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Umstrittener Klinik-Neubau in Seefeld: Sieben Bürgermeister haben ein Ziel

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Von: Peter Schiebel

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Intensivstation
Bessere medizinische Versorgung wünschen sich sieben Bürgermeister durch ein Krankenhaus in Seefeld oder Herrsching. © Peter Byrne/dpa

Alle sieben Bürgermeister des westlichen Landkreises haben sich in einer gemeinsamen Stellungnahme für einen Klinik-Neubau in Seefeld oder Herrsching ausgesprochen. Derweil diskutiert der Seefelder Gemeinderat heute Abend über eine Absichtserklärung – coronabedingt vor minimaler Zuschauerkapazität.

Seefeld/Landkreis – Sieben Namen, sieben Wappen, sieben Gemeinden: Alle Bürgermeister der Krankenhaus-Zweckverbandsgemeinden im westlichen Landkreis haben sich am Montag hinter das Ziel eines Klinik-Neubaus in Seefeld oder Herrsching gestellt. „Der Erhalt eines Klinikstandorts im westlichen Landkreis dient der Daseinsvorsorge für unsere Bevölkerung“, heißt es in der gemeinsamen Stellungnahme von Klaus Kögel (Seefeld), Christian Schiller (Herrsching), Walter Bleimaier (Inning), Christel Muggenthal (Wörthsee), Georg Scheitz (Andechs), Michael Sturm (Weßling) und Manfred Walter (Gilching). Deswegen unterstützten sie Landrat Stefan Frey und Klinik-Chef Dr. Thomas Weiler bei der Suche nach einem geeigneten Grundstück.

Diese Suche ist noch nicht abgeschlossen, hat durch eine Petition von Bund Naturschutz (BN) und Bürgerinitiative Eichenallee (BI) in Seefeld vergangene Woche aber eine neue Dynamik bekommen. Darin lehnen die Naturschützer einen möglichen Standort für einen Klinik-Neubau in einem Landschaftsschutzgebiet ab. Problem bei der Sache: Seefeld ist umgeben von Landschaftsschutzgebieten, diesen Schutzstatus besitzt auch das etwa 25 000 Quadratmeter große Areal in der Nähe des neuen Friedhofs in Hechendorf, über das als neuer Klinik-Standort gesprochen wird, wenn auch bislang nur hinter vorgehaltener Hand.

Bürgermeister verweisen auf Bescheid von Ministerium

Dass nur ein Neubau eines Hauses mit knapp 200 Betten und keine Sanierung infrage komme, betonen die Bürgermeister in ihrer Stellungnahme. „Der bauliche Zustand des Klinikums Seefeld entspricht nicht mehr dem heute geforderten Standard“, schreiben sie. Und Verhandlungen mit dem Gesundheitsministerium hätten zu dem Ergebnis geführt, „dass bei Kliniken dieser Größenordnung weder eine Sanierung noch ein Neubau gefördert wird“. Stattdessen gebe es seit Ende vergangenen Jahres einen Feststellungsbescheid des Ministeriums, der „die Förderfähigkeit der Zusammenlegung der beiden Klinikstandorte Seefeld und Herrsching aufgrund des Bedarfs in unserer Region auf Herrschinger oder Seefelder Flur“ feststelle. Eine neue Klinik mit den Abteilungen Chirurgie, Innere Medizin und HNO sei mit staatlicher Unterstützung möglich.

In Seefeld steht das Thema am heutigen Dienstag, 20. April, auf der Tagesordnung des Gemeinderats. Bürgermeister Kögel erhofft sich eine „Absichtserklärung“, wie er am Montag im Gespräch mit dem Starnberger Merkur sagte. Obwohl das Interesse in der Gemeinde groß sein dürfte, ist das Platzangebot äußerst klein. Coronabedingt dürfen nur etwa zehn bis zwölf Zuschauer im Pfarrsaal des Hauses Peter und Paul dabei sein, sagte Kögel. „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.“ Wie schon bei den vorangegangenen Sitzungen, so sei auch heute ein Sicherheitsdienst vor Ort, um auf die Einhaltung der Regeln zu achten. Dazu gehört auch eine FFP2-Masken-Pflicht. Die Sitzung beginnt gegen 19 Uhr, im Anschluss an die Bauausschusssitzung um 18.45 Uhr.

Bürger auch in Pandemie-Zeiten beteiligen

Um die Bürger auch in Pandemie-Zeiten umfangreich zu beteiligen, plant Kögel für Mai eine Informationsveranstaltung in der Dreifachturnhalle in Hechendorf. Eine Abdeckung für den empfindlichen Hallenboden sei schon bestellt, die IT-Infrastruktur werde geplant. „Dann werden wir die Dinge dezidiert diskutieren“, versprach Kögel und brachte erneut ein Ratsbegehren ins Spiel, das die Gemeinde zur Abstimmung vorlegen könne.

Während es in Seefeld also zumindest ein potenzielles Grundstück für einen Klinikneubau gibt, hat Herrsching „momentan kein Gelände“, wie Bürgermeister Schiller auf Anfrage sagte. Das bestehende Areal der Schindlbeck-Klinik sei vermutlich zu klein, und an der Seefelder Straße gebe es keine Einigung zwischen Landkreis und Grundstückseigentümern. Schiller könnte aber auch damit leben, wenn Herrsching die Klinik an Seefeld verlieren würde. „Wir im Westen sind alle froh, wenn wir ein tolles Grundstück haben“, sagte er.

An der Sorgfalt wollen Schiller, Kögel und ihre fünf Amtskollegen keine Zweifel aufkommen lassen. „Die Bürgermeister sind sich sicher, dass bei der Auswahl der möglichen Grundstücke sorgfältig und verantwortungsbewusst vorgegangen und abgewogen wird“, heißt es in der Stellungnahme der Sieben. „Sie plädieren dringend dafür, den Schutz unserer Landschaft und die gesundheitliche Vorsorge für eine stetig wachsende Bevölkerung nicht in Konkurrenz zu bringen und keine Gräben aufzureißen.“

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