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Träumen von der großen Profikarriere: Noel (l.) und Lieven Mietusch gehören zu den besten deutschen Nachwuchstennisspielern. Seit Kindergartenzeiten gehen sie ihrem Hobby beim TC Seefeld nach. Demnächst könnte jedoch ein Standortwechsel anstehen.

Lokalsport

Seefelds beste Tennisspieler aller Zeiten

  • vonTobias Empl
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Die Tennis-Talente Lieven und Noel Mietusch vom TC Seefeld trainieren nahezu täglich. Die beiden Brüder träumen von einer Karriere als Profi. Bereits heute haben sie einiges erreicht. Der nächste Sprung könnte schon bald folgen.

Seefeld – Gerade noch hat Lieven Mietusch gemeinsam mit seinem Bruder Noel auf dem Tennisplatz gestanden. Jetzt sitzen die beiden neben ihrer Mutter Melanie auf den Bänken in der Seefelder Tennishalle und erzählen von ihren Plänen. Einmal ein Grand-Slam-Turnier gewinnen, davon träumt Lieven. „Am liebsten die Australian Open oder Wimbledon“, erzählt der 12-jährige Tennisspieler vom TC Seefeld. Er ist aktuell Deutschlands Nummer eins in seiner Altersklasse und wurde am Ende des vergangenen Jahres als eines von zehn männlichen Talenten des Jahrgangs 2007 in den Nachwuchskader des Deutschen Tennisbundes (DTB) aufgenommen.

Die beiden Mietusch-Brüder trainieren vier- bis fünfmal pro Woche – bei ihrem Heimatverein in Seefeld, am DTB-Stützpunkt in Oberhaching und in Gräfelfing. Noels Träume drehen sich ebenfalls um Tennis. „Vom Tennisspielen leben zu können, das wäre schon toll“, sagt der große Bruder, gerade 15 Jahre alt geworden. Er verlor nach einer schweren Rückenverletzung viele Ranglistenpunkte und muss sich langsam wieder herankämpfen.

Ihr Trainer in Seefeld ist Zeljko Cica – und das schon seit Kindergartenzeiten. Damals kam Noel über einen Freund zu einer Schnupperstunde, sein Bruder wollte so bald wie möglich mitspielen. „Es ist eine Seltenheit, dass zwei Brüder so gut Tennis spielen“, schwärmt Cica.

Den ersten internationalen Titel holte Noel 2017 gemeinsam mit Doppelpartner Eddie Schmidt im polnischen Szczawno-Zdrój. Lieven schaffte 2018 in Ulcinj (Montenegro) seinen ersten Finaleinzug im Ausland, im vergangenen Jahr legte er dann eine starke Serie hin und erkämpfte sich den Platz als bester deutscher Spieler seiner Altersklasse. Neben allen großen nationalen Turnieren wie der Oberbayerischen, der Bayerischen und der Deutschen Meisterschaft gewann Lieven vier Einzeltitel bei namhaften europäischen Turnieren: in Boulogne-Billancourt bei Paris, auf Mallorca, bei den International Championships of Baden in Karlsruhe und in Szczawno-Zdrój, wo zwei Jahre zuvor sein Bruder gewonnen hatte. Hinzu kamen vier weitere Siege im Doppel.

Lievens größte Stärke ist seine Unberechenbarkeit. „Die Trainer sagen immer, er spielt unorthodox“, erzählt Mutter Melanie. Er selbst nennt als Inspiration den 24-jährigen Australier Nick Kyrgios, der ebenfalls für sein variantenreiches Spiel bekannt ist. Allerdings reißt dem extravaganten Kyrgios ab und zu mal die Hutschnur. Auch Lieven gibt zu, dass er seine Emotionen manchmal noch besser in den Griff kriegen muss. Noel ist nicht nur neben dem Platz ruhiger, sondern auch in seiner Spielweise. „Ich spiele defensiver“, erklärt der 15-Jährige, der sich eher an Novak Djokovic orientiert.

Die Trainings- und Turnieraktivitäten ihrer Kinder koordiniert Mutter Melanie, bei den meisten Spielen ist sie auch dabei. Wenn es ins Ausland geht, muss meistens eine Schulbefreiung her. Denn die in der Regel einwöchigen internationalen Turniere nehmen keine Rücksicht auf Ferienzeiten. Daher ist Melanie Mietusch Schulleiterin Rita Menzel-Stuck von der Realschule in Herrsching dankbar für das Verständnis.

Für die Trainingskosten muss Melanie Mietusch, die als Krankenschwester arbeitet, bisher zu einem großen Teil selbst aufkommen. Immerhin hat Lieven seit einem Jahr einen Sponsor, der ihm die Ausrüstung bezahlt. Und in Zukunft könnte sich noch mehr ändern: Eine Sportmanagement-Firma zeigt Interesse an einer Zusammenarbeit und könnte die kompletten tennisbezogenen Ausgaben übernehmen. Im Gespräch ist in diesem Zusammenhang auch ein Umzug der ganzen Familie aus Seefeld an einen Standort mit noch professionelleren Trainingsmöglichkeiten.

Wohin das einmal führen wird, ist aktuell noch nicht abzusehen. „Die Jungs sind schon noch sehr klein“, beschwichtigt Coach Cica. Doch eines ist für ihren Jugendtrainer schon heute klar: Die Mietusch-Brüder sind die besten Spieler, die der TC Seefeld je hatte.

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