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Verpflichtung läuft seit zehn Jahren ins Leere

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Stolzes Tier im Aubachtal: Die Kiebitze fühlen sich an ihrer bisherigen Fläche aber nicht mehr wohl. © H. Schaller

Die kleine Kiebitz-Kolonie im Aubachtal bei Hechendorf steht heuer vor dem Aus. Die bis zu 13 Altvögel haben erste Gelege wieder aufgegeben und sind weitergezogen. Günter Schorn, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Starnberg, kritisiert die Regierung von Oberbayern scharf. Denn bei den Kiebitz-Äckern handelt es sich um Ausgleichsflächen.

Hechendorf – Es war ein Leuchtturmprojekt: Naturschützer und Landwirte kümmerten sich um die Population, die sich zuletzt zu vergrößern schien. 13 Kiebitze waren auf zwei Äckern und den umliegenden Wiesen im Aubachtal zu beobachten.

Weil er das Futter für seine Rinder brauchte, säte der Pächter des Ackers heuer Wickroggen an. Die Saat stand zu hoch für die Brut, denn die Kiebitze brauchen freie Flächen. Ein Ortstermin vor wenigen Tagen ergab, dass alle Vögel fort, die Gelege aufgegeben sind. Bei Recherchen der Naturschützer hat sich nun herausgestellt, dass die Regierung von Oberbayern für das Brutareal schon im Jahr 2009 eine Ausgleichsmaßnahme angeordnet hatte, also eine ökologische Maßnahme als Reaktion auf ein Bauprojekt an anderer Stelle.

„Verursacher war der Besitzer eines Pferdehofs in Starnberg, der dort eine Baumaßnahme vollzog“, schreibt Günter Schorn, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz, in einer Pressemitteilung. Er wurde rechtlich verpflichtet, für Kiebitze einen ökologischen Ausgleich zu schaffen. Dieser Bescheid jedoch sei „weder gegenüber dem Eigentümer noch den Pächtern der Äcker in Hechendorf bekannt gemacht“ worden, betont Schorn. Die Ausgleichsmaßnahme werde demnach seit zehn Jahren nicht ausgeführt.

Maßnahme war für 25 Jahre vorgesehen

Der Bescheid sehe vor, dass der Boden bis 20. Februar vegetationsfrei bleiben müsse, die Gelege ausgesteckt und umfahren werden müssten. Zwei große Feuchtstellen sollten optimiert werden und bewirtschaftungsfrei bleiben. Sogar ein Elektrozaun hätte, wenn notwendig, aufgestellt werden sollen. Die Maßnahme war für 25 Jahre vorgesehen, die ersten fünf Jahre unter fachlicher Betreuung.

„Die Ausgleichsmaßnahme zum Schutz der gefährdeten Vögel wird also seit über zehn Jahren nicht ausgeführt und läuft ins Leere“, stellt Schorn ernüchtert fest. Die beschriebenen Maßnahmen hätten die Population stabilisieren und weiterentwickeln können. In ihrer Not baten die Naturschützer Ende März zu einem Runden Tisch per Videokonferenz. „Die Einladung wurde von den Behörden nicht wahrgenommen“, sagt Schorn.

Die Regierung von Oberbayern bestätigt gegenüber dem Starnberger Merkur, dass für die fragliche Fläche in Hechendorf eine „artenschutzrechliche Ausgleichsmaßnahme für ein Bauvorhaben festgesetzt“ worden sei. Diese Festsetzung sei für den damaligen Bauherrn, an den der Bescheid gerichtet wurde, verbindlich, „nicht aber für den Eigentümer der Ausgleichsfläche“.

Pächter wusste wohl nichts von Vereinbarung

Könne der Bauherr die Ausgleichsmaßnahmen nicht selbst umsetzen, bedürfe es einer verbindlichen Vereinbarung mit dem Eigentümer beziehungsweise Bewirtschafter der Fläche. „Die Regierung von Oberbayern war bei Erlass des Bescheids davon ausgegangen, dass eine solche Vereinbarung abgeschlossen wird. Nach aktuellem Kenntnisstand war das jedoch nicht der Fall“, teilt Pressesprecherin Verena Gros mit. Das bedeutet auch, dass der Pächter des Ackers davon wohl nichts gewusst hat. Allerdings beschwichtigt Gros: Im Rahmen eines Förderprogramms seien freiwillige Maßnahmen auf den Flächen durchgeführt worden.

„Nachdem der Bewirtschafter mitgeteilt hat, dass er die Maßnahmen 2020 nicht mehr fortsetzen will, haben sich alle Behörden intensiv bemüht, rechtzeitig vor Beginn der Brutsaison geeignete Ausweichflächen zur Verfügung zu stellen.“ Dabei habe man kurzfristig einen Bewirtschafter gewinnen können, der südlich des Aubachs eine etwa einen Hektar große Brachfläche als „Kiebitzfenster“ angelegt habe.

Die Kiebitze hätten sich zudem unmittelbar südwestlich angrenzend an die betroffenen Flächen aufgehalten. Der Pächter dieser Flächen sei zumindest gegenüber direkten Gelegeschutzmaßnahmen aufgeschlossen gewesen. Bedauerlicherweise allerdings habe ein Drohnen-Überflug zuletzt ergeben, dass es keine Gelege mehr gebe und nur noch wenige Altvögel auf der Fläche unterwegs seien. Primäres Ziel sei, bis zur nächsten Saison Kooperationspartner für den Kiebitzschutz zu gewinnen. Gros betont, dass den Behörden sehr daran gelegen sei, auch die BN-Ortsgruppe bei der Entwicklung einer tragfähigen Lösung einzubeziehen. Die seitens der Ortsgruppe Ende März gewünschte Besprechung habe „aufgrund technischer und organisatorischer Voraussetzungen nicht stattfinden“ können. Die Behörden stünden jedoch für Gespräche zur Verfügung.

Conny Gentz, Vorsitzende des BN in Seefeld, bestätigte auf Nachfrage, dass die von der Regierung genannten neuen Flächen von den Vögeln nicht angenommen würden. Das sei den Behörden auch bekannt. Um einen runden Tisch würden die Naturschützer bereits seit Frühsommer 2019 bitten.

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