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Besuch beim Bürgermeister: Helma Bock-Müller (l.), Ildiko Gaal-Baier (2.v.l.) und Johanna Deiringer drückten Wolfram Gum eine Stellungnahme zum Thema Gut Delling in die Hand. 

Ortsentwicklung Seefeld

Kritik an TQ-Plänen

Seefeld - Die Firma TQ Systems plant auf Gut Delling eine Erweiterung. Das sorgt bei der Agendagruppe Ortsentwicklung für Kritik.

Für die Pläne der Firma TQ Systems ändert und erweitert die Gemeinde Seefeld den Bebauungsplan (wir berichteten). Seefelds Agendagruppe Ortsbild/Ortsentwicklung ist in Sorge um die Zukunft des Gebiets, das an wertvolle Fauna-Flora-Habitat-Flächen (FFH) anschließt und von Eichenalleen umgeben ist. Am Mittwoch brachten Ildiko Gaal-Baier, Helma Bock-Müller und Johanna Deiringer ihre Bedenken schriftlich und mündlich im Seefelder Rathaus vor.

Seit den 90er Jahren befindet sich auf Gut Delling die Firma TQ Systems. Heute arbeiten dort 680 Menschen. 2006 realisierte die Geschäftsführung mit dem Segen der Gemeinde einen Anbau. Zehn Jahre später soll erneut gebaut werden, und zwar südlich des Standorts. Die Stadt München, Besitzerin des landwirtschaftlichen Betriebs, räumt die Liegenschaften innerhalb des Guts und plant dafür außerhalb einen Silobau. Das Silo in Ettenhofen wird aufgelöst. Laut Agenda werden 15 000 Quadratmeter Fläche neu versiegelt. Dermit einer bis zu 5,50 Meter hohen und 6000 Quadratmeter großen Fotovoltaikanlage überdacht werden – eine Scheußlichkeit in den Augen der Agenda.

„Wir sprechen über Klimaschutz. Und was macht die Gemeinde Seefeld? Versiegelt Flächen“, sagte Agenda-Sprecherin Ildiko Gaal-Baier. Die Gemeinde zahle einen hohen Preis für Steuereinnahmen und Arbeitsplätze an dieser Stelle. „Wir geben das Herzstück unserer Gemeinde her.“ Der Gemeinderat habe sich mit dem Bebauungsplan gegen Ökologie und den Erhalt der historischen Kulturlandschaft von Seefeld entschieden. Dabei richtet sich die Kritik weniger gegen die Geschäftsführung von TQ Systems. „Das Unternehmen muss Gewinnen erwirtschaften. Das ist sein legitimes Ziel“, heißt es in der Agenda-Pressemitteilung, die auf der Internetseite nachzulesen ist (www.agenda-seefeld.de). „Ökologie und Landschaftsschutz sind Aufgaben der öffentlichen Hand, die dem Gemeinwohl verpflichtet ist“, so die Agenda. Sie kritisiert nicht zuletzt den vergrößerten Umgriff des Plans. Unglücklich sind die Mitglieder auch mit der Situierung der 7000 Quadratmeter Ausgleichsflächen. Diese befänden sich parallel zur Eichenallee „und sind jetzt schon in einem Zustand, der in Ordnung ist“, wie Helma Bock-Müller erklärte. Grundsätzlich erhalte die Landschaft „nicht die Wertschätzung, die sie verdient“. Die Agenda befürchtet außerdem, dass das Unternehmen die Sicherheitsvorschriften verschärft und um Gut Delling einen Zaun errichtet. Mal ganz abgesehen davon was geschieht, wenn sich die Besitzverhältnisse der Firma ändern. „Wo sind Fantasie, Kompromissbereitschaft und Ideen?“, fragte Helma Bock-Müller.

Für Bürgermeister Wolfram Gum kam der Besuch der Agenda-Mitglieder überraschend. Es entwickelte sich ein heftiger Disput. „Wir sind so froh um dieses Unternehmen“, sagte Gum. Gut Delling sei einst eine gammelige Bretterbude gewesen, „heute entsteht dort High-Tech-Elektronik, die auch für eine sauberere Umwelt sorgt“. Zahlreiche Mitarbeiter stammten aus der Gemeinde „und müssen nicht nach München fahren – das ist auch ein Aspekt“. Wenn das Unternehmen abwandere, würden woanders Flächen versiegelt, „vermutlich mehr als hier“. Die Planung sei in seinen Augen gelungen.

TQ-Systems-Geschäftsführer Detlef Schneider sagte gestern gegenüber unserer Zeitung, er sei immer zum Gespräch bereit. „Ich bin der Meinung, wir machen nichts kaputt. Aber ich möchte die Kritiker gerne mitnehmen und überzeugen.“ Arbeitsplätze vor Ort seien ein hoher Wert, und auch die Fotovoltaikanlage mache Sinn. Abgesehen davon zeige diese Diskussion aber auch: „Alle wollen duschen ohne nass zu werden.“

Hanna von Prittwitz

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