Die Autorin und ihr Werk: Laura Kennedy und ihr Buch „Aus Zahlen werden Menschen“.
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Die Autorin und ihr Werk: Laura Kennedy und ihr Buch „Aus Zahlen werden Menschen“.

Junge Autorin aus Hechendorf

Wenn aus Zahlen Menschen werden

  • Laura Forster
    VonLaura Forster
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Aus einer Projektarbeit der Montessori-Schule in Inning entstand es: ein Buch über drei Flüchtlinge im Landkreis Starnberg. Die 14-jährige Autorin Laura Kennedy erzählt auf 70 Seiten die Geschichten der Geflüchteten und möchte so auf ihr Schicksal aufmerksam machen.

Hechendorf – Lange musste Laura Kennedy nicht überlegen, welchem Thema sie sich in ihrer Projektarbeit der Montessori-Schule widmet. Zwar hatte die Achtklässlerin aus Hechendorf auch andere Ideen, diese verwarf sie jedoch schnell. „Ich wollte die Geschichten der Flüchtlinge erzählen – die schönen und die nicht so schönen Lebensabschnitte“, sagt die 14-Jährige. Drei Monate recherchierte sie, führte Interviews und schrieb das Erzählte von drei Geflüchteten aus Hechendorf, Seefeld und Andechs nieder. „Aus Zahlen werden Menschen“ heißt das Endergebnis.

Den ersten der drei Protagonisten lernte Laura Kennedy schon vor einiger Zeit kennen. Vor sechs Jahren, als der aus Mali stammende Ali an den Ammersee kam, war die Hechendorferin mit einer Freundin in das Asylbewerberheim gegangen, um die neuen Nachbarn kennenzulernen. „Ich war neugierig, und wir haben miteinander geredet“, sagt sie. Heute ist daraus eine Freundschaft entstanden. Auch den zweiten Flüchtling, der seine Geschichte in Kennedys Buch erzählt, Ali aus dem Irak, kennt sie schon eine Weile.

Die 19-jährige Nassime rundet als einzige Frau die Projektarbeit der Hechendorferin ab. Sie ist im Bauch ihrer Mutter von Afghanistan in den Iran geflohen. Da sich die Familie dort nicht dazugehörig fühlte, machten sich die damals zwölfjährige Nassime und ihre Geschwister auf den Weg nach Deutschland. „Dabei hat sie Schreckliches erlebt“, sagt Laura Kennedy. „Es war sehr hart.“ Schießereien und Verfolgungen waren Teil der Flucht in ein besseres Leben. Heute lebt Nassime in Seefeld und macht eine Ausbildung, nebenbei jobbt sie in einem Café. „Sie fühlt sich integriert, spricht gut Deutsch und hat Freunde gefunden“, sagt Laura Kennedy.

Eine Sorge teilen jedoch alle drei Flüchtlinge. Wie geht ihre Zukunft in Deutschland weiter? Obwohl Nassime und die anderen schon seit Jahren in Deutschland leben, ist noch nicht sicher, ob sie auch für immer bleiben können. „Am Ende haben sie Angst abgeschoben zu werden“, sagt Laura Kennedy. „Es gibt keine richtige Zukunftsperspektive.“

Ali aus Mali hat es nach einem längeren Hin und Her geschafft, ein Praktikum beim Kiosk am Pilsensee-Strandbad in Hechendorf absolvieren zu können. „Eine Arbeitserlaubnis bekommt er nicht“, sagt Kennedy. Die Aufgaben in der Küche des Kiosks machen dem jungen Mann jedoch Spaß. Seine Lieblingsgerichte: Käse- und Flammkuchen.

„Ich will zeigen, dass Flüchtlinge gute Menschen sind und keine bösen Absichten haben. Mit dem Buch will ich die Aufmerksamkeit auf die Geschichten der Asylbewerber hier in der Umgebung lenken“, sagt die Hechendorferin. 100 Exemplare hat sie in Tutzing von ihrem 70 Seiten dicken Werk drucken lassen. Bislang gibt es das Buch nur beim Strandbad-Kiosk am Pilsensee für sieben Euro zu kaufen. Laura Kennedy und ihre Mutter haben jedoch vor, das Buch in den umliegenden Gemeindebüchereien auszulegen. Damit noch mehr Menschen von den Geschichten der Flüchtlinge erfahren.

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