Schlüsselübergabe vor der Pandemie: Dr. Isabel Mühlfenzl (l.) mit ihrer Pächterin Ines Czaya im Frühjahr 2019.
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Schlüsselübergabe vor der Pandemie: Dr. Isabel Mühlfenzl (l.) mit ihrer Pächterin Ines Czaya im Frühjahr 2019.

WIE GEHT’S...? - Dr. Isabel Mühlfenzl über ihren Bahnhof und Donald Trump

„Wir bemühen uns alle sehr, das hinzukriegen

Sie ist Wirtschaftsjournalistin und Publizistin und gemeinsam mit ihrer Tochter Caroline Besitzerin des Hechendorfer Bahnhofs: Dr. Isabel Mühlfenzl. Zwei Millionen Euro steckte sie in die Sanierung und den Umbau des 1913 gebauten Bahnhofsgebäudes. Im Frühjahr 2019 übergab sie den Schlüssel an ihre Pächter Ines und Georg Czaya, die im Bahnhof seither ihre „Eatery“ betreiben.

Hechendorf - Das erste Jahr lief ganz gut, dann kam die Pandemie. Ein Gespräch über die Unabwägbarkeiten des Lebens mit einer Frau, die im August 94 Jahre alt wird und nicht nur nachts immer noch arbeitet.

Frau Mühlfenzl, wie geht es Ihnen?

Es geht mir wieder ganz gut, das hätte ich nicht erwartet, weil ich gerade eine Zeit lang im Krankenhaus war. Aber nun fühle ich mich erstaunlich viel besser. Das erfordert allerdings auch ziemlich viel Selbstdisziplin.

Als Sie 2015 den Bahnhof von der Gemeinde kauften, haben Sie sich auch schon auf die Gastronomie gefreut und eine bestimmte Vorstellung davon gehabt. Dann kam alles anders. Wie geht es Ihnen als Verpächterin?

Wir, also meine Tochter und ich, wissen, dass sich die Pächter sehr anstrengen. Sie bieten wieder To-go-Mahlzeiten an, da weiß ich zwar nicht, wie das läuft, aber die Rote-Beete-Suppe zum Beispiel ist sensationell. Wir sind den Pächtern im ersten Lockdown entgegengekommen und haben auch jetzt wieder die Pacht angepasst, um sie zu unterstützen. Gleichzeitig ist auch unsere Bank hilfsbereit. Wir bemühen uns alle sehr, das hinzukriegen, und sind ganz zuversichtlich.

Sie haben den Bahnhof sehr aufwendig renovieren lassen und hatten von Beginn an auch ziemlich viel Ärger.

Ich bin keine Geschäftsfrau. Mit dem Kauf des Bahnhofs bin ich in einen Haifischteich gefallen. Das war eine Geschäftswelt, die ich nur aus der Theorie kannte. Ob ich mich das heute noch mal trauen würde, weiß ich nicht. Da sind so unglaublich viele Sachen passiert in den ersten Jahren. Es ist ein Wunder, wenn man da heil rauskommt.

Wie meinen Sie das?

Allein der Ärger, den ich mit der Bahn hatte. Ich bekomme heute noch Rechnungen, die aber nicht korrekt sind. Der Bahnhof wurde 1913 gebaut, und genauso alt ist die Bürokratie bei der Bahn. Das meine ich gar nicht böse. Aber ich bin gerade dabei, das aufzuarbeiten und habe mir dafür extra einen Anwalt genommen. An jeder einzelnen Sache sind fünf Büros beteiligt, und keiner weiß vom anderen.

Sie sind Wirtschaftsjournalistin und Publizistin. An was arbeiten Sie gerade?

Im Moment arbeite ich an der Neuauflage meines Buchs „Die goldenen Jahre“ und an meinen Memoiren. Mich rufen Bekannte und Freunde aus der ganzen Welt an und fragen, wann ich damit fertig bin. Ich habe mehr als 1000 Zettel mit Notizen, die in meinem ganzen Haus verteilt sind, weil ich auch leicht chaotisch bin. Für meine Memoiren musste ich 800 Aktenordner durchschauen. Dazu kommen viele Unterlagen von meinem Mann Rudi (Rudolf Mühlfenzl, 1919-2000, unter anderem Chefredakteur des Bayerischen Rundfunks, Anm. d. Red.).

Sie haben in den 1960er-, 1970er-Jahren viel im Ausland gearbeitet, kennen die Vereinigten Staaten gut.

Ja, ich habe auch noch Kontakt zu Mitarbeitern im Weißen Haus aus der Zeit von US-Präsident Ronald Reagan und erhalte viele Mails. Ich glaube, wir unterschätzen, was in den amerikanischen Staaten gerade los ist. Ich fürchte sehr, dass Donald Trump an die Grenzen des Bürgerkriegs geht. Ich erhalte seine Bettelbriefe und ich sehe, was die Leute zahlen. Das sind Millionen. Ich weiß nicht, wie viele Amerikaner sich von ihm blenden lassen. Meistens kommuniziere ich nachts mit den USA.

Sie verfolgen die Wirtschaftspolitik weltweit. Was denken Sie über die Entwicklung in China?

Der Ausverkauf läuft, China hat uns schon kassiert. Da müsste schon etwas sehr Seltsames passieren, dass die Chinesen nicht die Weltherrschaft übernehmen. Wir müssten ein starkes Europa mit eigenen Standpunkten sein, aber die fehlen uns leider. Auch die Amerikaner haben China unterschätzt. Das Virus ist nur ein Funke am Pulverfass des Weltwirtschaftssystems.

Bis vor Kurzem waren Sie auch noch sehr aktiv bei der Ludwig-Erhard-Stiftung.

Ja, aber da habe ich mich vergangenes Jahr zurückgezogen und berate nur noch im Hintergrund.

Dann könnten Sie sich ja lokalpolitisch in Seefeld engagieren?

Ehrlich gesagt will ich mich da wirklich mehr kümmern. Zum Beispiel interessiert mich der Tag der Eichenallee am 13. Juni. Da versuche ich gerade, beim BR jemanden zu finden, der einen Film macht. Die Ortspolitik interessiert mich sehr viel mehr als früher. Wir werden lokal auch sehr viel besser aus der Krise kommen als bundespolitisch, gar keine Frage.

Sind Sie eigentlich schon geimpft?

Morgen habe ich den ersten Termin. Ein bisschen unsicher bin ich schon.

Das Gespräch führte

Hanna von Prittwitz

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