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„Viele wollen nicht in einen Container mit sechs Männern gehen“: (v.l.) Johanna Senft und Koordinatorin Stefanie Kalchschmidt vor der Anlage in Oberalting.

Asylhelfer suchen Verstärkung

„Die Leute haben Angst“

  • Hanna von Prittwitz
    vonHanna von Prittwitz
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Die aktuelle Stimmungslage macht es in Seefeld schwerer, freiwillige Helfer zu finden.

Seefeld – Die Wohnanlage für Asylbewerber in Seefeld ist wieder voll ausgelastet. Nach Angaben der Gemeinde Seefeld sind vergangene Woche zwei Ehepaare und 28 alleinstehende junge Männer aus Nigeria, Somalia, Sierra Leone und Afghanistan in die Container an der Ulrich-Haid-Straße eingezogen. Die Zahl der in Seefeld untergebrachten Flüchtlinge ist damit auf 117 gestiegen.

Zuständig für die Seefelder Anlage ist nach Angaben von Koordinatorin Stefanie Kalchschmidt mittlerweile die Regierung von Oberbayern, die die Anlage mit ihren Kontingenten auffüllt. Die jungen Männer kommen vorwiegend aus einer Erstaufnahmeeinrichtung und werden nun über die Asylsozialberatung und den Helferkreis unterstützt. Den alleinstehenden Männern Ehrenamtliche zur Seite zu stellen, ist nach Angaben Kalchschmidts jedoch zu einem „großen Problem“ geworden. Der Grund: Viele wollen nicht „in einen Container mit sechs Männern gehen“, weiß die 32-Jährige. Verantwortlich sei die aktuelle Stimmungslage, die Politik und Medien verbreiten. „Die Leute haben Angst“, sagt Kalchschmidt.

Betreuung durch den Helferkreis und Paten verlief bisher relativ reibungslos

Insgesamt gibt es im Gemeindebereich zwei Wohnanlagen für Flüchtlinge. Im Ortsteil Hechendorf wohnen 32 junge Männer in einer gemeindeeigenen Anlage am Oberfeld. Wie berichtet, handelt es sich zumeist um Eritreer (29), die anderen Männer stammen aus Somalia und Mali (2).

Die Betreuung durch den Helferkreis und Paten verlief bisher relativ reibungslos. 25 der jungen Männer sind anerkannt, fast alle haben Jobs oder Ausbildungsplätze. Die Tatsache allerdings dass ein 23-jähriger Eritreer, der kurz zuvor aus einer Anlage in Tutzing nach Hechendorf gezogen war, in der S-Bahn mehrere Frauen belästigt hatte (wir berichteten), warf auch einen Schatten auf die Arbeit des Helferkreises. Was aus dem Mann geworden ist, ist unbekannt. „Wir haben nichts mehr gehört“, sagt Johanna Senft vom Helferkreis.

Asylhelferin: „Ich wurde noch nie bedroht oder sexuell belästigt“

Laut Kalchschmidt ist es seitdem jedoch noch schwerer, Frauen zu finden, die sich in den Anlagen um die jungen Männer kümmern. Und die weiblichen Helfer stellen immerhin zwei Drittel der insgesamt 40 Ehrenamtlichen in Seefeld und Hechendorf.

Kalchschmidt selbst arbeitet seit sieben Jahren mit männlichen Flüchtlingen und hat nach eigenen Angaben keinerlei Berührungsängste. Bevor sie ihren Teilzeitjob bei der Gemeinde Seefeld antrat, war die Sozialpädagogin in einer Anlaufstelle für unbegleitete männliche Jugendliche in München tätig. Probleme hatte sie in der Landeshauptstadt und auch in Seefeld nur sehr selten. „Ich wurde noch nie bedroht oder sexuell belästigt“, versichert die 32-Jährige. Nur einmal habe sie ein Mann, der mit seiner Unterbringung unzufrieden gewesen sei, verbal angegriffen. Kalchschmidt kannte kein Pardon: „Ich habe ihn bei der Polizei angezeigt.“

Von Jörg von Rohland und Hanna von Prittwitz

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