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Nichts geht mehr in der Starnberger Musikschule: Schulleiterin Cornelia Lee-Winser hat zwar Verständnis für die Schließung, spricht dennoch von einer Katastrophe. 

Wegen Statik und Brandschutz

32 Jahre ohne Genehmigung? Starnberger Musikschule ab sofort geschlossen

  • Peter Schiebel
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Die Stadt Starnberg hat mit sofortiger Wirkung ihre Musikschule geschlossen. Grund dafür ist, dass seit 1988 keine Nutzungsgenehmigung vorliegt. Vor dem Hintergrund offener Statik- und Brandschutzfragen sah Bürgermeister Patrick Janik keine andere Möglichkeit.

Starnberg – „Sanierung der Musikschule Starnberg.“ So lautete Punkt zwei der Tagesordnung des Starnberger Haupt- und Finanzausschusses am Mittwochabend. Es sollte um die Frage gehen, ob die derzeit finanziell äußerst klamme Stadt mehrere Millionen Euro für die Sanierung des Gebäudes in die Hand nehmen muss – oder den Betrieb noch eine Zeit lang so weiterlaufen lassen kann. Was Stadträten und interessierter Öffentlichkeit dann aber präsentiert wurde, sorgte für ungläubiges Staunen, für lange Mienen – und gut 18 Stunden später für eine weitreichende Entscheidung: Die städtische Musikschule an der Mühlbergstraße ist mit sofortiger Wirkung geschlossen, der Unterricht für knapp 1100 Schüler bis auf Weiteres eingestellt.

„Es wurde festgestellt, dass im Zuge der Umnutzung des Altenheims zur Musikschule im Jahr 1988 zwar statische Ertüchtigungen durchgeführt wurden, jedoch kein Genehmigungsantrag auf Nutzungsänderung gestellt worden war“, hieß es in der Beschlussvorlage aus dem Rathaus. Mit anderen Worten: Seit 32 Jahren findet in dem Gebäude aus der Jahrhundertwende Musikunterricht statt, ohne dass die rechtlichen Voraussetzungen dafür vorliegen. Und: Weil es Probleme mit Statik und Brandschutz gibt, ist diese Genehmigung auch nicht einfach so zu bekommen.

„Gefahr für Leib und Leben“ nicht ausgeschlossen

Im Zuge der Gefahrenabwehr habe er deswegen keine andere Möglichkeit als die sofortige Schließung gesehen, sagte Bürgermeister Patrick Janik gestern Mittag. In einem Brief an alle Eltern und Schüler schreibt er: „Derzeit ist zu unserer Überzeugung nicht hinreichend nachgewiesen, dass trotz etwaiger bestehender Brandschutzmängel eine Gefahr für Leib und Leben der Schüler wie der Lehrkräfte ausgeschlossen werden kann. Das hieraus entstehende Risiko können und dürfen wir nicht ignorieren.“

Mit der Bauaufsichtsbehörde soll kurzfristig ein Begehungstermin stattfinden, „um die Gefahrenlage schnellstmöglich zu bewerten und die notwendigen Maßnahmen besser einschätzen zu können“, erklärte Janik. Parallel würden bereits alternative Unterbringungsmöglichkeiten geprüft. Ein möglicher Standort für Container sei an der Ludwigstraße. „Wir versuchen, gemeinsam Lösungen zu finden“, erklärte auch Christian Kröck vom Landratsamt. Das hänge jedoch davon ab, was die Fachleute herausfinden und vorschlagen.

Architekten stellen „gravierende Mängel“ fest

„Das ist für uns eine Katastrophe, obwohl ich für die Entscheidung natürlich Verständnis habe“, sagte Schulleiterin Cornelia Lee-Winser gegenüber dem Starnberger Merkur. „Es geht ja um Sicherheit.“ Nach der coronabedingten Schließung hatte die Musikschule Mitte Mai den Instrumental- und erst Mitte Juni den Ensembleunterricht wiederaufgenommen. Der Brandschutz sei in den vergangenen Jahren immer wieder nachgerüstet worden, sagte sie. Von der fehlenden Genehmigung habe aber auch sie erst in der Sitzung am Mittwoch als Zuhörerin erfahren.

In der hatten die Architekten Bettina und Benedikt Sunder-Plassmann den Stadträten ihre Überlegungen für eine Sanierung der Musikschule vorgestellt, die nach ihrer Einschätzung derzeit „gravierende Mängel“ aufweise. Die Kosten unter anderem für ein neues Tonnendach, einen neuen Aufzug, für neue Räume und Installationen und nicht zuletzt für einen barrierefreien Ausbau des ehemaligen Krankenhauses und Altenheims bezifferten sie mit rund 5,2 Millionen Euro. Bei Einhaltung bestimmter Vorgaben würden 900 000 Euro als Zuschuss der Regierung von Oberbayern fließen.

Benedikt Sunder-Plassmann sprach von einem „kulturhistorisch wertvollen Gebäude“, das auch ohne Denkmalschutz erhalten werden sollte. Wegen der fehlenden Genehmigung legte er den Stadträten die Sanierung ans Herz – auch, „um sich nicht strafbar zu machen“, wie er sagte. „Den aktuellen Zustand kann sich die Stadt nicht leisten.“

Betroffen von der Schließung sind im Übrigen auch die 38 Lehrkräfte. Den Kontakt zu ihnen hält Cornelia Lee-Winser. „Wir bleiben in kleiner Besetzung erst mal hier und warten die Begehung ab.“

Schlechte Nachrichten gibt es für Starnberg derzeit öfter, auch wegen der Corona-Krise. Der Stadt fehlen Millionen an Einnahmen. 

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