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Altbürgermeister Heribert Thallmair hat zahlreiche Geschenke von Freunden aus Dinard bekommen. Besonders gefallen ihm die handbemalten Teller aus der Bretagne.

Altbürgermeister Heribert Thallmair blickt zurück

40 Jahre Partnerschaft mit Dinard: Wie alles begann

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Die Städtepartnerschaft zwischen Starnberg und Dinard besteht heuer seit 40 Jahren. Altbürgermeister Heribert Thallmair war maßgeblich am Entstehen des deutsch-französischen Bündnisses beteiligt.

Starnberg/Dinard – Heribert Thallmair und die Starnberger Delegation haben 1252 Kilometer Busreise hinter sich. Die Vorfreude auf Dinard ist groß. Gerade war die Städtepartnerschaft mit der bretonischen Stadt fix gemacht worden. In Dinard haben sie für die neuen Freunde aus Bayern sogar eine Straße umbenannt, in Rue de Starnberg. Genau dort jedoch endet Thallmairs Freude. Die Einwohner der Rue de Starnberg haben ihre Fensterläden geschlossen und schwarze Fahnen aufgehängt. Stiller Protest. Vor allem die französischen Veteranen sind es, die sich keine Freundschaft mit einer deutschen Stadt wollen. Doch Thallmair gibt das Projekt nicht einfach auf. Er hatte Verständnis, wie er sagt: „Es war eine Zeit, in der die Leute den Krieg noch hautnah erlebt hatten.“ Doch aufgeben wollte er das Projekt nicht: „Ihre Reaktion hatte mich getroffen. Aber wir haben sofort mit ihnen gesprochen. Das hat sich dann völlig gedreht.“ Die Veteranen kamen sogar mit dem Bus nach Starnberg, Thallmair nahm sie mit auf das Oktoberfest.

Heute läuft die Städtepartnerschaft zwischen Dinard und Starnberg wie selbstverständlich. Dass es überhaupt dazu kam, war 1977 aber alles andere als selbstverständlich. In der Zeit bewegte Kommunalpolitiker in und rund um Starnberg die Gemeindegebietsreform – sechs bisher selbstständige Gemeinden sollten künftig Starnberg angehören, es gab einige Debatten. Genau in dieser intensiven Zeit kam eine Anfrage aus Frankreich. Genauer gesagt aus Le Vesinet nahe Paris. „Damit waren wir aber nicht glücklich“, sagt Thallmair. Richtig überzeugt sind die Stadträte erst von Dinard. Auf die Idee kam der damalige Vorsitzender der Volkshochschule Starnberger See, Gerhard Blumenau, dessen Frau aus Dinard stammt. Dann irgendwie doch alles ganz zügig.

Im Mai 1977 fliegt eine Delegation aus Dinard mit dem Flugzeug ein. Mit an Bord: Der französische Verteidigungsminister Yvon Bourges, zugleich Dinards Bürgermeister. „Wir haben uns gegenseitig beschnuppert“, sagt Thallmair. Ein hochsensibles Aufeinandertreffen, in beiden Stadträten gab es Kriegsteilnehmer. Als die Starnberger Delegation dann nach Dinard reist, gibt es einen schönen Empfang am Palais Des Congrés. Auf großen Schildern steht „Herzlich Willkommen“. Thallmair sagt: „Davon waren wir sehr berührt.“ Der erste Weg führte sie dann zum Soldatenfriedhof. Dort liegen über 20 000 gefallene Deutsche, die meisten dienten für die Marine im U-Boot-Stützpunkt von Saint Malo. Thallmair und Bourges legen im Friedhof Kränze nieder. „Wir haben uns geschworen, dass so etwas nie wieder passieren darf.“ Gefühlsbetont sei er nicht, sagt Thallmair. „Aber das war ergreifend.“ In der Partnerschaft sei von Anfang an die Aussöhnung zwischen Deutschland und Frankreich prägend gewesen. Wie die Städtepartnerschaft aussehen soll, haben Stadträte beider Seiten in einer gemeinsamen Sitzung festgelegt. Thallmair erklärt: „Freunde sein, Vergangenheit überwinden, Jugend einbeziehen und zu toleranten Menschen machen, für ein gemeinsames Europa einstehen.“ Gerade aufgrund der sensiblen Phase seien beide Seiten „sehr idealistisch rangegangen“.

Im Zentrum sollten aber nicht die Bürgermeister oder Stadträte stehen. „Wir haben gleich die Bürger, Schulen und Vereine miteinbezogen. Das ist es, was die Freundschaft trägt.“ Dazu gehöre etwa auch ein regelmäßiger Schüleraustausch. „Unser Gymnasium hat sich da fantastisch verhalten.“ Seit der Städtepartnerschaft gibt es in Dinard Deutsch-Unterricht. Ab 1979 und 1980 gab es dann auch die beiden Vereine „Freunde von Dinard“ und „Les Amis de Starnberg“.

Abwechselnd besuchen sich die Starnberger und Dindards Bürger. Um die 100 Starnberger fahren dabei mit in die Bretagne. Darüber hinaus reisen Thallmair und seine Frau Anneliese zum Urlaub noch öfter nach Dinard. Die Sprache verstehe er einigermaßen und könne sich schon ausdrücken – im Notfall hilft seine Frau Anneliese aus. Mittlerweile hat das Ehepaar einige Bekannte und auch enge Freunde in Dinard. So geht es einigen anderen Starnbergern auch. „Viele ältere Jahrgänge versuchen, Französisch zu sprechen – und von den Franzosen sprechen mittlerweile viele Deutsch.“ Thallmair weiß: „Wir brauchen die Sprache.“

Thallmair verstand es während seiner Zeit als Starnberger Bürgermeister, Konflikte im Keim zu ersticken. Er lud Fraktionsvorsitzende zu sich nach Hause ein, bei einem Bier oder Wein wurden Meinungsverschiedenheiten ausgeräumt. Auch in der Städtepartnerschaft mit Dinard erkannte er früh, um welche Spannungen es geht. Dass er bereit war, zu vermitteln und das Projekt nicht aufgab, rechnen ihm heute viele Menschen hoch an.

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