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Oliver Bischoff (2. von links) mit Vertretern der Stadtwache an seinem Wiesn-Stand

Pöcking

Ein Stamperl mit „SissiS“

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Vor drei Jahren wollte Oliver Bischoff mit einer Idee durchstarten und den Markt der Fruchtdestillate wiederbeleben. Mit „SissiS“ hat er es jetzt sogar schon auf die Wiesn geschafft.

Pöcking – Die Hendl waren gut, die Mass auch. Bevor die junge Männertruppe von der Wiesn nach Hause torkelt, fehlt noch etwas: das Stamperl zum Abschluss. Jeden schüttelt es beim Trinken, aber es muss sein. Oliver Bischoff kann über dieses Ritual nur den Kopf schütteln. Der Pöckinger hat eine andere Idee vom Schnapstrinken. Mit seinem Unternehmen „SissiS“ vertreibt er Fruchtdestillate. „Es ist ein ganz neues Produkt, eine ganz andere Liga“, schwärmt der 45-Jährige. Er möchte Schnaps herstellen, der schmeckt und einen milden Abgang hat. „Ein Genussprodukt, wo Leute gerne drei, vier oder fünf trinken – wie einen teuren Whisky.“ Heuer schenkt Bischoff erstmals auf der Wiesn seine regionalen Erzeugnisse aus, unter anderem einen eigens angefertigten Wiesn-Schnaps.

Sein Geheimnis: An drei entscheidenden Punkten will sich Bischoff mit „SissiS“ von herkömmlichen Schnapsproduzenten unterscheiden. „Wir haben die übliche Produktionsmethode überarbeitet“, erklärt er. Für die Maische würden die Früchte von Haut und Stil befreit. Das soll Störaromen und Säure vermeiden. Aus diesem Grund verzichtet Bischoff auch auf Enzyme und verwendet geschmacksneutrale Hefe.

Der zweite Unterschied: die Brautechnik. „Die Maische wird unter einem Vakuum gebraut“, sagt Bischoff, „dadurch ist der Siedepunkt niedriger.“ So könne man bei 39 Grad destillieren, anstatt bei 80. „Dadurch bleiben die Fruchtaromen besser erhalten.“ Drittens: die Lagermethode. Die Destillate lagern in Tongefäßen. „Das ist ähnlich wie in einem Holzfass – bloß ohne Fremdaromen.“ Diese drei Komponenten machen „SissiS“ einzigartig – denn außer ihm arbeite so derzeit kein Schnapshersteller.

Bischoff macht keinen Hehl daraus: „SissiS“ soll den Schnapsmarkt erobern. „Zuerst wollten wir die regionale Gastronomie mit Produkten beliefern“, blickt der Pöckinger zurück. Und das mit Kaiserin Elisabeth aus Possenhofen. „Wir finden sie auch als Person cool“, begründet der 45-Jährige. Sie stehe für Emanzipation. „Aber wir verkitschen das Ganze nicht.“

Das Konzept von Bischoff kommt gut an. Vor drei Jahren gründete er den Betrieb. „Jetzt geht es erst richtig los“, sagt er. Mit seiner Idee vom Schnaps überzeugte er bereits viele Gastronomen. Produkte von „SissiS“ werden in Restaurants, Bars und Clubs ausgeschenkt – unter anderem in Alfons Schuhbecks „Südtiroler Stuben“. Ein Schnaps für die Elite also? „Wir wollen auch den Breitenmarkt. Aber die Qualität muss hoch sein“, sagt Bischoff. Etwa 30 Euro koste eine Flasche, 20 000 wolle er heuer verkaufen.

Durch eine Empfehlung landete „SissiS“ auf dem Oktoberfest. „Die meisten warten ein halbes Leben lang auf einen Platz auf der Wiesn“, freut sich Bischoff. Das ist schon ein großes Glück und Anerkennung für unser Produkt.“ Inmitten von Edmund Radingers Weißbiergarten bietet Bischoff Kunden Schnäpse oder Spritvarianten an. Das Besondere: „Auf der Wiesn gibt es zwar Schnapsstände – aber keine regionalen Produkte, das ist alles Industrieware.“ Das Stamperl kostet 4,70 Euro. Ganz viele etablierte Wirte würden bei ihm vorbeischauen. Die Wirtin des Hofbräuhauses etwa sei „ein totaler Fan. Sie sagte, sie war heuer fünf Mal auf der Wiesn, vier Mal bei uns.“ Im Oktober könne er sich beim Hofbräuhaus mit seinen Produkten vorstellen.

Vor drei Jahren trat Bischoff an, „um die Fruchtdestillate aus dem Dornröschenschlaf zu holen“. Nun erlebt er mit „SissiS“ auf der Wiesn das, was er sich vorgestellt hat: „Bei uns trinken Leute gezielt eine Sorte und bestellen dann mehrere Schnäpse.“

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