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Fachmann der ersten Stunde: Der erfahrene Mitarbeiter Anton Wagner (2.v.l.) führt mit Niederlassungsleiter Richard Hirschberger (l.) die Gäste um Vizebürgermeister Dr. Klaus Rieskamp, Bundestagsabgeordneten Michael Kießling, Landtagsabgeordnete Dr. Ute Eiling-Hütig und Bergs Bürgermeister Rupert Monn (v.l.) zum 20-jährigen Bestehen des Briefzentrums Schorn durch die Halle.

Briefzentrum

„Schorn ist Weltmeister der Pünktlichkeit“

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Seit 20 Jahren werden in Schorn Briefe sortiert. Das Zentrum musste und muss sich weiterentwickeln. Während die Paketbranche boomt, nimmt der Briefverkehr ab – in Schorn sammeln sie Argumente für den guten alten Brief.

Schorn – Mitarbeiter wie ihn gibt es in Schorn kaum noch. Anton Wagner (45) ist ein Mann der ersten Stunde, einer, der dafür gesorgt hat, dass dort das Briefzentrum 1998 entstehen konnte. Wagner baute die Datenbank auf, mit denen die Maschinen laufen. Heute, 20 Jahre später, steht der Großweiler in Tracht vor Politikern und Kunden, um sie bei einer Jubiläumsfeier durch das Zentrum zu führen, das mittlerweile ganz anders aussieht. „Von damals stehen noch genau zwei Maschinen hier“, sagt Wagner.

Als Zusteller angefangen: „Dann ist es immer weiter gegangen“

Neue Lese- und Stempelmaschinen, Sortieranlagen – die Post investierte am Standort in Millionenhöhe. Bis zu 1,5 Millionen Sendungen werden in Schorn täglich verarbeitet. Dazu gehören Briefe, Postkarten, Zeitungen und Zeitschriften. Bis 21.15 Uhr geht es um Post, die in andere Briefzentren oder zum Flughafen München gebracht wird. In der Nachtschicht wird dann Post aufgenommen und für die Zustellung in der Region vorbereitet.

Wie das funktioniert, möchte Wagner bei der Führung zeigen. Nachdem er von BZ, SKBf, und Esoli spricht, entschuldigt er sich. „Es gibt für jede Maschine und Tätigkeit eine Abkürzung.“ Er kennt sie alle. Sein Weg bei der Post begann klassisch, als Zusteller. Acht Jahre lang stellte er im Raum Garmisch-Partenkirchen zu. „Dann ist es immer weiter gegangen.“ Er baute die Datenbanken für Maschinen in Schorn auf und blieb bis heute in diesem Bereich. „Es hat sich immer erweitert.“ 

1998 sprach niemand von Ergonomie 

Als Sachbearbeiter für die Nachtschicht kümmert sich Wagner darum, dass alle Zahlen – etwa zu Sendungsmenge oder Arbeitsstunden – richtig erfasst werden. Läuft etwas in der Nachtschicht nicht, muss er auch mal um vier Uhr morgens vorbeischauen. „Ich bin das Bindeglied zwischen Chef und Personalstelle“, sagt er.

Bei der Führung zeigt Wagner Arbeitsplätze am Fließband, bei denen auf Ergonomie geachtet wird. Früher war das kein Thema. 1998 ist lange her. Guildo Horn singt beim Grand Prix „Guildo hat euch lieb“, Gerhard Schröder wird Bundeskanzler, in Madrid fällt beim Spiel gegen Dortmund ein Fußballtor um – und in Schorn sortieren sie Briefe per Hand. Heute spricht niemand mehr über Guildo Horn, Schröder ist Altkanzler, das Tor steht wieder – und in Schorn laufen effiziente Maschinen.

„Ein irres Treiben, um den Standort zu halten“

Das Problem: Die Menschen schreiben nicht mehr so viele Briefe wie früher. „Bei manchen Schulklassen müssen wir die Geschäftsidee dahinter erst erklären“, sagt Marketingmitarbeiter Eric Stark. In Schorn weisen sie aber auf die Bedeutung des Briefes hin. „Ich freue mich über jeden handgeschriebenen Brief“, sagt Landrat Karl Roth. „Das ist immer noch etwas Besonderes.“ Er erinnerte daran, dass auf dem Grundstück in Schorn eigentlich eine Mülldeponie hätte entstehen sollen. „Es gab Aufregung. Wir haben es für viel Geld gekauft, für wenig verkauft – aber es ist Leben eingezogen.“

Es gibt noch ein paar weitere Mitarbeiter der ersten Stunde, sagte Wagner. „Aber wir haben eine große Fluktuation. Für die meisten ist es eben ein Nebenjob.“ Für den muss man immer wieder begeistern, wie Niederlassungsleiter Richard Hirschberger betonte: „Wir fahren mittlerweile nach Rumänien und Polen, um Mitarbeiter abzuwerben.“ Anweisungen gebe es vorgefertigt in 31 Sprachen. 

„Es ist ein irres Treiben, um den Standort zu halten.“ Es lohnt sich, wie Stationsleiterin Ute Brugger verkündete: „Schorn ist Weltmeister der Pünktlichkeit.“ Sie möchte das betonen. Schließlich stellte der Bundestagsabgeordnete Michael Kießling fest: „Wenn die Post funktioniert, redet man nicht darüber.“

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