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Seefelds Leitplanken für die Zukunft

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Von: Hanna von Prittwitz

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Feste wie der Tag der Eichenallee sollen das Miteinander fördern. Auch das ist Thema der Leitlinien.
Feste wie der Tag der Eichenallee sollen das Miteinander fördern. Auch das ist Thema der Leitlinien. © Hanna von Prittwitz

Für Bürgermeister Klaus Kögel sind sie wegweisend für die Entwicklung der Gemeinde Seefeld in den nächsten 20, 25 Jahren und darüber hinaus: Gestern stellte die Gemeinde ihre zwölf Leitlinien zur Entwicklung vor. Der Gemeinderat hat sie diese Woche einstimmig gebilligt.

Seefeld – Das Deckblatt zum Leitlinienkonzept der Gemeinde Seefeld spricht schon Bände: „Vom 24. Mai 2022“, steht da, „ergänzt am 30. Juni, überarbeitet am 8. Juli und am 21. Juli, gebilligt durch den Gemeinderat am 26. Juli“: Zwölf Leitlinien sollen die Geschicke der Gemeinde in den kommenden Jahren bestimmen. Und in ihnen steckt jede Menge Gehirnschmalz, wie Bürgermeister Klaus Kögel, Stefan Futterknecht (stellvertretender Bauamtsleiter, Sachgebiet Bauleitplanung) und Oliver Prells vom Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München gestern bei einem Pressegespräch in der Verwaltung betonten.

Die Leitlinien sind das Ergebnis von zahlreichen Beratungen im Gemeinderat, im Lenkungskreis und der Bürgerbeteiligung zwischen 2017 und 2022. „Es ist eine Weichenstellung für den Ort“, sagte Kögel. Ziel des Konzepts der gleichrangigen Leitlinien ist „die Ausrichtung künftiger kommunaler Entscheidungen an einer nachhaltigen Entwicklung“, heißt es in der Präambel zu dem Schriftwerk. Und zwar auch im Blick auf nachfolgende Generationen. Alle Aktivitäten seien auf den bestmöglichen Nutzen für die Gesamtgemeinde auszurichten.

Bewusst das Miteinander fördern

Die Leitlinien hätten direkten Bezug zum Ort, „sie sind nicht austauschbar“, sagte Kögel, der auch gern von „Leitplanken“ spricht. Die Gemeinde wolle dem Siedlungsdruck gezielt entgegentreten „soweit es möglich ist“. 2000 Neubürger in den nächsten zehn Jahren beispielsweise „kann unsere Infrastruktur nicht schaffen“. Wichtig sei ihm auch der Zusammenhalt im Ort. „Wir wollen bewusst Dinge tun, die das Miteinander fördern.“ Dazu gehöre beispielsweise die regelmäßige Durchführung des Eichenallee-Festes. Abgesehen davon ist vor allem Fläche besonders rar und kostbar, wie Prells betonte. „Es gibt enge Grenzen der Entwicklung durch den Landschaftsschutz.“ Vor allem über das Thema Verkehr sei heftig debattiert und gestritten worden. „Das war auch bei der Bürgerbeteiligung ein heißes Eisen.“ Für den fachlichen Hintergrund habe oftmals die Zeit gefehlt, bedauerte Prells. Die Pandemie habe den ganzen Prozess extrem gestreckt.

Mit den Leitlinien ist es auch noch nicht getan. Zu jeder gibt es noch Textstellen mit den Rahmenbedingungen und der jeweiligen Begründung. An diesen wird noch final gefeilt, im September soll sie der Gemeinderat ebenfalls beschließen. Die Textstellen sollen bei der Anwendung der Leitlinien helfen.

Die Beteiligten hoffen nun, im Herbst mit den Bürgern in Dialog treten zu können. Geplant sind eine Art Informationsmesse, außerdem Infostände auf den Wochenmärkten und eine digitale Diskussionsplattform. „Wenn uns nicht Corona blockiert“, sagte Futterknecht, der sich über viel Lob für seinen Einsatz freute – er hatte das Prozedere seitens der Gemeinde begleitet. Prells war zufrieden mit der Arbeit insgesamt: „Entscheidend ist, einen Konsens zu finden, und zwar nicht den der Lautsprecher.“

Die zwölf Leitlinien der Gemeinde Seefeld im Original

1. Freiraum und Landschaftsbild sind zu schützen. Es bedarf einer überwiegend qualitativen Entwicklung der Gemeinde und einer effizienten Nutzung der zur Verfügung stehenden Flächen. 2. Es bedarf einer Sicherung, Stärkung und Verstetigung der kommunalen Einnahmen, insbesondere der Gewerbesteuereinnahmen, sowie einer sparsamen Haushaltsführung.

3a) Die Wohnraumpolitik orientiert sich primär an der Versorgung der einheimischen und hier arbeitenden Bevölkerung. Der Einwohnerzuzug von außen soll nicht gefördert werden. Soweit steuerbar, soll Zuzug vorrangig durch Arbeitnehmer für ortsansässige Betriebe erfolgen. b) Bei der Nachverdichtung auf bestehenden Grundstücken soll darauf hingewirkt werden, dass angemessene Grünflächen erhalten sowie Nachbarschaften und Infrastruktur nicht überfordert werden. 4a) statt großflächiger Neuausweisungen sollen vorrangig effizient genutzte Ergänzungen für Gewerbeansiedlungen und Betriebserweiterungen erfolgen. b) Es bedarf einer gesteuerten und qualifizierten Gewerbeansiedlung, die zu Seefeld passt. c) Handwerkerbetriebe und die Landwirtschaft sind für die Gemeinde von besonderer Bedeutung. Attraktive Standorte für diese Betriebe sind auch die kleinen Ortsteile. 5. Damit Gewerbebetriebe und Einrichtungen qualifizierte Arbeitskräfte finden und halten können, sollen sie a) bei der Bereitstellung von Wohnraum und b) mit geeigneter Infrastruktur unterstützt werden. 6. Die Gemeindeverwaltung soll weiter zu einem modernen, schlanken und bürgernahen Dienstleister entwickelt werden. 7. In allen Teilen der Gemeinde sollen gleichwertige Lebensbedingungen bestehen und das gesamtgemeindliche Zusammengehörigkeitsgefühl gefördert werden. Der dörfliche Charakter der kleinen Ortsteile soll bewahrt werden. Die Vernetzung von Meiling, Unering und Drößling mit den beiden Hauptorten soll verbessert werden, um die Nutzung der zentralen Infrastruktur zu erleichtern. 8. Das Aubachtal als regionaler Grünzug ist in seiner Funktionsfähigkeit zu erhalten. 9a) Bodenschutz: Der Boden ist vor Versiegelung, Verdichtung, Erosion, Auswaschung und Kontamination zu schützen. b) Artenschutz: Angestrebt wird eine ökologische Aufwertung von Flächen im Innen- und Außenbereich. c) Wasserschutz: Die Gewässer und das Grundwasser sind mit besonderer Sorgfalt zu schützen, zu pflegen und zu erhalten. 10. Die Gemeinde übernimmt die Zielsetzung des Landkreises für Klimaneutralität bis 2035. Energieeinsparung und -versorgung, Mobilität und Bodenschutz sind darauf auszurichten. 11. Mobilität in Seefeld soll möglichst umwelt- und bürgerschonen gestaltet werden. 12. Das soziale Miteinander und der Zusammenhalt sollen gefördert werden, ebenso wie soziale, kulturelle und Bildungsangebote. Kulturelle Vielfalt, Vereinsleben und Ehrenamt brauchen Raum, Toleranz und Förderung von angemessener Qualität.

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