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Historie vor Ort: Albert Burger und Maria-Elisabeth Herger zeigen einen Bericht des Starnberger Merkur über den Neubau der Schule aus dem Jahr 1967. Burger war Konrektor an der ehemaligen Volksschule, Herger Schülerin.

Schul-Jubiläum

Damals in Söcking ...

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Vor fünfzig Jahren wurde der Anbau an die Volksschule Söcking eingeweiht. Im Gespräch mit dem Starnberger Merkur erinnern sich der ehemalige Konrektor und eine ehemalige Schülerin.

Söcking – „Sie zählt unbestritten zu den schönsten des Landkreises, ja sie ist vielleicht die schönste, großzügigste und zweckmäßigste.“ Diese Meinung hatte Rektor Wilhelm Erhart 1967 über seine Söckinger Grundschule, die damals noch Volksschule hieß. Stolz machte ihn vor 50 Jahren der Neubau, durch den die Grundschule stark erweitert wurde.

Das Jubiläum wollte die Schule heuer nicht feiern – es heißt, es handle sich nur um einen Anbau. Doch für Schüler und Lehrer war es 1967 mehr als nur das. Die ehemalige Schülerin Maria-Elisabeth Herger (63) und der ehemalige Konrektor Albert Burger (88) erinnern sich – bei einem Treffen an der Schule.

Burger: Marie-Luise, oder?

Herger: Fast. Aber ein Doppelname ist es, Maria-Elisabeth. Einfach Marlise. (Herger zeigt ein Schwarz-Weiß-Bild). Das ist das Entlassungsfoto meiner Schulklasse, da sind Sie mit drauf.

-Was ist Ihnen aus Ihrer Zeit an der Söckinger Schule in Erinnerung geblieben?

Herger: Ich kann mich nur noch ans Kochen erinnern. Das, was wir gekocht haben, mussten wir auch essen – ob wir wollten oder nicht.

Burger:Aber kochen konnten wir erst im Neubau. Mit dem Neubau hieß es: Diese Volksschule hat alles, was man braucht. Wir hatten einen Handwerkssaal, einen Werkraum mit Maschinen und Klassenzimmer mit Gruppenraum.

-In einem Zeitungsartikel steht, der Neubau habe 1,3 Millionen DM gekostet, die Turnhalle 300 000 DM.

Burger:Und unter der Turnhalle haben sie ein strahlensicheres Bunkerkrankenhaus eingerichtet.

-Wie bitte?

Burger: Als Konrektor hatte ich einen Schlüssel. In dem Bunker konnte ich den Kindern demonstrieren, was absolute Dunkelheit ist. Die Hand vor den Augen nicht mehr zu sehen, war für die Kinder ein Erlebnis. Als ich 1990 in Ruhestand ging, wurde der Bunker nicht mehr gebraucht. Ein Atomkrieg war in weite Ferne gerückt.

-Die Schule selbst hatte acht Klassen. Die neunte Klasse wurde erst nach Ihrem Abgang eingeführt, Frau Herger.

Herger:Ja, ich bin nach der achten Klasse gegangen. Dann musste ich mit 14 Jahren mit der Berufsausbildung anfangen. Wir wollten in die Berufsfachschule, durften aber nicht, weil wir keinen qualifizierten Hauptschulabschluss hatten.

-Aus heutiger Sicht unvorstellbar, dass man mit 14 von der Schule geht.

Herger:Vor allem, dass man dann mit der Lehre anfängt. Wir waren ja noch Kinder. Man hat sich einen Beruf raussuchen müssen. Ich wusste: Ich will was im Büro machen. Dann gab es beim Arbeitsamt ein Angebot. Ich habe Industriekaufmann gelernt, so hieß das damals noch. Da gab es noch keine Gleichberechtigung.

Burger:Die Bezeichnung „Frau“ im Beruf hat es damals einfach noch nicht gegeben.

