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Veränderungssperre für das Wörthseeufer auf Seefelder Flur

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Von: Laura Forster, Hanna von Prittwitz

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Ein Steg neben dem anderen: Weil es am Wörthsee im Bereich der Gemeinde Wörthsee schon so viele Stege gibt, sollen keine weiteren gebaut werden.
Die Grundstück am Wörthsee sind überall beleibt. Auf Seefelder Gemeindegebiet, aber auch auf Wörthseer Flur, wie hier auf dem Foto. © serge schimpfle

Die Gemeinde Seefeld hat den Bebauungsplan „Wörthseeufer“ in zwei neue Pläne geteilt. Dieser Schritt war notwendig, da das Bayerische Verwaltungsgericht den Plan, der für eine Vielzahl von beliebten und begehrten Grundstücken am See gilt, als rechtlich unwirksam erachten könnte.

Hechendorf – Es geht um sogenannte Filetgrundstücke mit direktem Blick auf den Wörthsee entlang der Wörthseestraße, die sehr beliebt sind und gut gehandelt werden. Der Bebauungsplan „Wörthseeufer“, den die Gemeinde Seefeld 1998 aufgestellt hatte und der seit Mai 2000 rechtskräftig ist, sorgte bisher dafür, dass die Wohn- und Wochenendhäuser im Allgemeinen keine exorbitanten Ausmaße annehmen und sich in die Umgebung einfügen. Eine Ausnahme bildet der nördliche Bereich – mehrere dortige Grundstücke wurden aus dem Bebauungsplan herausgenommen. „Keiner weiß, warum“, sagt Bürgermeister Klaus Kögel. Dort jedenfalls stehen mehrere sehr große Villen. Diese könnten nun zum Problem werden. Denn das Bayerische Verwaltungsgericht könnte den geltenden Bebauungsplan als unwirksam erachten. Dafür wiederum sorgt ein Rechtsstreit zwischen einem Anlieger, der im Umgriff des Bebauungsplans ansässig ist, und den Baubehörden. Dem Vernehmen nach soll er Abgrabungen vorgenommen und seinen Bauraum erweitert haben. Ein Nachbar zeigte ihn an. Daraus entwickelte sich ein Rechtsstreit, der wiederum Schwächen im Bebauungsplan hinsichtlich der Wandhöhen zutage förderte. „Die Wandhöhen sind den Festsetzungen möglicherweise nicht zu entnehmen“, sagt Kögel. Im schlimmsten Fall könnte das Gericht nun den Bebauungsplan insgesamt „fliegen lassen“, wie es Kögel ausdrückt, ihn also aushebeln.

Gemeinderat stimmt zwei neuen Bebauungsplänen für Wörthseeufer zu

Sollte dies der Fall sein, könnten die rund 90 Grundstücke nach den Maßgaben des Paragrafen 34 Baugesetzbuch bebaut werden. Dieser Paragraf verlangt lediglich, dass sich Bauvorhaben nach Art, Maß und Bauweise in die nähere Umgebung einfügen müssen. In den allermeisten Fällen wird dafür natürlich der größte Bezugspunkt gesucht. Die großen Häuser im nördlichen Bereich bieten sich da an. Die Gemeinde rechnet in diesem Fall mit einem „deutlich höheren Maß an baulicher Verdichtung“. Um dies zu verhindern, hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, zwei neue Bebauungspläne – Teil Süd und Teil Nord – für das Wörthseeufer aufzustellen, und jeweils eine Veränderungssperre zu erlassen.

Wesentliches Ziel der Bebauungspläne ist es, den sensiblen Seeuferbereich in seinem ökologischen und naturräumlichen Zusammenhang zu erhalten, zu schützen und nach Möglichkeit zu regenerieren, schreibt die Verwaltung in der Sitzungsunterlage. „Um diesem Hauptziel Rechnung zu tragen und eine Überlastung des Bereichs durch zusätzliche Bautätigkeit zu verhindern, sollen nur Bauflächen ausgewiesen werden, die den bereits genehmigten baulichen Bestand widerspiegeln, im Bebauungsplan ,Wörthseeufer’ von 1998 bereits vorgesehen sind oder sich im Zuge des Aufstellungsverfahrens als aus Rechtssicherheitsgründen erforderlich herausgestellt haben“, heißt es weiter.

Finales Ergebnis des Verwaltungsgerichts erst Ende Juli zu erwarten

Weitere Nachverdichtungsmöglichkeiten sieht die Gemeinde im dezentralen und sensiblen Bereich des Wörthseeufers nicht vor. Noch gilt der Bebauungsplan „Wörthseeufer“ als rechtskräftig, da das Verwaltungsgericht noch kein Urteil gefällt hat. Ein sogenannter Augenschein-Termin vor Ort fand am 9. Juni statt, am 23. Juni folgte eine mündliche Verhandlung. Vorläufig ohne Ergebnis, wie es scheint. „Eine Entscheidung durch das Gericht ist bislang nicht ergangen und ist vor dem 28. Juli auch nicht zu erwarten“, schreibt ein Pressesprecher des Gerichts auf Anfrage des Starnberger Merkur.

Die Gemeinde wartet die Entscheidung nun ab. Sollte der Bebauungsplan bestehen bleiben und sich der Kläger mit den Behörden einigen, wären die Gemeinderatsbeschlüsse hinfällig. „So aber sind wir im schlimmsten Fall handlungsfähig“, sagt der Bürgermeister.

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