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Spaß an der Konsole: Während Bewohner und Pfleger das Geschehen beobachten, lenkt Luise Klages ihr Motorrad um ein Hindernis herum. Die Spiele fördern das Erinnerungsvermögen und die Beweglichkeit der Senioren. 

Spielkonsole für Pflegeheimbewohner

Senioren im Zockerfieber

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Percha – Auch ältere Menschen sind für Spiele auf dem Bildschirm zu begeistern. Eine Konsole wird bei Pflegeheimbewohnern in Percha zum Renner. Sie werden geistig und körperlich gefordert.

Die Fahrt geht los. Luise Klages sitzt in ihrem Rollstuhl vor einem riesigen Flachbildschirm und schaut gebannt auf ein rotes Motorrad auf einer Landstraße. Indem sie ihren Körper nach links oder rechts verlagert, steuert sie den Fahrer um Hindernisse herum. Die 95-Jährige bekommt einiges zu tun: auf der Strecke stehen Lastwagen und Absperrungen. Im Hintergrund läuft „Tanze mit mir in den Morgen“, ein Schlager, den Gerhard Wendland 1961 heraus brachte.

Man kann nicht scheitern: „Sie haben positive Spielerlebnisse“

Es ist das erste Mal, dass eine Bewohnerin des Malteserstifts St. Josef die neu angeschaffte Spielkonsole ausprobiert. Die sogenannte „MemoreBox“ stammt von dem Startup RetroBrain und ist vor allem für Demenzerkrankte vorgesehen. Betreuungsassistentin Ingrid Hauke-Eberl spricht von einem vollen Erfolg und erklärt: „Es geht darum, Beweglichkeit und Erinnerungsvermögen zu reaktivieren – und das Ganze mit Spiel und Spaß.“ Eine Kamera erkennt die Bewegungen der Spieler und überträgt sie auf die Figur des Spiels. 

So können die Senioren entweder Motorrad fahren, kegeln, Tischtennis spielen oder Postbote sein. Scheitern können die Spieler nicht – etwa verlangsamt sich das Motorrad nur, wenn es auf den Schotterstreifen gerät. „Sie haben positive Spielerlebnisse“, sagt Hauke-Eberl. Dafür gibt es am Ende des Spiels für gelöste Aufgaben Punkte und eine Rangliste. Der Ehrgeiz der Senioren ist längst geweckt. Ein Bewohner sagt: „Ich schaffe noch mehr, wenn ich ein Gefühl dafür bekomme.“

Luise Klages fuhr früher gerne selbst Motorrad - jetzt an der Konsole

Als Luise Klages spielt, lässt sie sich nicht ablenken. „Jetzt kommt doch das Hindernis“, sagt sie und schaut weiter auf den Bildschirm. Für die 95-Jährige ist es ein bisschen wie früher. Die gebürtige Westfalin fuhr früher in ihrer Heimat gerne selbst Motorrad. Nach dem Spiel hat sie Zeit und sagt: „Schön, dass ich das in dieser weiterentwickelten Generation noch machen kann.“ Anderen Pflegeheim-Bewohnern geht es ähnlich. Hauke-Eberl berichtet: „Bei vielen Männern kommt vor allem das Kegeln gut an. Sie waren früher in Kegelvereinen.“

Die Betreuungsassistentin sieht neben dem Spaß vor allem die positiven Folgen der Spiele: „Hintergründig hat es den Effekt, dass die Bewohner ihr Gleichgewicht austarieren – ohne, dass sie denken, sie machen da Gymnastik.“ Eine Möglichkeit, die Beweglichkeit der Senioren zu fördern. „Sturzprävention ist für uns ganz wichtig.“ Auch das Erinnerungsvermögen wird mit den Spielen trainiert. Als Luise Klages mit ihrem Motorrad eine Ausfahrt nimmt, blinkt eine Frage auf: „Wo steht der Dom?“ Für eine Westfälin natürlich ein leichtes Spiel.

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