Messer-Mann ersticht Frau mitten auf der Straße - Täter auf der Flucht

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Im Nachbarlandkreis Landsberg werden bereits regelmäßig Mülltonnen kontrolliert (Foto). Beim AWISTA baut man unterdessen vor allem auf die Vernunft der Bürger – sonst wird es für alle teurer.

AWISTA

Schlauer Chip in jeder Tonne

Der Abfallwirtschaftsverband AWISTA hat zunehmend Probleme mit Schadstoffmobil-Standorten. Geschäftsleiter Peter Wiedemann warnt vor Umweltbelastung.

Landkreis – Das Schadstoffmobil fährt in der Regel monatlich alle Gemeinden an, die Mitarbeiter nehmen dann Sonderabfälle entgegen – Säuren und Salze, Chemikalien und Düngemittelreste, Terpentin und Holzschutzmittel sowie Thermometer, Batterien und dergleichen mehr. Offiziell firmiert das alles unter Problemabfall.

Oft steuert der Lkw Wertstoffhöfe an, aber in kleineren Orten sind es Parkplätze oder andere Flächen. In den vergangenen Wochen habe es vermehrt Fälle gegeben, in denen das Schadstoffmobil Orte auslassen musste, weil die Stellplätze zugeparkt waren, erklärte Wiedemann. Er bat die Gemeinden bei einer Verbandsversammlung in Starnberg, durch Zusatzschilder für freie Flächen zu sorgen. Denn: Wenn der Kunde seine zumeist flüssigen Problemabfälle nicht los wird, suche er sich eine andere Lösung. „Die Leute schauen ja nicht gleich auf die App, suchen den nächsten Halt des Schadstoffmobils und fahren durch die Gegend“, so die Erfahrung. Vielmehr bestehe die Gefahr, dass flüssige Sonderabfälle in die Kanalisation gelangen.

„Das Problem verlagert sich dann auf die Abwasserschiene“, und das wollten die Gemeinden noch viel weniger. Würden Lösungsmittel und andere Substanzen in größeren Mengen ins Abwasser gelangen, hätte dies womöglich weitreichende Folgen. Norbert Impelmann, Geschäftsführer des Abwasserzweckverbandes Starnberger See, will solche Stoffe nicht in seiner Kläranlage haben, auch wenn sie dort schon sehr verdünnt ankommen.

Wer Chemikalien oder Fette in die Toilette schüttet, schadet sich in der Regel erst einmal selbst – die Substanzen schädigen Leitungen im Haus und auf dem Grundstück sowie die Kanäle des Verbandes. In der Kläranlage werden Fette und Öle, die oben schwimmen, abgeschieden. Dass mit dem Abwasser große Mengen davon ankommen, habe es schon gegeben, sagt Impelmann.

Stoffe im Wasser hingegen werden nicht immer erfasst – denkbar wäre, dass sie die Kläranlage passieren und in der Würm landen. Bei Messungen gab es aber nie Hinweise darauf. Andere Substanzen werden ausgefiltert und landen im Klärschlamm. Bisher habe der bei Tests aber immer so wenige Stoffe enthalten, dass der Schlamm in der Landwirtschaft als Dünger verwendet werden durfte. Eine Sensibilisierung, was ins Abwasser darf und was nicht, sei eine „Daueraufgabe“, weiß Impelmann.

Ein weiteres großes Problem sind Tonnen-Diebstähle. Andechs’ Bürgermeisterin Anna Neppel fragte schon ihre Kollegen, ob bei ihnen auch volle Tonnen gestohlen würden – so unglaublich das klingt. Solche Fälle sind die Ausnahme, die Zweckentfremdung von Tonnen jedoch ist weit verbreitet. Der AWISTA hat rund 120 000 Restmüll-, Papier- und Biotonnen verteilt, die ihm gehören und den Haushalten faktisch nur geliehen sind. Es gebe viele Diebstähle, sagte Wiedemann. Und alle würden bei der Polizei angezeigt, auch wenn die Verfahren immer eingestellt werden.

Es gebe auch viele vermeintliche Diebstähle. Drei bis fünf seien es pro Woche. Der AWISTA bekommt das alles fast in Echtzeit mit, denn die Tonnen sind mit Computerchips versehen, die bei der Leerung ausgelesen werden. So könne man feststellen, dass eine in Tutzing registrierte Tonne in Inning zur Leerung an die Straße gestellt wurde, nannte Wiedemann ein Beispiel. Die Computersysteme im Müllfahrzeug merken dies und verweigern die Leerung. 

Per Satellitennavigation (GPS) in den Fahrzeugen könne man den Standort einer Tonne genau ermitteln. Es seien Fälle bekannt, in denen Abfall- zu Regentonnen umfunktioniert wurden. Mit den Kontrollsystemen will der Verband auch einer „Überfüllung“ entgegenwirken – wer laufend seine Tonne voller macht als zulässig, betreibt in Wiedemanns Bewertung Vorteilsnahme auf Kosten der Allgemeinheit. In der Praxis heißt das: Die Tonne darf nur so voll sein, dass der Deckel noch zugeht.

Dass der AWISTA genau wisse, wo, wann und wie oft eine Tonne rausgestellt wird, überraschte eine Reihe von Bürgermeistern. Kraillings Bürgermeisterin Christine Borst: „Sie wissen, wann Familie Borst den Biomüll rausstellt?“ Wiedemann: „Wenn es sein muss, auf die Zehntelsekunde genau.“ Da wurde einigen mulmig, weswegen Wiedemann auf strenge Datenschutzbestimmungen hinwies.

Gerade suche man dafür einen neuen Beauftragten, damit die Daten auch geschützt sind. „Wir überwachen aber gar nichts“, betont Wiedemann gegenüber dem Starnberger Merkur. Die Daten kommen nur zum Einsatz, wenn es Beschwerden gibt. Etwa, wenn angeblich eine Tonne nicht geleert wurde. Dann kann nachvollzogen werden, wann andere Tonnen in dieser Straße geleert wurden; in vielen Fälle zeige sich dann, dass der Behälter gar nicht rausgestellt worden war.

Eine Zuordnung ist Wiedemann zufolge nur auf Grundstücke möglich, nicht auf einzelne Haushalte.

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