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„Lieblos aufgepappt“: Vorerst hat die Gemeinde Weßling die neuen Vorschriften provisorisch auf die Tafeln geklebt, was im Gemeinderat auch beklagt wurde. Es sollen jedoch neue Schilder her. 

Weßling

Frieden mit kleinen Schönheitsfehlern

Die Gemeinde Weßling hat erstmals einen Sicherheitsdienst engagiert. Dessen Bilanz fällt positiv aus. 

Weßling – Die Gemeinde Weßling hat in diesem Sommer erstmals einen Sicherheitsdienst eingesetzt, der rund um den Weßlinger See für Ruhe sorgen sollte (wir berichteten). In der Sitzung am Dienstag zogen die Räte Bilanz. Die Ansichten über den Sinn dieser doch immerhin knapp 20 000 Euro schweren Investition gingen dabei auseinander. Trotzdem soll 2018 erneut eine bestimmte Summe im Haushalt eingestellt werden, die Höhe wurde jedoch nicht festgelegt. Einen entsprechenden CSU-Antrag lehnte der Rat ab. Der Vertrag mit dem Sicherheitsdienst endet wie vom Gemeinderat ursprünglich beschlossen in diesen Monat. 

Die in der Sitzungsvorlage aufgelisteten Vorfälle lesen sich harmlos: „Vier Jugendliche auf Steg mit Parkbank angetroffen. Aufgefordert, die Bank vom Steg zu entfernen und Musik auszumachen“, heißt es da beispielsweise. Oder: „Zwei Hundebesitzer aufgefordert, die Hunde an die Leine zu nehmen.“ Dazu kommen Ausweisekontrollen bei einer Gruppe, die Wodka dabei hatte. Und in der Nacht auf den 11. Juni sorgte laute Musik für Ärger am See. Allerdings entpuppte sich die Geräuschbelästigung als Party auf einem Privatgrundstück. „Es gab also keine gravierenden Verstöße oder Brutalitäten“, fasste Bürgermeister Michael Muther die aufgeführten Geschehnisse zusammen.

„Das meiste konnten wir mit Worten klären“, bestätigte Rüdiger Krause vom Sicherheitsdienst. Bei hartem Alkohol seien Ausweise und Taschen kontrolliert worden – auf freiwilliger Basis. Nur in Ausnahmen hätten sich die Betroffenen geweigert. Der Sicherheitsdienst alarmiert dann die Polizei, die Personenkontrollen durchführt. „Bei hartem Alkohol sind wir streng, es geht uns um die Sache“, sagte Krause. Einige Jugendliche hätten sich natürlich auch aus dem Staub gemacht, wenn die Männer vom Sicherheitsdienst aufgekreuzt wären. Daher habe man, wie von der Gemeinde gewünscht, die Tageszeiten variiert, sei auch mal mittags losgezogen, oder abends um acht. Allein schon wegen der Hundebesitzer empfahl Krause, am Sicherheitsdienst festzuhalten. Gemeinderat Peter Weiß veranlasste dies zu der Feststellung: „Wir haben also eher ein Hundeproblem.“

Glücklich sind die Weßlinger trotz der Entwicklung nicht. Manche finden, es werde zu hart kontrolliert, obwohl Krause diesen Vorwurf anhand eines Falles, bei dem Jugendliche wohl zuvor eine Wodkaflasche im See versenkt hatten, ausräumen konnte. Auch stand erneut die Frage im Raum, ob der Frieden nicht auch mit anderen Methoden hergestellt werden könne. Clemens Pollok (Grüne) würde insgesamt gerne stärker auf den Dialog setzen. Susanne Mörtl (SPD) fordert nach wie vor die Einstellung einer Streetworkerin und beklagte die „lieblos hingepappten Schilder“, die auf die Verhaltensregeln rund um den See hinweisen. Dr. Felizitas Leitner (CSU) monierte eine Ungleichbehandlung: „Alle dürfen rund um den See Musik hören, nur die Jugendlichen nicht.“ Roland von Rebay (CSU), der selbst am See wohnt, sprach indessen von dem ersten Sommer seit vier Jahren, „in dem wir nachts die Fenster aufmachen konnten“.

Das Thema Sicherheitsdienst wird die Gemeinderäte also nächstes Jahr erneut beschäftigen. Die Kosten beurteilte Kämmerer Sebastian Görlitz gestern mit knapp 20 000 Euro als realistisch.

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