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So kennt man Starnberg. Aber woher stammt der Name nun wirklich?

Die Herkunft von Starnberg

Star als Namensgeber – ein historischer Irrtum?

Starnberg - Sind alle Annahmen zur Herkunft des Namens Starnberg falsch? Ein neues Buch spricht dem Star seine bisher angenommene Rolle ab.

Immer kreist der Star um den Berg, wenn es darum geht, warum Starnberg denn Starnberg heißt. Auch der renommierte zeitgenössische Ortsnamenforscher Wolf-Armin von Reitzenstein schreibt im ersten Band der Starnberger Stadtgeschichte über eine „Anhöhe, wo sich die Stare aufhalten“. Daraus habe sich zunächst der Flurname, später der Burgname und schließlich der Ortsname ergeben. Dem Ortshistoriker Dr. Benno Gantner ist dies zu „lapidar“ – und so hat er nun im Rahmen seiner „Studien zur Ortsgeschichtsforschung im Landkreis Starnberg“ einen Band herausgebracht, worin er eine Gegenposition vertritt.

Gantners Schlussfolgerungen basieren auf den Erkenntnissen des Sprachforschers Lino Franceschini, dass lokale topografische Gegebenheiten meist im Zusammenhang mit der Entstehung der Ortsnamen stehen. Da es entlang der Würm zwei weitere Siedlungen gibt, deren ursprüngliche Namensform – wie in historischen Dokumenten verbürgt – mit „Sta“ beginnen, leitet Benno Gantner seine These ab, dass die Silbe „Sta“ vom Begriff „Stade“ beziehungsweise „Gestade“ (Ufer) herkommt. Beispiele sind Staad am Bodensee oder Stade nahe der Elbe. Die anderen Orte in der Region sind „Staodorf“, woraus Stockdorf wurde, und eine in Dokumenten existierende, nicht nachweisbare Siedlung „Stadelaren“.

Als Starnberg noch am See lag

Starnberg wäre somit der Berg am Ufer des Würmsees und hätte nichts zu tun mit Vögeln, die um Berge kreisen. Gleichwohl sind Vögel seit dem Mittelalter im Wappen enthalten. Dies führt Benno Gantner auf Bürger zurück, die im Mittelalter mit Wappendarstellungen die Nähe zum Adel zu suchten.

Ein zweiter Beitrag gilt der „Seeanbindung“ des Ortes, also der Zeit und den Abbildungen, als Starnberg noch nicht durch die Eisenbahn vom See abgeschnitten war. Anlass für diesen bebilderten Teil war die jüngste Erwerbung des Museums. Benno Gantner hatte im September im Kunsthandel eine lavierte Bleistiftzeichnung von Christian Ernst Morgenstern aus dem Jahr 1851 entdeckt, dem Großvater des Dichters. Das Bild zeigt die Idylle am Nordende des Sees. Weitere Beiträge von Albert Schuhbauer über die ersten Gymnasiasten, Alphabetisierung und Gleichschaltung der Schulen nach der Machtergreifung, die hochinteressanten Hofgeschichten von Rieden, Bad Petersbrunn und den Mühlen im Mühltal von Marianne Mayr sowie Gantners neueste Forschungen zur Karlsburg runden die reich bebilderte Broschüre ab.

„Warum STARNBERG Starnberg heißt“ ist in der Reihe „Studien zur Ortsgeschichtsforschung im Landkreis Starnberg“, Band II, erschienen und im Heimatmuseum oder direkt über Benno Gantner, benno.Gantner@t-online.de zu beziehen. Der Band kostet 12,50 Euro.

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