas, in dem für jede Kommune der Bedarf aufgeschlüsselt ist. „Da sieht man schon ganz gut, wo die Reise hingeht.“

Der Beschluss in der Gemeinderatssitzung fiel gegen eine Stimme. Dr. Robert Benoist (Grüne) beklagte die Versiegelung für das Wohnprojekt, die „doppelt so groß wie ursprünglich geplant“ ausfiele. „Die Daseinsvorsorge schlägt das Naturschutzargument“ befand Bürgermeister Wolfram Gum, und auch der Rest des Gremiums sah das so.

Walliczek hatte die Sitzung verfolgt. „Mit dem Garten der Sinne und dem Garten der Erinnerung binden wir Grünanlagen ein“, sagte er gestern. Abgesehen davon habe er von der Gemeinde mehr Grund erwerben müssen, als ursprünglich geplant. „Das müssen wir irgendwie gegenfinanzieren.“ Walliczek setzt auf Holzelementbauweise, bei der Energie- und Wärmeversorgung sollen zeitgemäße Lösungen angewendet werden. „Das Nahwärmeprojekt in Seefeld hat ja leider nicht geklappt. Aber wir finden etwas Ähnliches.“ Walliczek geht davon aus, dass im Frühjahr mit dem Bau begonnen wird. „2020 wollen wir Eröffnung feiern.“

Rubriklistenbild: © dpa / Britta Pedersen

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