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Arbeit wie am Fließband: Im vorweihnachtlichen Starkverkehr tauchen oft Sendungen in ungewöhnlichen Formaten auf. Die müssen dann von Hand sortiert werden sowie hier von Priscilla Kreutz und Nadine Weilguni.

Deutsche Post

250 000 Weihnachtsbriefe pro Tag

In der staaden Zeit wird es im Briefzentrum Starnberg hektisch. Mehr als die doppelte Menge an Briefsendungen, doppelt so viele Arbeitsstunden – die 200 Beschäftigten schnaufen durch, wenn Heiligabend erreicht ist. Die Ruhe ist nur von kurzer Dauer, denn nach dem Fest wird das Geschäft mit den Paketsendungen noch mal heiß.

Starnberg – Briefe rasen durch die automatischen Sortieranlagen, Rollbehälter werden verladen, ein Techniker flitzt auf dem Postfahrrad durch die Halle, um bei einem Papierstau zu helfen. Die Zahl der Briefsendungen im Briefzentrum Starnberg steigt bis Heiligabend von Tag zu Tag an. In dieser Woche bearbeiten die 200 Beschäftigten eine Viertelmillion Briefe pro Tag. Hinzu kommt noch eine Masse an Geschäftsbriefen. Insgesamt ist das Briefzentrum auf eine tägliche Menge von bis zu 1,5 Millionen Sendungen ausgelegt.

Richtige Zuordnung: Albert Sprintz sortiert im Postzentrum in Schorn die Weihnachtspost ein.

Nicht nur die Menge steigt. Auch die Art der Sendungen verändert sich kurz vor dem Fest. Zum einen werden die eingelieferten Briefe schwerer. Bis zu einem Kilo dürfen sie wiegen. Viele Absender verschicken Bücher, CDs oder Computerspiele nicht im Paket, sondern per Brief, auch wenn die Sendung dann nicht versichert ist. In der Adventszeit werden die Briefsendungen auch bunter. Es gibt weinrote und silbergraue Umschläge, oft von Kinderhand beschriftet mit Tinte in allerlei Farben. Zudem tauchen immer mehr Grußkarten in Sonderformaten auf.

Die Sortiermaschinen können aber weder Adressen mit silbriger Tinte auf grauem Grund noch auf Postkarten in Form von Tannenbäumen und Weihnachtsmännern lesen. Deswegen lebt die Handsortierung in der Weihnachtszeit auf. „Das ist Arbeit wie vor 30 Jahren“, sagt Mitarbeiter Ernst Zieringer ohne den geringsten Anflug von Nostalgie in der Stimme. Denn die Mitarbeiter kommen in einer Stunde auf 1000 Briefe, die Sortiermaschine schafft 40 000. „Zu den steigenden Mengen kommt also auch noch eine aufwendigere Bearbeitung dazu“, erklärt Zieringer.

Doppelt so viele Arbeitsstunden in der Vorweihnachtszeit

Im Starnberger Briefzentrum landet Briefpost aus allen Orten und in alle Orte, deren Postleitzahl mit 82 beginnt. Der Versorgungsbereich reicht von Mittenwald in den bayerischen Alpen bis ins Fürstenfeldbrucker Land im Norden. Die südlichen Vororte von München bis Sauerlach und Taufkirchen im Osten gehören ebenso dazu wie die Orte am östlichen Ammerseeufer, am Starnberger See und im Pfaffenwinkel.

In der Vorweihnachtszeit fallen in der Bearbeitung doppelt so viele Arbeitsstunden an wie üblich. Die Beschäftigten im Briefzentrum haben Arbeitszeitkonten. Wer in den ruhigeren Sommermonaten auf dem Arbeitszeitkonto ins Minus gerutscht ist, kann das im Advent mit Überstunden ausgleichen, wer neue Überstunden ansammelt, kann diese nach Weihnachten als Freizeit nehmen. Auch stocken viele Mitarbeiter mit Teilzeitverträgen vor Weihnachten für ein paar Wochen ihre Arbeitszeit auf.

Schüler und Studenten helfen mit aus

Viel Arbeit, und das über Wochen – dennoch wirkt Zieringer gelassen. „Es ist ja nicht das erste Weihnachtsfest, das vor der Tür steht.“ Sein Team ist bestens auf die Mehrarbeit vorbereitet. Trotzdem wird die verstärkte Stammbelegschaft nicht reichen, um die Mehrarbeit zu bewältigen, sagt Zieringer. Deshalb helfen Schüler und Studenten aus. Auch das Leitungsteam des Briefzentrums wird im Starkverkehr das Büro verlassen und in der Halle mit anpacken. „Das ist für uns eine Selbstverständlichkeit und für die Kollegen ein wichtiges Signal, dass wir alle zusammenhalten“, sagt Zieringer. Viele Kollegen würden sich auf die heiße Phase im Briefzentrum sogar richtiggehend freuen, weil dann die Stimmung viel lockerer und familiärer wird.

Alle sind froh, wenn nach dem Fest die Briefflut abebbt. Die Hochphase bei der Paketpost nimmt aber noch mal Fahrt auf. Zieringer: „Dann dürfen wir bergeweise Retouren bearbeiten.“  mm

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