Ois hat sei Zeit: Mit großer Hingabe und schönene Details wurden Kostüme und Maske entworfen. Foto: Jaksch

Spiel zwischen Licht und Dunkel

Andechs - Zum 10. Jubiläum der DOrff-Werkstatt hatte man alle Kräfte gebündelt und Carl Orffs „Ludus de nato Infante mirificus“, das Spiel von der Geburt des Kindes, auf die Bühne gebracht. Nun wurde nachgelegt.

Erleben durfte man in diesem wie schon im vergangenen Jahr ein ungemein liebevolles, fantasiereich buntes Theater, getragen von spielerischer Leidenschaft und zarter Achtsamkeit.

Die schönsten Bilder der Aufführung

Spiel zwischen Licht und Schatten

Spiel zwischen Licht und Schatten

Der Kampf zwischen Licht und Dunkel steht bei Orffs Dreiteiler im Mittelpunkt. Hexen versuchen die Geburt des Lichtkönigs zu verhindern. Hirten werden vom Schneesturm überrascht, finden Unterschlupf. Zweien erscheint im Wahrtraum die Vision vom Ende der Welt, der Geburt des Heilands und der Reise der Heiligen Drei Könige. Engel, schlafende Blumen und Schneekinder bejubeln die Geburt des Erlösers. Hört Ihr das Licht? Aber ois hat sei Zeit weissagt die alte Hexe am Ende. Des Kind kimmt uns net aus Laßt’s es nur groß werdn. Die Menschheit müaßt’s verführn!

In Bairisch und Latein, sogar in Altgriechisch wird musiziert und gespielt unter der ruhigen, präzisen und wohlgeformten musikalischen Leitung von Christa Edelhoff-Weyde. Farbenfroh und mit großer Hingabe an kleine schöne Details sind Kostüme und Maske entworfen. Die Lichtgestaltung zaubert wunderbare Bilder, trefflich gelingt der Einbezug des Schattenspiels. Eine schlichte aber trickreiche Bühne bietet den 86 großen und kleinen Mitwirkenden eine ideale Fläche für Tanz, Musik und Sprache.

Und genau diese drei Parameter im Theater zusammenzuführen, war Orffs ureigenstes Anliegen. Die Handschrift, die die Aufführung prägt, lässt keinen Zweifel, dass man hier einfach besonders vertraut ist mit der künstlerischen Welt des bajuwarisch-kosmopolitischen Meisters. Dies Weihnachtsspiel, nicht zu verwechseln mit der Weihnachtsgeschichte, die Orff und Gunild Keetman 1948 für den Schulfunk des BR geschrieben hatten, ist rhythmisch-musikalisch anspruchsvoll, lebt von vitalem Puls, visionärer Kraft und feinfühligen Schwebezuständen.

Wunderbar gelingt es den enthusiastischen Akteuren, diese Stimmungen immer wieder einzufangen. Besonders anrührend geraten die Traumerzählungen von Hannes Schüssel und Florian Thurmair. Wie gebannt folgt das Publikum auf dem Weg durch Nacht und Finsternis zur Weissagung der Engel. Nicht auslassen will Schüssel den Pax für die Hominibus, den Frieden für die Menschen. Die kleine Schar des Frauenchores erzeugt erstaunliches Volumen, blitzsauber intoniert der Kinderchor, exakt gearbeitet musiziert das mit exotischem Instrumentarium besetzte kleine Orchester. Nachdem das zarte Schlussbild verlöscht, bleibt ein Moment der Stille im Raum. Und dann donnert der Jubel los. Diese kleine, verschworene DOrff-Werkstatt-Gemeinschaft hat ihn gewiss verdient. (dfl)

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