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Hier ist das Unglück passiert.

MS Seeshaupt: Ein Augenzeuge erzählt 

„Die Schreie werden mich verfolgen"

Starnberg – Schiff rammt Steg, mehrere Verletzte: Der Unfall mit dem Flaggschiff MS Seeshaupt hätte weit schlimmer ausgehen können. Ein Augenzeuge schildert, wie er den Unglückstag erlebt hat. 

„Die Schreie werden mich bis in den Schlaf verfolgen“, sagt Josef Jägerhuber. Der Starnberger sitzt am Freitagabend bei den Bootshütten zwischen Dampfersteg und Undosa, als die neue MS Seeshaupt manövrierunfähig auf den Steg des Lokals zugleitet. „Die Leute haben geplärrt: ,Der fährt immer weiter‘, dann hat es gesplittert.“

Bilder vom Unglück

Neue MS Seeshaupt rammt Steg in Starnberg

Josef Jägerhuber

Zu diesem Zeitpunkt haben die etwa 25 Gäste des „Orange Beach Club“ den Undosa-Steg bereits fluchtartig verlassen. Ein Passant filmt die Szenerie zufällig mit seinem Fotoapparat. „Das ist spektakulär anzuschauen“, sagt Starnbergs Polizeichef Norbert Reller. „Spitze Schreie sind zu hören, das Schiff wird immer größer.“ Mehrere Menschen springen aus Angst ins Wasser, vier Gäste werden durch umherfliegende Gegenstände leicht verletzt. Der Film liegt als Beweismittel bei der Staatsanwaltschaft, sagt Reller. Darauf ist auch zu sehen, was Jägerhuber bestätigt: Die Seeshaupt gleitet langsam rückwärts Richtung Undosa-Steg. Sobald sie Widerstand spürt, funktioniert der Vorwärtsgang wieder. „Dann ist der Whirlpool auf der Rückseite angesprungen und das Schiff ist schnell zum Hafen gefahren“, hat Jägerhuber beobachtet. Dort kontrolliert die Feuerwehr, ob die Seeshaupt Flüssigkeiten verliert, was nicht der Fall ist.

Um 18.10 Uhr hatte die Seeshaupt die letzten Passagiere am Dampfersteg aussteigen lassen. Der Kapitän fährt mit dem Schiff rückwärts, um danach vorwärts in den Hafen zurückkehren zu können. Der Rückwärtsgang lässt sich jedoch nicht mehr lösen, sagt Walter Stürzl von der Seenschifffahrt. Erst nach dem Rumms funktioniert der Vorwärtsgang wieder. Wie das passieren konnte, soll nun ein Schiffsgutachter klären. „Entweder etwas funktionierte nicht oder etwas ist zu spät gemacht worden“, sagt Reller. Sicher sei, dass die Mannschaft absolut fahrtüchtig war. Aber: „Es sind viele Fragen offen.“ Bis Antworten vorliegen, liegt die „Seeshaupt“ verplompt im Starnberger Hafen.

Josef Jägerhuber hat seine geplante Fahrt mit dem neuen Flaggschiff der Seenschifffahrt auf unbestimmte Zeit verschoben.

mm

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