Erinnerungen werden wach: Ortshistoriker Dr. Thomas Herbst (l.) musste lange suchen, bis er auf Nachfahren von Mitgliedern des Freundeskreises stieß. Konrad Sutor und Franz Gerstner (r.) konnten ihm tatsächlich wichtige neue Informationen zu dem Denkmal auf der Meilinger Höhe geben. Die Stele ist vielen Wanderern bekannt, die Geschichte war es nicht

Ortsgeschichte

Rauschers Denkmal bröckelt

Ein Denkmal, das an einen jungen Mann erinnert, der mit jungen Jahren im Ersten Weltkrieg fiel, droht zu verfallen. 

Meiling – Die beiden Weltkriege kosteten viele Millionen Menschen das Leben. Es ist aber immer das Einzelschicksal, das die wahren Tragödien eines Krieges wiedergibt. Eines davon repräsentiert der Rauscher-Gedenkstein auf der Meilinger Höhe. Er erinnert an einen jungen Mann, der im Ersten Weltkrieg 1916 in der Schlacht in Verdun Im Alter von nur 24 Jahren fiel. Ihm zu Ehren gründeten Fritz Sutor, Gerhard Rupprecht, Hans Seifert, Walter Goldhahn, Franz Gerstner I sowie Freiherr Kral von Manz einen Freundeskreis – und setzten dem Oberleutnant elf Jahre später auf einem 112 Quadratmeter großen Areal ein Denkmal, das nun zu zerfallen droht.

Die Stele ist viel mehr noch ein Mahnmal gegen den Krieg, denn spätestens wer die Inschrift auf der Rückseite liest, hat die Schrecken des Krieges vor Augen: „Im Geiste Georg von Rauschers lebten und starben seine beiden Neffen Georg + 3.10.1941 und Carl Philipp von Rauscher + 18.9.1944“. Sie waren erst 19 Jahre alt.

Ein Bild Georg von Rauschers.

Viele Ortskundige kennen die drei Meter hohe Stele des renommierten Bildhauers Karl Kroher an diesem beliebten Aussichtspunkt. Von dort aus kann der Wanderer über den Pilsen- und den Ammersee bis zur Zugspitze schauen. Was es mit dem Stein auf sich hat, weiß heute aber kaum noch jemand.

Auch der Weßlinger Ortshistoriker Dr. Thomas Herbst tappte lange im Dunkeln, bis der das Denkmal vor gut zehn Jahren gegenüber seinem Nachbarn Franz Gerstner II erwähnte und mit ihm auf einen Zeitzeugen stieß. Vergangene Woche nun traf sich Herbst mit zwei Nachfahren von Mitgliedern des Freundeskreises an der Tuffstein-Säule, mit Konrad Sutor und Franz Gerstner III.

Sutors Vater hatte Georg von Rauscher einst in den Dolomiten das Leben gerettet und erhielt später als Dank die Firmungsuhr des Offiziers. Nach zwei weiteren Verwundungen fiel von Rauscher jedoch am 23. Juni 1916 beim Sturm auf Fleury. Als er zwei Jahre vorher ins Feld gezogen war, musste er geahnt haben, dass er diesen Krieg nicht überlebt. Besonders deutlich wird das in einer Rede an seine Wehrkraftjungen: „Es ist heute das letzte Mal, daß ich in Eurer Mitte weile“, sagte er. Und: „Wenn ich falle, weiß ich, daß mein Geist, meine Gesinnung in meinen Wehrkraftjungen fortlebt.“ So ist es nachzulesen in einer Zusammenfassung über den Verstorbenen für den Arbeitskreis Ortsgeschichte der Gemeinde Weßling. Aber die Ansprache gibt auch die widerspruchslose Hingabe wieder, mit der die Soldaten in die Schlacht zogen. „Mit hohen Idealen dienten sie ihrem Kaiser“, formulierte es Herbst.

Das Denkmal mit dem Krieger auf der Meilinger Höhe erinnere daran, „dass sich auf den Lehren dieser teils bitteren Vergangenheit unsere Gegenwart aufbaut, die uns bisher viele friedliche Jahrzehnte geschenkt hat“.

Ob der junge Offizier je in einem Soldatengrab beerdigt wurde, ist nicht bekannt. Somit ersetzt der Gedenkstein auch das Grab – und erinnert an die Linie des Adelsgeschlechts Rauscher auf Weeg, die in den beiden Weltkriege ihre Stammhalter verlor.

Michèle Kirner

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