-Es waren andere Zeiten. Am Eingang der Grundschule hängt eine Karikatur: eine Lehrerin und ein Schüler. 1973 fragt sie ihn: „Warst du nett zur Lehrerin?“ Daneben, 2013, fragt sie: „War die Lehrerin nett zu dir?“

Burger:Als Lehrer hat man es früher leichter gehabt. Die Eltern haben sich geändert. Was damals in der Schule gesagt wurde, das galt. Die Kinder waren früher auch disziplinierter. Ich erinnere mich an einen jungen Mann, der bei der Marine verletzt wurde und blind war. Er wollte Gymnasiallehrer werden und hat bei uns sein Praktikum gemacht. Er hatte nie Probleme. So ein beruhigender Mann, die Kinder haben ihn verehrt. Sie waren ordentlich, freundlich. Ich war damals Organist und durfte auch an Werktagen bei Beerdigungen zum Orgelspielen gehen. Meine Frau ging für mich in den Unterricht. Die Schüler hatten ihren Arbeitsauftrag, es gab keine Probleme mit der Ruhe. Wenn man da heute vorbeigeht, denkt man sich, das ist unwahrscheinlich.

Herger:(nickt). Die strengere Erziehung war auf keinen Fall verkehrt. Man hat früher ganz andere Werte mitbekommen.

Burger:Manchmal sprechen mich ehemalige Schüler an: „Mei, war’n Sie streng – aber schön wars.“

-Wie sind Sie eigentlich nach Söcking gekommen?

Burger: Ich war Lehrer im Landkreis Pfaffenhofen. 1966 habe ich mich nach Starnberg beworben. Hier habe ich eine Lehrerdienstwohnung bezogen. Im Erdgeschoss – die ehemalige Gemeindeverwaltung – war ein Klassenzimmer. Die kam aber schon bald raus, weil die Schule Platz gebraucht hat. In dem Haus wohne ich noch heute.

-Als Konrektor haben Sie dann nicht mehr so viel unterrichtet?

Burger:Konrektor war ich ab 1972 bis zum Ende, 1990. Das hatte einen Vorteil: Ich hatte morgens um halb acht Singstunde.

Herger:Ach Gott, ja.

Burger:Wir haben ein Podium und einen Flügel aufgestellt. Jeder, der singen konnte oder wollte, durfte kommen. Das war so eine Freude. Es hat im Schulhaus geklungen. Das Schulamt nannte uns „Das singende Schulhaus“. Wir haben Volkslieder gesungen – nichts nach Noten. Bairische Texte. Manche Kinder wussten gar nicht, was sie da singen. (lacht)

Herger: Mein jüngerer Sohn Florian hat da auch mitgesungen.

Burger:Da war musikalisch ordentlich was los. Unsere Schule hat den Landkreis ein paar Mal bei Veranstaltungen vertreten, wir waren recht gefragt. Gerade diese Freiwilligkeit hat bei den Kindern dermaßen eingeschlagen. Keiner wurde benotet. Wir hatten immer mindestens 50 Kinder.

Herger: Sie haben mich mal überredet, im Kirchenchor mitzusingen. Das hat aber nicht lange gehalten. (lacht)

Burger:Vom Schulchor habe ich für den Kirchenchor alle jungen Kräfte herausgezogen. Wer singen konnte, den habe ich angeworben.

-Als Lehrer erinnert man sich an Schüler ein Leben lang – zumindest an manche, oder?

Burger: Manchmal werde ich auf der Straße gegrüßt. Der Name ist mir dann schon noch oft geläufig. Die waren 14 Jahre alt, als sie weggegangen sind – die kenne ich doch. Mittlerweile sind das gestandene Mannsbilder und gestandene Frauen. Auch Frau Herger sehe ich immer wieder. Aber lange haben wir dann nie geredet. Du warst schon immer ein bisschen schüchtern, aber angenehm zurückhaltend, fleißig und arbeitsam. Ich habe aber auch noch Beziehungen zu Lausbuben.

-Wissen Sie, was aus denen wurde?

Burger:Ein paar wurden Gemeinde- oder Stadträte, manche auch Lehrer. Eine ist sogar noch an der Schule.

Herger:Ich bin nach meiner Ausbildung und zwei Jahren Berufsfachschule als Industriekauffrau wieder in die alte Firma zurück. Dort habe ich Buchhaltung gemacht, bis die Firma aufgelöst wurde. Dann war ich Hausfrau.

-Wie oft sind Sie noch an Ihrer alten Schule?

Burger: Im vergangenen Jahr gab es hier auch ein schönes Fest, da bin ich gerne hin. Da war ein Trommler, toll.

Herger: Ich war als Mutter natürlich noch ein paar Mal hier. Wir waren auf der Schule, unsere Kinder auch – mittlerweile sind unsere Enkel hier.

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