+
Demo bei der Demo: Zahlreiche Menschen waren im Mai 2015 an den Hechendorfer Bahnhof gekommen um zu zeigen, wie mühsam es dort ist, mit Gepäck über die 58 Treppenstufen an den Bahnsteig zu gelangen. Rollstuhlfahrer sind chancenlos.

S-Bahnhof Hechendorf 

Aus barrierefreiem Bahnhof wird nichts

Hechendorf - Ein barrierefreier S-Bahnhof in Hechendorf - davon dürfen die Bahnreisenden noch lange weiterträumen. 

Das ist zumindest das Ergebnis unzähliger Diskussionen, Anfragen, Telefonaten und Briefen zum Thema. In der jüngsten Gemeinderatssitzung zog BVS-Gemeinderätin Johanna Senft, die sich mit dem unglückseligen Thema schon lange plagt, Bilanz. Ihre Präsentation mit dem Titel „Sachstandsbericht barrierefreier Zugang zur S-Bahn an der Haltestelle Seefeld-Hechendorf“ leitete sie mit der Bemerkung ein: „Verspricht viel, hält wenig.“

 Zwischendrin, im Mai 2015, hatte es gut ausgesehen für den Ausbau des Hechendorfer Bahnhofs. Mehrere Gruppierungen hatten die Monate zuvor Vorschläge zur Umsetzung der Barrierefreiheit ausgearbeitet. Zur einer Demo erschien die Behindertenbeauftragte Irmgard Badura, und plötzlich gab es tatsächlich einen Ansprechpartner im Ministerium, Hans-Peter Ministerialrat Behrendsen, und sogar noch einen Runden Tisch. „Wir hatten uns vorgenommen, direkt mit dem Ministerium zu sprechen, und nicht mehr mit der Bahn, die sich nicht äußert und wo die Befugnisse dauernd wechseln“, sagte Johanna Senft nicht ohne Groll. Gebracht hat alles nichts, im Gegenteil. Sämtliche Überlegungen der verschiedenen Gruppierungen sind hinfällig, da sie alle eine Fußgängerschranke voraussetzen. Diese habe man im Ministerium als „indiskutabel, nicht genehmigungsfähig und tabu“ deklassiert. Aus Sicherheitsgründen würden Ministerium und Bahn derartiges nicht mehr bauen. Das Risiko sei zu hoch. Das Angebot der Gemeinde, sich an der Finanzierung zu beteiligen, sei zwar positiv aufgefallen. „Mischfinanzierungsmodelle“ seien aber problematisch „und werden von Seiten des Innenministeriums nicht befürwortet“. Abgesehen davon: Der Ausbau in Seefeld ist zu aufwändig. Denn der jetzige Innenbahnsteig ist zu schmal, es müsste ein Außenbahnsteig gebaut werden, für die Anbindung an die Unterführung sind Aufzüge erforderlich.

 Im Klartext: Mit einem Ausbau ist am Hechendorfer S-Bahnhof in nächster Zeit nicht zu rechnen. „Ziel ist jedoch nach wie vor die Aufnahme in das Ausbauprogramm Bayern barrierefrei bis 2023“, sagte Johanna Senft. Begünstigende Faktoren wären der Ausbau der Stammstrecke und ein zweites Gleis zwischen Steinebach und Hechendorf. Ende des Jahres sollen sich die Seefelder nun wieder bei Behrendsen melden. Bis dahin? „Gelegentliche Aktionen würden auf die nicht vorhandene Barrierefreiheit in Hechendorf aufmerksam machen“, meint Johanna Senft. Was anderes bleibt den Bürgern wohl nicht übrig. Betroffen sind von dem jahrelangen, pardon, Herumgeeiere, bis zu 2900 Fahrgäste täglich.

hvp

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

„Wir haben uns zusammengerauft“
Stürmische Zeiten liegen hinter dem Seefelder Verein „Kultur im Schloss Seefeld“. Erst gab es Ärger im Vorstand, dann gründete ein Vereinsmitglied einen zweiten …
„Wir haben uns zusammengerauft“

Kommentare