Bereit für das Abholangebot ab Montag: Susann Kindler vom Starnberger Schmuck- und Modeladen Merlin wirbt mit einem „Click & Collect“-Schild.
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Bereit für das Abholangebot ab Montag: Susann Kindler vom Starnberger Schmuck- und Modeladen Merlin wirbt mit einem „Click & Collect“-Schild.

Jetzt doch möglich

„Click & Collect“: Abholservice hilft Händlern – „aber nicht unterm Strich“

  • Tobias Gmach
    vonTobias Gmach
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Für Händler im Landkreis ist der Abholservice „Click & Collect“, der in Bayern nun doch erlaubt ist, ein kleiner Lichtblick. Aber nicht mehr. Der Überlebenskampf geht weiter.

Landkreis – Und wieder ändern sich die Regeln, auch im elften Corona-Monat. Aber Susann Kindler war schnell klar, wie sie darauf reagieren wird. Die Geschäftsführerin von „Merlin – Schmuck, Mode & Accessoires“ in Starnberg wird die Bestellungen verpacken und auf eine Bank im Hausflur legen. Wenn es klingelt, wird sie mit FFP2-Maske die Tür öffnen, die Kunden werden sich die Ware von der Bank nehmen und schnell wieder gehen. Kontaktloses Kaufen, hygienisch einwandfrei – wie von der Politik gewünscht.

Ab Montag dürfen sämtliche Händler – auch die, die seit Lockdown-Beginn geschlossen haben – „Click & Collect“ oder „Call & Collect“ anbieten. Nun also doch. Der Abholservice nach vorheriger Online- oder telefonischer Bestellung war Geschäftsleuten in Bayern Mitte Dezember im Gegensatz zu denen in anderen Bundesländern verboten worden. Es gehe darum, ein großes Ladensterben zu verhindern, sagte Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger zum Kurswechsel: „Das ist für viele Händler, gerade auch für den kleineren Einzelhandel, vielleicht der letzte Strohhalm.“

„Ich finde das gut, es ist ein kleiner Lichtblick“, sagt Susann Kindler einerseits. Und andererseits: „Es hilft uns überhaupt nicht. Wir haben keinen Internetshop und könnten ihn auch nicht bewerkstelligen. Wir sind bekannt für persönliche Beratung. Der Kunde will bei uns stöbern und gucken.“ Die „Merlin“-Geschäftsführerin betont, dass gerade die kleinen Geschäfte strikte Hygienemaßnahmen einhalten könnten. Also zum Beispiel immer nur einen Kunden reinzulassen. „In den Supermärkten drängen sich die Leute, da wird das nicht richtig kontrolliert“, kritisiert Kindler. Außerdem findet sie es ungerecht, wenn derzeit, etwa in Drogerien, Mützen und Schals verkauft werden – „Artikel, die wir auch im Sortiment haben“.

Trotz Lockdown von 9 bis 17 Uhr im Laden

Gabi Huber steht trotz Lockdown täglich von 9 bis 17 Uhr in ihrem geschlossenen Modegeschäft „Women’s Fashion“ in Herrsching. „Ich versuche das Bestmögliche“, sagt die Vizevorsitzende des Herrschinger Gewerbevereins WIR. Das bedeutet diese Woche noch: am Telefon beraten, die Social-Media-Kanäle pflegen, Bestellungen aufnehmen und sie abends ausfahren. Die Touren kann sie sich dank „Click & Collect“ ab Montag sparen – „das ist der einzige Pluspunkt“, sagt Huber. Mit Mitstreiterinnen hatte sie im Dezember eine Kauf-Lokal-Initiative und die Webseite shopping-in-herrsching.de gestartet (wir berichteten). Die erste Bilanz: Der Online-Zulauf habe seither zugenommen.

Bei den Baumärkten „Hobbyland“ in Gilching und Herrsching ist das nicht möglich. „Uns fehlt das Click“, sagt Ursula Pirdszun aus der Verwaltung. Einen Internetshop aufzubauen, sei bereits im Frühjahr 2020 erwogen, aber wieder verworfen worden. „Wer soll den pflegen? Da bräuchten wir ja noch mehr Personal“, so Pirdszun. Am Donnerstag berieten die Baumarkt-Verantwortlichen noch über das Vorgehen ab Montag. Pirdszun bezweifelte aber, dass sie sich zum Abholangebot durchringen. Die Nachfrage sei zu gering, der Aufwand zu groß. Im wesentlich größeren Hagebaumarkt in Starnberg war am Donnerstag auch noch keine abschließende Entscheidung zu erfahren. Aber es sei wahrscheinlich, dass die Kunden einzeln zur Abholung hereingebeten werden, hieß es.

Sporthändler: „Auf so einen Winter haben wir jahrelang gewartet“

Thomas Thallmair wäre so glücklich ohne Corona. „Auf so einen Winter haben wir jahrelang gewartet“, sagt der Geschäftsführer von Intersport Thallmair in Tutzing. Aber wenn Skigebiete geschlossen sind, kaufen eben nur wenige Wintersport-Ausrüstung. Zum Abholangebot sagt Thallmair: „Es hilft uns, aber nicht unter dem Strich.“

„Ein Tropfen auf dem heißen Stein“: Das hört man immer wieder – auch von Christoph Winkelkötter, Geschäftsführer der Wirtschaftsfördergesellschaft gwt. Gut etablierte Läden mit großem Kundenstamm könnten von „Click & Collect“ am meisten profitieren. Und die, die ihre Onlinepräsenz verstärkt haben. „Da ist aber auch die Frage, ob die Kundschaft das will“, sagt Winkelkötter. „Es liegt an uns allen, lokal einzukaufen und nicht nur bei den großen Plattformen zu bestellen.“

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