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Hauseigentümern in der Wassersportsiedlung macht Hochwasser Sorgen.

Abwasserverband

Fahndung nach undichten Kanälen

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Starnberg - Fremdwasser in Kanälen rund um die Wassersportsiedlung bereitet dem Abwasserverband Kopfzerbrechen. Deswegen fragt er in Starnberg zuerst dort „Alles dicht?“ Der Landkreis ist auch betroffen.

Der Osten Starnbergs hat ein Wasserproblem. Das so genannte Fremdwasser – Regen- oder Grundwasser in Abwasserkanälen – bereitet dort mehr Sorgen als in anderen Stadtteilen, weswegen der Abwasserverband Starnberger See dort mit der Prüfung privater Grundstücksentwässerungsanlagen (GEA) in diesem Jahr beginnt. In den nächsten Wochen werden erste Termine gemacht, die Rohrleitungen sollen dann ab September durchleuchtet werden. Das Interesse der betroffenen Grundstückseigentümer jedoch hält sich in Grenzen. Vielleicht lag es am Termin am Mittwochabend vor dem Feiertag, dass nur ein halbes Dutzend zu einer Info-Veranstaltung erschien. Der Prüfung entkommt keiner.

Das Grundproblem in Starnberg wie überall: Da Ring- und Ortskanal regelmäßig gewartet werden und teils noch recht neu sind, können die erheblichen Mengen an Regenwasser in den Abwasserkanälen nur durch Lecks und Schäden in privaten Leitungen ins Netz gelangen. Das Regenwasser allerdings stört den Kläranlagen-Betrieb massiv, produziert Kosten, erhöht den Energieverbrauch und trübt die Reinigung. Die Kläranlage ist eben auf dreckiges Wasser ausgelegt, nicht auf sauberes. Der Verband will dem Problem mit einem 25 bis 30 Jahre dauernden Projekt Herr werden – andernfalls droht eine Kläranlagen-Erweiterung, die die Gebühren in die Höhe treiben würde. Oder: Weil die Anlage an der Leistungsgrenze ist, müsste ein Ansiedlungsstopp verhängt werden, weil zusätzliches Abwasser nicht mehr behandelt werden kann.

"Viele haben keine Pläne mehr"

In mehrmonatigen Messungen hatte der Verband nach Angaben von Geschäftsführer Norbert Impelmann Schwerpunkte ausgemacht – der Bereich rund um die Starnberger Wassersportsiedlung ist einer, aber längst nicht der einzige. Drei weitere Stadtteile werden im kommenden Jahr untersucht; welche, wird erst in den kommenden Monaten entschieden. Die Wassersportsiedlung ist zudem besonders, weil etwa auf Höhe des Kanals zum Landratsamt die Arme des Ringkanals zusammentreffen. Die Messungen seien ins Verhältnis zum Niederschlag gesetzt worden – schon war klar, woher das Wasser kam.

In den kommenden zwei bis drei Wochen werden Mitarbeiter des Ingenieurbüros Dorsch International Consultants aus München, vor allem Christian Meinhardt und Jan Hiedl, mit den schriftlich informierten Grundeigentümern in Verbindung aufnehmen. Dazu gehört auch der Landkreis fürs Landratsamt, nicht jedoch die Stadt für den Wasserpark. Da dort neu gebaut wird, muss die Stadt sowieso eine komplette Kanalisationsplanung vorlegen. Ab September sollen dann die eigentlichen Untersuchungen beginnen, wobei die Hausanschlussleitungen ab dem zumeist auf dem Grundstück liegenden Schacht erst gespült und dann mit einer Kamera untersucht werden. Da das nicht alle Schäden offenbart, wird danach ein Dichtigkeitstest mit Wasser oder Luft, eventuell mit farbigem Wasser oder auch mit Rauch vorgenommen, erklärte Susanne Bichlmayr vom Abwasserverband. Für Hauseigentümer hat das eigentlich nur Vorteile, wie sie aufzählte: Sie kommen ihrer Pflicht zu dichten Kanalanschlüssen nach, schützen die Umwelt, halten die Abwassergebühren stabil – und sie bekommen einen Plan der Leitungen. Den gibt es nicht überall: „Viele haben keine Pläne mehr“, sagt sie aus Erfahrung.

Werden keine Schäden festgestellt, bekomme der Hauseigentümer eine Bescheinigung, die zumindest den Wert der Immobilie erhalte, wenn nicht gar steigere. Werden Schäden gefunden – das können sowohl Ablagerungen in den Leitungen, Schäden durch Wurzeln, Rohrdefekte und vieles andere sein –, hat ein Eigentümer bei gravierenden Fällen sechs Monate Zeit für die Reparatur. Bei kleineren Schäden sind es fünf Jahre. Die Kosten muss der Hauseigentümer allein tragen – es sind schließlich seine Leitungen. Der Verband, versprach Susanne Bichlmayr, werde helfen.

Hausbesitzer aus der Wassersportsiedlung haben mehr Probleme mit dem See als mit den Leitungen. Welche Folgen die regelmäßigen Überschwemmungen der Siedlung auf das Kanalsystem haben, wollte einer wissen. Bei Hochwasser, sagte Impelmann, sei der Kanal wohl das geringste Problem. Die öffentlichen Kanäle seien teilweise gesichert, das gehe aber nicht bei allen. Somit hat der Verband auch Probleme bei einem vollen See. „Die Stadt ist gefragt, für Hochwasserschutz zu sorgen“, erklärte Impelmann. Ob man ein Grundstück aus anderen Stadtteilen vorziehen könne, fragte eine Hauseigentümerin – sie hat massive Probleme mit einem Haus im Bereich Vordermühlstraße, mehrfach wurde eine Wohnung mit Abwasser geflutet. Nein, sagte Impelmann, aber man nehme sich jeden Falls an.

Mehr Infos

bekommen Hauseigentümer aus dem Bereich Wassersportsiedlung bei Susanne Bichlmayr beim Abwasserverband unter z (0 81 51) 90 88 28 57, bei Benny Hoyer unter 90 88 28 86 oder bei Birgit Morgenroth unter 90 88 28 35.

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