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Mit über 240 Gramm Marihuana wurde der Starnberger erwischt.

Aus dem Gerichtssaal

Drogen-Vorrat für zwei Monate

Ein 20-Jähriger aus Starnberg wurde mit mehr als 240 Gramm Marihuana erwischt. Das Gericht konnte ihm allerdings nicht nachweisen, dass er mit den Drogen handelte.

Starnberg/München – Wenn jemand – wie ein junger Starnberger – bei einer Polizeikontrolle mit 240 Gramm Marihuana im Wagen erwischt wird, dreht sich der spätere Prozess um die Frage, ob er wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln „in nicht geringer Menge“ belangt wird oder gar wegen Handeltreibens. Das eine stuft das Gesetz unter Umständen noch als „Vergehen“ ein, das andere in jedem Fall als „Verbrechen“.

Ein 20-jähriger Koch aus Starnberg musste sich jetzt am Schöffengericht wegen 241,3 Gramm Marihuana verantworten, die er als Beifahrer im Auto mitgeführt hatte. Angeblich hatte der junge Mann diese beträchtliche Drogenmenge bei der Kontrolle durch Beamte der Polizeiinspektion München-Pasing im November 2016 lediglich „zum Eigenbedarf“ dabei, wie er dem Gericht vortrug: „Ich habe damals täglich drei bis vier Gramm konsumiert und wollte für diesen Bedarf nicht jedes Mal aus dem Haus“, erklärte der Koch. Finanziert habe er das Ganze mit Erspartem aus seiner Lehrzeit, so der 20-jährige.

Er habe nach Beendigung seiner Ausbildung große familiäre Probleme und Liebeskummer gehabt, begründete er sein ausgedehntes „Gifteln“ in jener Zeit. Inzwischen gehe es ihm aber „super“, er habe sich von den alten Freundeskreisen gelöst, mit den Drogen komplett aufgehört und einen festen Job. „Und ich habe die Erfahrung gemacht, geliebt zu werden“, sagte er dem Richter Ralf Jehle, der sich im jetzigen Strafverfahren sehr eingehend mit dem Lebenswandel des Starnbergers beschäftigte.

Die Staatsanwältin mochte dem Beschuldigten die „Alles-super-Version“ nicht so recht abnehmen – und schon gar nicht die Darstellung mit dem Eigenkonsum. „240 Gramm, die muss man erst mal weg rauchen“, so die Anklagevertreterin. Gestützt wurde ihr Misstrauen zuächst von einem als Zeuge geladenen Ermittler, der davon sprach, dass nach seiner langjährigen Erfahrung als Drogenfahnder „eine solche Menge“ gerade nicht dem Eigenkonsum diene. Eine Sachverständige des Münchner Instituts für Rechtsmedizin, die sowohl Haarproben als auch eine Blutprobe des Angeklagten untersucht hatte, hielt die Angaben des 20-Jährigen auf Grund ihrer Ergebnisse für durchaus plausibel. Regelmäßiger Drogenkonsum, auch von Kokain, Amphetamin und missbräuchlich benutzten Schmerzmitteln ließen sich mit den Analysen von 2016 belegen.

Nicht explizit nachweisen ließ sich indes das vermutete Handeltreiben: Eine Auswertung des sichergestellten Handys des Starnbergers habe zwar in den Chats einschlägig „konspirative Begriffe“ belegt, nicht aber die konkrete Anbahnung oder Abwicklung von Drogen-Deals, musste der Ermittler zugeben.

Nach viertelstündiger Beratung gelangte das Schöffengericht unter Jehles Vorsitz zu der Einschätzung, den 20-Jährigen nur wegen Besitzes von Betäubungsmitteln zu verurteilen. Der mit drei nicht einschlägigen Voreintragungen belastete Heranwachsende erhielt eine in der Höhe unbestimmte Jugendstrafe auferlegt, die für die Dauer von zwei Jahren zur Bewährung ausgesetzt wurde. Ihm wird ein hauptamtlicher Bewährungshelfer zur Seite gestellt, außerdem hat der Verurteilte ein Jahr lang monatliche Drogen-Screenings zum Beleg einer Abstinenz zu erbringen und zehn allgemeine Beratungsgespräche zu absolvieren.

Das Urteil hätte aber auch anders ausfallen können: „Erhebliche Verdachtsmomente sprechen auch für ein Handeltreiben“, so Jehles Einschätzung, „dieses ist aber nicht nachzuweisen.“ 

Thomas Lochte

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