Ärger am Parkplatz: Acht Zahlungsaufforderungen und mehrere Mahnungen erreichten Hans-Jürgen Kuntze, dessen Sohn die erlaubte Parkdauer mehrfach überschritten hat. Der Inninger findet den Umgang der Parküberwachungsfirma nicht korrekt.
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Ärger am Parkplatz: Acht Zahlungsaufforderungen und mehrere Mahnungen erreichten Hans-Jürgen Kuntze, dessen Sohn die erlaubte Parkdauer mehrfach überschritten hat. Der Inninger findet den Umgang der Parküberwachungsfirma nicht korrekt.

Edeka-Parkplatz in Starnberg

Ärger über acht Strafzettel auf einen Streich: Parküberwacher rechtfertigen sich

  • Tobias Gmach
    vonTobias Gmach
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Ein 18-Jähriger parkt mehrfach länger als erlaubt am Starnberger Edeka. Sein Vater ist sauer – weil der Fahranfänger nicht per Strafzettel auf seinen Fehler hingewiesen wird, sondern erst sechs Wochen später acht Stück auf einmal bekommt. Die Parküberwacher und Edeka rechtfertigen sich.

Starnberg – Hans-Jürgen Kuntze betont es immer wieder: „Es geht mir nicht darum, meinen Sohn von Fehlverhalten freizusprechen. Er hat aus der Sache gelernt – das können Sie glauben.“ Trotzdem setzt sich der Inninger für seinen 18-jährigen Sohn ein. Weil für ihn klar ist, dass dem FOS-Schüler Unrecht widerfahren ist. Deshalb hat Kuntze Stunden damit verbracht, Mails zu schreiben und Telefonate zu führen. Erreicht hat er damit: nichts.

Das ist passiert: Kuntzes Sohn stellt sein Auto am Morgen des 11. Septembers auf dem Edeka-Parkplatz an der Leutstettener Straße in Starnberg ab, kauft eine Brotzeit und geht dann rüber zur FOS. Die erlaubte Parkzeit von drei Stunden überschreitet er. „Er erhält aber keinen Strafzettel. Deshalb fährt er mit diesem Verhalten fort“, schreibt sein Vater an den Starnberger Merkur. Erst am 27. Oktober wird der Fahranfänger laut Hans-Jürgen Kuntze zur Rechenschaft gezogen. Acht Zahlungsaufforderungen zu insgesamt 395 Euro landen auf einmal im Briefkasten der Familie in Inning. Ein Schock, Kuntze ist sauer: „Wäre mein Sohn gleich auf seinen Fehler hingewiesen worden, hätte er nicht noch mal dort geparkt. Das ist keine erzieherische Maßnahme, das ist Geldmacherei.“ Für den 18-Jährigen sei „ein Ferienjob draufgegangen“.

So funktioniert die optische Kennzeichenerkennung

Der Edeka an der Leutstettener Straße arbeitet schon länger mit Dienstleistern zusammen, die die Fläche vor dem Markt vor Falsch- und Fremdparkern schützen sollen. Seit heuer ist die Firma Parkraumüberwachung 24 mit Sitz in Karlsfeld (Kreis Dachau) zuständig. Ihr System nennt sich „optische Kennzeichenerkennung“: Das Nummernschild jedes Autos wird beim Rein- und Rausfahren fotografiert. Daraus errechnet der Computer die Parkdauer. Nach 48 Stunden werden die Fotos laut dem Unternehmen wieder gelöscht. Der Vorteil für den Supermarktkunden: Er muss keine Parkscheibe ins Auto legen. Große Schilder weisen auf den „Privatparkplatz“, die Kennzeichenerkennung, die maximal erlaubten 180 Minuten und die 30 Euro Strafe bei Verstößen hin.

Auf die deutlich sichtbaren Schilder verweist Sascha Hoffmann, Geschäftsführer von Parkraumüberwachung 24. Angesprochen auf den Fall, fragt er: „Wie kann es sein, dass man die so oft übersieht? Als Fahranfänger achte ich doch noch mehr auf Schilder.“ Außerdem liege Falschparken vor: „Wenn ich zur FOS muss, stelle ich mich nicht auf einen Supermarktparkplatz.“ Man habe extra eine kundenfreundliche Lösung entwickelt, weil Parkscheiben oft vergessen würden. Auch auf das Abschleppen von Autos verzichte man im Gegensatz zu anderen Dienstleistern. Und warum dauerte es so lange bis zu den Zahlungsaufforderungen? Hoffmann erklärt: Um die Fahrzeughalter ermitteln und anschreiben zu können, müsse seine Firma eine Anfrage ans Kraftfahrtbundesamt stellen. Die Info, wer hinter dem Kennzeichen steckt, bekomme man normalerweise innerhalb von ein, zwei Wochen. Coronabedingt dauere die Bearbeitung im Bundesamt derzeit aber deutlich länger. Der Geschäftsführer beteuert außerdem, er habe dieses Problem Herrn Kuntze am Telefon erklärt.

Vorwurf: „Da wird ein Prinzip gnadenlos durchgezogen“

Der Inninger hat neben seinem Vorwurf, hier werde „ein Prinzip gnadenlos durchgezogen“ und der „Einzelfall nicht sensibel betrachtet“, noch weitere Kritikpunkte: Man habe ihn mit „0815-Antworten“ und allgemeinen, unklaren Formulierungen abgespeist. Dazu kämen Mahnungen zu Rechnungen, die längst bezahlt worden seien – und das bei laufendem Mailverkehr. Parküberwacher Hoffmann entgegnet: „Wir hatten es oft, dass Leute die Zahlung durch das Mails-Schreiben hinauszögern wollten.“ Und er betont, dass man Strafzettel schon mal aus triftigen Gründen zurückgezogen habe. Etwa bei einer Frau, die wegen einer Autopanne an einem Parkplatz festhing.

Die Edeka-Pressestelle schreibt auf Nachfrage: Ältere Kunden, Schwangere oder Menschen mit Behinderung seien auf einen nahen Parkplatz am Markt angewiesen. Leider seien Fremd- und Falschparker nicht selten. Die Fläche in Starnberg nahe am Bahnhof Nord sei wiederholt ganztägig von Zugfahrern genutzt worden. „Auch wenn wir darauf gerne verzichten würden, besteht diese Notwendigkeit bereits seit vielen Jahren, um unseren Kunden die Annehmlichkeiten rund um ihren Einkauf zu bewahren“, so Edeka.

Das Geld für die Strafzettel haben Hans-Jürgen Kuntze, sein Sohn und dessen Opa aufgeteilt und überwiesen. Die Mahnungen lasse man aber von einem Anwalt prüfen. Der Inninger: „Wir haben definitiv nicht vor, sie zu bezahlen.“

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