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20 Kilometer in fünfeinhalb Stunden: Steffen Hartig wird am Starnberger Ufer von seinem Tandem-Partner Andreas Beseler und Drittem Landrat Tim Weidner begrüßt, nachdem er den See der Länge nach durchschwommen hat.

Das gab‘s noch nie

42 Kilometer fürs Geschichtsbuch: Steffen Hartig ist an einem Tag durch fünf Seen geschwommen

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Das gab‘s noch nie: Steffen Hartig hat als erster Mensch an einem Tag alle fünf Seen im Landkreis Starnberg durchschwommen. 

Update vom 12. August: So war der Tag danach für Hartig

Am Tag nach seiner Rekord-Ausdauerleistung geht es Steffen Hartig erstaunlich gut: „Die Muskulatur in den Schultern und Oberarmen ist noch sehr fest, aber ansonsten passt’s eigentlich“, sagt er. Der 56-Jährige Triathlet ist am Sonntag durch alle fünf Landkreis-Seen der Länge nach geschwommen. Um 6 Uhr morgens sprang er in den Starnberger See, um 19.36 Uhr stieg er aus dem Weßlinger See. 

Hartig wollte sogar noch schneller sein: „Aber der Gegenwind hat mich mindestens 45 Minuten gekostet. Der Wörthsee war extrem ekelhaft“, sagt er. Immerhin habe er moralische Unterstützung gehabt: Zwei junge Schwimmerinnen der SV Fürstenfeldbrucker Wasserratten begleiteten ihn. Übelkeit, Schwindel und Halsschmerzen machten ihm im Ammersee zu schaffen, dort dachte er erstmals ans Kapitulieren. Wegen des starken Ostwinds trieb er immer wieder ab, das Anschwimmen gegen die Wellen kostete viel Kraft. Hilfe kam von einer Kajakfahrerin, die per Internet von der Aktion erfahren hatte. Sie schirmte Hartig für etwa fünf Kilometer von den vielen Segelbooten ab –gemeinsam mit seinem persönlichen Helfer, der ihn vom Kajak aus mit Energie-Getränken, Cola oder flüssiger Gel-Nahrung versorgte. 

Mit dem Tandem von See zu See: Steffen Hartig (l.) und sein Partner, der MS-Kranke Andreas Beseler, in Starnberg.

42 Kilometer: So weit ist selbst der ehemalige Ironman-Teilnehmer und Trainer der Fürstenfeldbrucker Triathleten noch nicht an einem Tag geschwommen. Er tat es für einen guten Zweck. Die Stiftung „Besi & friends“ von Andreas Beseler, der Hartig auf dem Tandemrad von See zu See begleitete, hilft Menschen mit Autoimmunerkrankungen. Sie sammelte während des Sonntags rund 500 Euro, rechnet aber in diesen Tagen noch mit weiteren Spenden. Dazu kamen 300 Euro, die Hartigs Frau an den einzelnen Stationen der Tour zugesteckt wurden. Einen Umschlag übergab auch Dritter Landrat Tim Weidner. Als Hartig am Abend in den Weßlinger See sprang, waren die Schmerzen vergessen. „Das sind ja nur 500 Meter, das war keine Hürde mehr. Und die vielen Leute am anderen Ufer haben mich motiviert.

Gegenwind im Starnberger See Die erste Etappe ist zäh

Landkreis – Sonntagvormittag, 11 Uhr, Sonne pur: Der Steg neben H’ugo’s Beach Club in Starnberg ist voller Menschen. Der See ist voller Segel-, Paddel- und Motorboote. Doch die Menschen auf dem Steg interessiert nur ein Mann. Mit Ferngläsern suchen sie nach Steffen Hartig. Der 56-jährige Triathlet, ehemaliger Altersklassen-Weltmeister und Ironman-Teilnehmer, hat einen kühnen Plan: Er will alle fünf Seen im Landkreis der Länge nach durchschwimmen. 42 Kilometer sind das, dazu kommen ebenso viele auf dem Tandemrad mit dem Hessen Andreas Beseler. Für dessen Stiftung „Rad statt Rollstuhl – Besi & Friends“ soll der Schwimm-Marathon Spenden generieren und so Menschen mit Autoimmunerkrankungen unterstützen.

11.30 Uhr: Steffen Hartig steigt aus dem Wasser – genau fünfeinhalb Stunden, nachdem er in Seeshaupt seine Mission begonnen hat. Dritter Landrat Tim Weidner heißt ihn willkommen, würdigt seine „ungewöhnliche Anreise “, und sagt, er werde mit dieser einzigartigen Aktion „ins Geschichtsbuch des Landkreises“ eingehen. Hartig, die Striemen von der Schwimmbrille im Gesicht, zieht sich währenddessen schon mal seinen Neoprenanzug aus – und das Radtrikot an. Bloß keine Zeit verlieren. Um 11.36 Uhr wird er schon mit Beseler auf dem Tandem Richtung Ammersee losradeln. Der Münchner Extremsportler umarmt noch kurz seine Tochter und wird das los, was ihn in den vergangenen Stunden am meisten beschäftigt hat: der Gegenwind. „Der hat mich eine halbe Stunde gekostet.“ Sein Starnberger-See-Resümee: Die ersten acht Kilometer waren schön, die zweiten zwölf eher nicht – und die letzten vier davon besonders hart.

Hartigs Tandem-Partner hat ein hartes Schicksal

Von seinem harten Schicksal lässt sich Andreas Beseler nicht beirren: „Der Rollstuhl war so gut wie sicher, erst durch das Radfahren geht es mir so gut wie heute“, erzählt der drahtige 53-Jährige, während er am Steg auf Hartig wartet. Beseler leidet an Multiples Sklerose (MS), hat Probleme beim Laufen und kann sich schlecht konzentrieren. Zu allem Überfluss fuhr ihn eine Frau im April 2018 mit ihrem Auto vom Rad. Teile seines Nackens sind taub, der Querschnittslähmung entging er nur knapp. Fast ein Wunder, dass sich der Frührentner nun an einem  „5-Seen-Cross“ beteiligt.

Um 16.20 Uhr hat Hartig den Ammersee durchquert – laut GPS-Infos auf seiner Homepage, die für jeden Kilometer eine Spende erbittet. Beseler war sich am Vormittag sicher: „Wenn wir den Ammersee geschafft haben, dann ist es geschafft.“ Um 17 Uhr springt Hartig in den Wörthsee, am frühen Abend in den Pilsensee. Um 19.36 Uhr dann der große Triumph: Hartig erreicht das Nordufer des Weßlinger Sees.

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So bereitete sich Steffen Hartig auf den 5-Seen-Cross vor

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