„Seien Sie lieber am Anfang großzügiger“

Gauting - Kreisbaumeister Dr. Christian Kühnel erklärt dem Gemeinderat worauf es ankommt bei der Stadtplanung und empfiehlt viele Freiräume

Mit ansteckender Begeisterung erläuterte Kreisbaumeister Dr. Christian Kühnel den Gemeinderäten im Bauausschuss, worauf es bei einer gelungenen Stadtplanung ankommt. Ganz wesentlich seien Freiräume, die zum Verweilen einladen. Als geglückte Paradebeispiele zeigte der Kreisbaumeister Bilder vom Gautinger Pippinplatz, aber auch von der Grünfläche am Zwickel Gisila-/Waldpromenade in der 1902 erbauten Villen-Kolonie.

Bebauungspläne mit „wenigen Festsetzungen“ - wie etwa einer Hausgrundfläche von 120 m² - seien das klassische Instrumentarium, um die Entwicklung einer Gemeinde zu steuern, erklärte Dr. Kühnel den Neulingen am Ratstisch. „Seien Sie lieber am Anfang großzügiger!“: Eindringlich warnte der Kreisbaumeister vor nachträglichen „Befreiungen“ - wie etwa für die weit verbreiteten Dachgauben. Denn da kippe gleich ein ganzes Gebiet. Letztlich frage sich da auch jeder Bauherr, der sich an den wohl durchdachten Bebauungsplan halte: Wo ist die Gerechtigkeit?

„Ihr Architekten gehört alle an den Rollstuhl gefesselt“, warf ein Münchner Rollstuhlfahrer einst dem jungen Architektur-Student Christian Kühnel an den Kopf. Den heutigen Kreisbaumeister hat dieser Satz während seiner ganzen Berufslaufbahn begleitet: „Wenn Sie das Rathaus umbauen“, dann gleich richtig barrierefrei, riet er deshalb den Gautingern. Denn für ohnehin schon benachteiligte Menschen im Rollstuhl sei es einfach deprimierend, wenn sie am gesellschaftlichen Leben nicht teilnehmen können, weil Lichtschalter, Türgriffe oder Mülltonnen in Wohnanlagen unerreichbar sind.

„Noch nie wurde so viel Geld in die Bauwirtschaft gesteckt“ wie heute, erklärte der Kreisbaumeister. Doch die Ergebnisse seien sehr unterschiedlich: Zu sehen war eine neu angebaute knallgelbe Doppelhaushälfte mit vorgezogenen Veranden und angestückelten Dachgauben. Dr. Kühnel sprach von einer „städtebaulichen Katastrophe“. Im Gegensatz dazu hätte der Gautinger Pippinplatz, bekanntlich das Tor zur vor 114 Jahren erbauten Villenkolonie eine „unbandige Qualität“ freute sich der in Stockdorf wohnende Kreisbaumeister. Doch so ein glänzendes Ergebnis „passiert nicht automatisch: Es muss geplant sein“. Er wolle den Gemeinderat sensibilisieren. Mit Aufnahmen aus dem Unter-Engadiner Dorfes Zuoz erläuterte Dr. Kühnel, dass es auf die richtige Anordnung der Häuser ankomme, damit Plätze und Aufenthaltsflächen mit Qualität entstehen, an denen sich die Bewohner wohlfühlen.

Etwas Besonderes seien da die Gautinger Aufenthaltstreppen an der Würmbrücke. Mit Blick aufs Gärtchen des historischen E-Werks könne man am Würmufer mitten im Ort seine Leberkässemmel verzehren. Als Negativbeispiel zeigte Dr. Kühnel den „viel zu groß dimensionierten“ menschenleeren Marktplatz in der Nachbargemeinde Planegg. Am Gautinger Bahnhof, der bekanntlich gerade neu überplant wird, „sehe ich viel Entwicklungspotenzial“ machte der Kreisbaumeister Mut. Auch das gerade vom Verkehr befreite Dorf Oberbrunn hätte durchaus noch Potenzial. „Da sind Sie Spitze im Landkreis“, lobte Dr. Kühnel die vielen Fußwege als „Markenzeichen“ Gautings.

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