Schranken wie diese im Wald bei Mamhofen waren jüngst Thema im Stadtrat. Eine Anwohnerin aus Hanfeld hatte die „Abriegelung“ des Guts scharf kritisiert
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Schranken wie diese im Wald bei Mamhofen waren jüngst Thema im Stadtrat. Eine Anwohnerin aus Hanfeld hatte die „Abriegelung“ des Guts scharf kritisiert.

Unmut einer Anwohnerin

Absperrmaßnahmen rund um das Gut Mamhofen: Bekannte Situation oder neues Ärgernis für Starnberg?

  • Peter Schiebel
    vonPeter Schiebel
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Eine Anwohnerin aus Hanfeld kritisierte im Stadtrat jüngst Absperrmaßnahmen rund um das Gut Mamhofen. Dessen Eigentümerin kann die Aufregung nicht verstehen.

Mamhofen – Evi Liebl aus Hanfeld fand deutliche Worte. Das Gut Mamhofen werde „kategorisch abgeriegelt“, sagte sie jüngst im Starnberger Stadtrat. Überall würden Metallschranken und Holzbalken angebracht. Es handele sich „fast um ein eingezäuntes Freigehege für Forstverwalter“, sagte sie in der Bürgerfragestunde, mit der die Stadtratssitzungen in Starnberg traditionell beginnen. Liebl berief sich auf den Artikel 141 der Bayerischen Verfassung, der unter anderem den „Genuss der Naturschönheiten und die Erholung in der freien Natur, insbesondere das Betreten von Wald und Bergweide“, jedermann gestattet.

Eigentümerin des Guts Mamhofen versteht die Aufregung nicht

Eigentümerin des Guts Mamhofen und des darum liegenden Forstes mit insgesamt rund 400 Hektar Fläche ist Stephanie Gräfin Bruges-von Pfuel. Und die kann die Aufregung überhaupt nicht verstehen, wie sie im Gespräch mit dem Starnberger Merkur verdeutlicht. Dass das Gut eingezäunt sei, sei nichts Neues, sagt sie. Ganz im Gegenteil. Sie könne sich daran erinnern, dass bereits in den 1990er-Jahren der Zaun erneuert worden sei. Und einen Zaun um Privateigentum zu ziehen, auf dem Menschen leben, hält sie für generell nachvollziehbar. „Ich gehe ja auch nicht einfach in die Gärten anderer Menschen“, sagt sie. Zudem gebe es in Mamhofen auch keine Gastwirtschaft oder andere Einrichtung mit Publikumsverkehr.

Das Gut Mamhofen mit der Filialkirche St. Jakob und Philipp ist Privatbesitz und seit vielen Jahren eingezäunt.

Anders verhält es sich mit der Filialkirche St. Jakob und Philipp. Dort sei eine Grunddienstbarkeit eingetragen, die es der Pfarreiengemeinschaft Weßling erlaubt, die barocke Kirche für Gottesdienste und erforderliche Arbeiten nutzen zu dürfen, erklärt von Pfuel. Und der Wald sei ohnehin für jedermann „frei betretbar“, sagt die Eigentümerin – für Spaziergänger, für Radfahrer und auch für Reiter. Schranken an den Forstwegen sollen lediglich Autofahrer abhalten, diese zu benutzen. Und sei es auch nur dazu, um kurz anzuhalten und Müll abzuladen oder die Notdurft zu verrichten. Das nämlich habe in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, sagt von Pfuel und findet drastische Worte: „Der Förster ist jede Woche mit der Schaufel unterwegs und räumt die Scheiße weg.“

von Pfuel: Respekt und Rücksichtnahme haben abgenommen

Und noch etwas hat die Waldbesitzerin bemerkt: Respekt und gegenseitige Rücksichtnahme hätten abgenommen, der Freizeitdruck auch in den Wäldern habe dagegen zugenommen. „Viele Menschen halten sich mittlerweile für selbst ernannte Naturschutzwächter“, ärgert sie sich. Es komme vor, dass sie per E-Mail als „Baummörderin“ beschimpft werde, wenn die Arbeiter in ihrem Forst Holz geschlagen haben. „Dabei ist Holz ein nachhaltiger Rohstoff.“ Ganz unabhängig davon, dass sie den Forst bei Mamhofen in den vergangenen 30 Jahren zu einem naturnahen Wald umgebaut habe.

Stephanie Gräfin Bruges-von Pfuel ist Eigentümerin des Guts Mamhofen.

Neue Schranken gebe es hingegen bei den Wegen an der Starnberger Westumfahrung. Dabei spricht von Pfuel von Sicherheitsmaßnahmen. „Auf der Straße fahren Autos mit Tempo 100 oder noch schneller“, sagt sie. Da sei es geradezu lebensgefährlich für Radfahrer oder Reiter, wenn keine Sperre vorhanden sei. Abgesehen davon gebe es seit dem Straßenbau auch keine direkte Querung mehr. Die neuerliche Diskussion bringt die Eigentümerin im Übrigen genau mit diesem Straßenbau in Verbindung. Damals gab es Kritik an von Pfuel, weil sie nicht bereit war, weiteren Grund für den Bau einer Unterführung abzutreten. „Jetzt gibt es einen neuen Stadtrat und einen neuen Bürgermeister, und das Thema kommt wieder hoch.“

Bürgermeister Patrick Janik hat in der Zwischenzeit „eine Prüfung des Sachverhalts in Auftrag gegeben“, wie er gestern dem Starnberger Merkur sagte. Ein Ergebnis liege aber noch nicht vor.

ps

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