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Das Amtsgericht Starnberg hat gegen den 24-jährigen Pfleger eine Haftstrafe ohne Bewährung verhängt.

Aus dem Gerichtssaal

Diebischer Pfleger muss hinter Gitter

Er hat die Hilflosigkeit von Patienten schamlos ausgenutzt und sich an ihrem Hab und Gut bereichert. Die betagten Patienten haben wegen ihm zum Teil ihre Altersvorsorge verloren.

Starnberg – Ein heute 24 Jahre alter Krankenpfleger hat über Jahre Geld und Wohnungsschlüssel von Patienten am Klinikum Starnberg entwendet, um dann in ihre Wohnungen einzubrechen (wir berichteten). Dort stahl er Schmuck im Wert von etwa 121 000 Euro.

Gestern musste sich der Krankenpfleger vor dem Starnberger Schöffengericht verantworten. Es geht um einen Tatzeitraum zwischen Oktober 2011 und Mai 2014. Der Beschuldigte machte kaum Angaben zur Sache und gab nur einen Einbruchdiebstahl zu.

Ein Kriminalhauptkommissar der Polizeiinspektion Starnberg berichtete im Zeugenstand, wie man dem Mann ab Ende 2012 auf die Schliche gekommen war: Damals hätten sich in der Chirurgie-Abteilung des Klinikums Starnberg Schlüssel-Diebstähle gehäuft. Eine Durchforstung der Dienstpläne und Arbeitszeiten im Klinikum habe den Verdacht der Ermittler bald auf den dort in Teilzeit eingesetzten Krankenpfleger gelenkt, zumal dieser auch noch in einem gleich gelagerten Fall am Rotkreuzklinikum München 2011 als Zeuge aufgetaucht war. Bei einer Wohnungsdurchsuchung bei dem mittlerweile nach Leipzig verzogenen Mann Anfang Januar 2017 fanden die Beamten dann einen Tablet-PC und Schmuck. Diese Gegenstände konnten Einbrüchen bei den bestohlenen Patienten zugeordnet werden.

Zu seinen Motiven sagte der Angeklagte lediglich, er habe die Taten als „ganz furchtbar“ empfunden, könne sie sich im Nachhinein kaum erklären. „Es war wohl auch Geldnot dabei.“ Bei einer ersten Vernehmung noch in Leipzig legte der Beschuldigte laut Starnberger Ermittler ein „Pauschal-Geständnis“ ab und erzählte etwas von „irgendwelchen Albanern“, die ihn unter Druck gesetzt hätten.

Der Sohn einer damals bestohlenen und inzwischen verstorbenen Patientin identifizierte die Wertgegenstände. Er sagte: „Ich habe meine Mutter noch nie so weinen sehen. Was sie verloren hatte, war ihre Altersversorgung.“ Die damals 86-Jährige sei sich „vollkommen sicher gewesen, dass es dieser Pfleger war“.

Die Pflegedirektorin des Klinikums Starnberg beschrieb den Angeklagten als jemanden, der trotz Parallel-Studiums „seine Arbeit gut gemacht“ habe, dann aber „eines Tages weggeblieben“ sei. Zugang zu den offenen Patienten-Zimmern habe er selbstverständlich gehabt. Auch dass er die Patienten nach deren persönlichen Verhältnissen befragt habe, sei „auf professioneller Ebene durchaus erwünscht“ gewesen, im Sinne einer optimalen Behandlung. Dass er auf großem Fuß gelebt und einen BMW Z 4 gefahren hatte, war den Kollegen im Klinikum aufgefallen. Der Ermittler hatte zahlreiche „nicht nachvollziehbare“ Einzahlungen auf den Konten des 24-Jährigen festgestellt – die Indizien waren damit erdrückend.

Er wurde zu zwei Jahren und acht Monaten Jugendeinheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt – weil er bei seinen Taten noch Heranwachsender war. Zudem werden 20 000 Euro aus seinem Vermögen als Wertersatz genommen. Damit sollen Opfer entschädigt werden, deren Schmuck er verkauft hat.

Thomas Lochte

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