Neue AWO-Führungsmannschaft: Günter Meier, Tim Weidner, Christiane Falk, Wilfried Tettweiler, Vorsitzender Herbert Sladek, Xenia Strowitzki, Natascha Niederleitner und Johann Harvolk (v.l.). Fotos: Andrea Jaksch

AWO Starnberg

Ein Ort, an dem Arme noch ärmer sind

Starnberg - Die Arbeiterwohlfahrt tut sich im Landkreis nach wie vor schwer. Dabei sind die Probleme eher größer als in anderen Regionen Bayerns.

 „In Starnberg sind die Armen noch ärmer.“ Diesen Satz sprach der Vorsitzende des AWO-Kreisverbandes Starnberg, Herbert Sladek, bei der Kreisdelegiertenkonferenz am Samstag in Starnberg mit Bedacht aus. „Wer in unserem reichen Landkreis nicht so viel zur Verfügung hat, tut sich alleine bei der Suche nach einer bezahlbaren Wohnung schwer.“ Und ein Verband der Arbeiterwohlfahrt tut sich in anderer Hinsicht schwer.

So bewarb sich die AWO um drei Trägerschaften für Kindergärten im Landkreis. Ohne Erfolg. Hinter vorgehaltener Hand steckte man dem Vorsitzenden, dass man munkelte: „Arbeiterwohlfahrt? Das ist für unsere Kinder nix.“ Ein Stigma, das mit Starnberg zusammenhängt und wo besonders viele Alte sich schämen, ihre Armut offen zuzugeben, weiß Sladek.

Insgesamt 184 Mitglieder zählen die sechs Ortsvereine. Verglichen mit anderen Kreisverbänden wie München Stadt (3000), Altötting (2700) oder Traunstein (2000) ist das nicht besonders viel. Das heißt aber nicht, dass die wenigen Freiwilligen nicht viel auf die Beine stellen. „Dafür können wir schnell und unbürokratisch reagieren.“ So rief bei Sladek vor ein paar Monaten eine Bewohnerin aus der Söckinger Straße an. „Im ersten Stock liegt seit längerem eine ältere Dame“, berichtete sie, woraufhin das langjährige Mitglied der AWO sofort hinfuhr. Die dehydrierte Frau kam in die Klinik, und von dort aus konnte der Vorsitzende mit den zuständigen Behörden organisieren, dass sie einen Platz im Altenheim Garatshausen bekam. Sie hatte sich in ihrer Wohnung versteckt. Aus Scham.

Schnell und unbürokratisch, das ist der große Vorteil der kleinen Organisation. Traditionell aktiv ist der Verband in Sachen Heimatvertriebene ganz vorne mit dabei. Dabei steht ihnen neuerdings Tamina Zarif vom Jugendmigrationsdienstes (JMD) in Starnberg zur Seite, sie betreut Jugendliche mit Migrationshintergrund. Aber auch Hilfe vor Ort leistet die AWO. In der Initiative „AWO AG Auslandshilfe“ unterstützen die Ehrenamtlichen regelmäßig Menschen in Bosnien, Moldawien oder Rumänien. Ein Schlagwort ist auch „individuell“ – mit Sachspenden oder indem der aktuelle Bedarf eingekauft wird. Zu den Landkreis-Einrichtungen der AWO zählen zwei Kinderkrippen und das soziale Kaufhaus „Klawotte“ in Gauting.

Der Vorsitzende München Stadt, Max von Heckel, mahnte, dass die Einkommens- und Vermögensverhältnisse im Land aus dem Gleichgewicht gerate. „Wichtig ist, dass das nicht zu Differenzen zwischen armen Bürgern und Asylsuchenden kommt.“ Sladek ergänzte: „Ich habe nichts gegen die Reichen, sondern möchte auf die Notleidenden aufmerksam machen und plädiere darauf, dass die Solidarität nicht vor die Hunde geht.“ Im reichen Starnberg, in dem die Armen eben noch ärmer sind als anderswo.

Einstimmig wiedergewählt wurden Sladek als Vorsitzender sowie seine Stellvertreter Natascha Niederleitner und Günter Meier. Kassier bleibt Wilfried Tettweiler, Schriftführerin Xenia Strowitzki und Sprecher Tim Weidner. Als Beisitzer fungieren Christiane Falk, Helmut Popp, Johann Harvolk und Tim Weidner. (mk)

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