Helmut Ronstedt, Gründer von Kokon: Das Foto entstand beim 25. Firmenjubiläum 2012 in den Räumen der Filiale in Seefeld. Foto: hvp

Geschäftsaufgabe

Kokon schließt am 30. Juni

Seefeld - Aus, vorbei, Tür zu: Helmut Ronstedt, Unternehmer aus Hechendorf, schließt im Sommer sein Einrichtungshaus Kokon beim Seefelder Schloss und im Münchner Lenbachpalais – aus privaten Gründen.

Es ist gut 30 Jahre her, da klingelte bei Helmut Ronstedt das Telefon. Sein Freund Klaus aus Bali rief an: „Nimm alles, was Du hast, und komm. Ich habe eine Goldader entdeckt.“ Das war der Beginn des Einrichtungsgeschäfts Kokon. Helmut Ronstedt hatte damals eher ein Faible für Stoffe, doch über die Jahre entwickelte er sich zum Experten für Möbel und Accessoires aus der ganzen Welt. In dieser war er auch unterwegs, besonders in Asien, jahrelang, monatelang, intensiv.

„Jetzt bin ich 73. Da muss auch mal Schluss sein“, sagt Ronstedt heute. Seine beiden Kinder haben beruflich andere Pfade eingeschlagen, ein Nachfolger für die Handelsgesellschaft Kokon GmbH ist nicht in Sicht. „Anfang Januar haben wir dann entschieden: Wir hören auf. Am 30. Juni ist Schluss“, sagt Ronstedt, dessen Frau Elke (54) Personalchefin des Unternehmens ist. Sie ist ganz ehrlich: „Es waren ja auch manchmal schwere Zeiten.“ Helmut Ronstedt sieht es so: „Ich verspüre eine gewisse Erleichterung, aber natürlich auch Wehmut.“ Er habe das Geschäft geliebt, die vielen Reisen. „Ich kenne Menschen auf der ganzen Welt.“ Aber es sei auch immer mühsamer geworden, zum Teil hätten auch Mitarbeiter die Reisen übernommen. „Man wird langsam müde.“ Und man müsse auch mal große Entscheidungen treffen, „das habe ich öfter getan in meinem Leben“.

Das Geschäft in der Einrichtungsbranche habe sich gewaltig geändert. „Die jungen Leute kaufen immer mehr Designerware. Und das wachsende Online-Geschäft spüren wir natürlich auch.“ Abgesehen davon: „Wenn schon so ein Riese wie Möbel Mahler es nicht schafft – wie sollen wir es?“ Die Zahlen allerdings seien gut gewesen. Dennoch habe er sein Unternehmen nicht verkaufen können. Die Konstruktion auch als herstellende Handelgesellschaft mit den Großkunden weltweit sei offensichtlich zu komplex, „das will heute keiner so machen“. Also schließe er den Laden eben.

Die 80 Kokon-Mitarbeiter haben vor drei Wochen ihre Kündigung erhalten. „Der Markt ist gut, ich bin mir sicher, dass 95 Prozent der Betroffenen direkt wieder einen Job finden.“ Einige Mitarbeiter würden bereits im März aufhören, „die haben direkt was Neues gefunden“. Das 4000 Quadratmeter große Lager in Neuaubing allerdings ist noch voll, vorerst findet in den Filialen im Lenbachpalais und in Seefeld kein Ausverkauf statt. Bis zu 10000 Artikel hat das Einrichtungshaus im Angebot. „Wir haben ja noch bestellt, es kommt noch neue Ware rein. Der reguläre Verkauf läuft daher bis Ostern“, kündigt Helmut Ronstedt an. Erst Anfang April will er mit dem Ausverkauf beginnen.

Für das Geschäftsumfeld im Seefelder Schloss war Kokon stets ein Lockmittel, aus der ganzen Umgebung reisen die Kunden an. Offensichtlich gibt es auch bereits Interessenten für die Filiale dort. Helmut Ronstedt ist in die Gespräche zwischen ihnen und dem Rentamt Toerring – Eigentümer des Gebäudes ist Graf zu Toerring – involviert, schließlich kennt sich Ronstedt mit Zugpferden aus. Als er vor 18 Jahren im Lenbachpalais eröffnete, „hat man mir kein langes Leben dort zugetraut“. Im Sommer 2012 hat er aber gerade dort mit mehr als 400 Gästen das 25-jährige Bestehen seines Unternehmens gefeiert – und den Ort auch durch kulturelle Veranstaltungen zu einem Treffpunkt in München gemacht.

Nun hat das Ehepaar Ronstedt erstmal die Abwicklung seines Unternehmens vor der Brust. „Da müssen wir jetzt durch.“ Dann geht es aber schon bald wieder auf Reisen, diesmal nicht aus geschäftlichen Gründen, und ausnahmsweise auch nicht nach Asien. „Unsere erste Reise geht nach England, das habe ich meiner Frau versprechen müssen."

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