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Die Abgaswerte der Diesel-Fahrzeuge sind zu hoch. Hier wird mit einem Gerät im Auspuffrohr gemessen.

Abgas-Skandal

Das sagen Autohändler aus dem Landkreis zum Diesel-Dilemma

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Der Ärger um den Diesel-Skandal ist auch nach zwei Jahren nicht abgeebbt. Der Verkauf der Fahrzeuge ist eingebrochen, klagen Autohändler. Ein VW-Händler sieht in dem Zusammenhang ein anderes Problem.

Landkreis – Autohändler zucken derzeit bei den Stichwörtern „Diesel“, „Abgas“ oder „Manipulation“ zusammen. Das Vertrauen der Kunden ist verloren gegangen, wie viele Autohändler im Landkreis bemerkt haben. Im September 2015 kam heraus, dass Volkswagen Motoren so manipuliert hat, dass diese Abgasnormen in den USA dem Schein nach erfüllen. Längst hat sich der Skandal ausgeweitet – der Ruf von Diesel-Fahrzeugen hat bei den Kunden gelitten.

Fahrverbot für Diesel-Autos? „Da spricht aber einiges dagegen“

„Der Verkauf ist um 50 Prozent zurückgegangen“, berichtet Jens Krieger (37). Der Verkaufsleiter vom Autohaus Brunner in Wangen vertreibt Peugeot und sagt: „Die Leute sind sehr vorsichtig geworden. Dramatisch ist das im Gebrauchtmagenmarkt für Euro-5-Fahrzeuge. Von denen wird fast nichts mehr verkauft.“ Nicht nur die Kunden, sondern auch die Autohändler seien verunsichert. Krieger bezeichnet es als „Trauerspiel“. Er sagt: „Keiner weiß, was man machen soll. Die Politik muss eine Aussage treffen, wie es weiter geht.“

Wie ein Damoklesschwert schwebt ein eventuelles Fahrverbot für Diesel-Fahrzeuge in manchen Städten über Händlern und Fahrern. „Da spricht aber einiges dagegen“, sagt Krieger, der selbst einen Diesel fährt. „Es gibt keine Alternative.“ Der öffentliche Personennahverkehr reiche nicht aus, um ein Fahrverbot aufzufangen. „Deshalb bin ich privat nicht verunsichert.“

Autohändler hält E-Fahrzeuge nicht für die Lösung

Werden Elektroautos den Anteil der Diesel-Fahrzeuge am Markt übernehmen? „Das kann keine Dauerlösung sein.“ Ein Zuwachs im Bereich der E-Autos sei denkbar, mehr aber nicht. Dafür fehle es noch an vielem, etwa an der Reichweite. „Die Batterien müssen auch erst mal produziert und entsorgt werden.“ Kein Mittel für die Masse, glaubt der Verkaufsleiter.

Krieger hofft auf eine Lösung der Diesel-Problematik. Nicht aber mit Updates der Software, wie er betont. „Das wäre in die Vergangenheit gedacht. Man muss das Messverfahren aktualisieren, Werte aus dem Straßenverkehr und dem Labor miteinbeziehen.“ Mit richtigen Werten müsse man dann für saubere Diesel-Fahrzeuge sorgen.

VW-Händler: Thema wurde zu sehr aufgebauscht

Als VW-Händler spürt Roland Vollmann die Folgen des Diesel-Skandals besonders. Für den Serviceleiter vom Autohaus Schäfer & Söhne aus Gauting liegt das Problem aber eher woanders. „Das Thema ist zu sehr aufgebauscht worden“, sagt Vollmann. „Fakt ist: Der Diesel-Motor ist der beste und effizienteste – nur wird das den Kunden leider nicht vermittelt.“ Es würden „Halbwahrheiten“ verbreitet, die er in Gesprächen klarzustellen versuche. Vollmann selbst fährt einen Diesel. Das Wort „Skandal“ mag er in dem Zusammenhang nicht verwenden. „Es ist keine schöne Sache“, sagt er. „Wir bauen mit Abstand die besten Fahrzeuge der Welt – sowas war eigentlich unnötig.“

Als eine der ersten Maßnahmen nach Bekanntwerden der Manipulation startete VW eine Rückrufaktion für mehrere hunderttausend Fahrzeuge. „Da waren unsere Kunden entspannt“, berichtet Vollmann. „Nur ganz wenige meldeten sich mit dem Anwalt.“ Auch die Juristen versuchten, Profit aus dem Thema zu schlagen, kritisiert Vollmann. „Damit wird nur auf den Diesel eingeprügelt.“

Werden die Fahrzeuge nun für je 1500 Euro angepasst?

Kunden, die an einem Diesel-Fahrzeug interessiert sind, müsste er eigentlich raten abzuwarten, sagt der Mitarbeiter eines Autohauses am Ammersee. „Alle sind gnadenlos verunsichert. Diesel ist derzeit ein Schimpfwort.“ Die Verärgerung versteht er: „Wir sind ja keine Wiesn-Wirte, wo ich eine Mass bestelle – und nur einen Dreiviertelliter bekomme.“ Sollten Fahrzeuge mit den Klassen Euro 2, 3 und 4 in Deutschland verboten werden, brechen die Preise ein, glaubt er. „Dann werden die ins Ausland verkauft.“ Deshalb seien viele derzeit in einer Wartehaltung.

Der Autohändler hofft auf eine Verbesserung der Diesel-Abgaswerte. „Es wird wahrscheinlich eine Hardware-Lösung.“ Er spricht von der Harnstoff-Lösung AdBlue. Mit dem Mittel sollen die Abgaswerte drastisch reduziert werden. „Das kostet je nach Modell 1500 Euro. Das darf nicht auf dem Rücken des Kunden ausgetragen werden. Viele haben lange für ihr Auto gespart.“ Hersteller und Kunden könnten sich die Kosten teilen. „Aber für die Nachrüstung braucht es ein Signal aus der Politik. Bis zur Wahl wird es da nichts geben.“

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