Jetzt beginnt die Erziehung: Laura Balta, Hundepflegerin im Starnberger Tierheim, kümmert sich um den Schäferhundwelpen, den die Polizei auf den Namen Rex getauft hat.
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Jetzt beginnt die Erziehung: Laura Balta, Hundepflegerin im Starnberger Tierheim, kümmert sich um den Schäferhundwelpen, den die Polizei auf den Namen Rex getauft hat.

Starnberger Tierheim hilft

Acht Wochen junger Schäferhund ausgesetzt: Rex ist kein Einzelfall in der Pandemie

  • Tobias Gmach
    VonTobias Gmach
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Viele Menschen hatten sich in der Pandemie Hunde, Katzen und Kaninchen angeschafft. Nun werden die Tiere reihenweise abgegeben – oder ausgesetzt. Ein Beispiel ist der Schäferhundwelpe Rex.

Starnberg – Christine Hermann und Laura Balta können in diesen Zeiten wilde Tiergeschichten erzählen. Sie sind erschreckend, haben aber immerhin meistens ein Happy End. Da wäre die Anekdote von der winzigen Landschildkröte, die jemand im Starnberger See „entsorgt“ hatte und ein anderer rettete. Oder von dem Kaninchen, das, ausgesetzt in einer Schachtel auf einem Parkplatz, nicht lange überlebt hätte, wäre es nicht zufällig entdeckt worden.

Hund Rex ist nur einer von vielen ausgesetzten Tieren im Tierheim Starnberg

Christine Hermann leitet das Starnberger Tierheim, Laura Balta ist dort Hundepflegerin. Am „werbewirksamsten“, das geben die beiden zu, ist die Geschichte von Rex, dem gerade acht Wochen alten Schäferhundwelpen. Die Polizei taufte ihn in Anlehnung an den TV-Kommissar, der Name gefiel auch den Frauen im Tierheim. Eine Joggerin erblickte Rex, dem eines seiner Ohren welpentypisch-reizend nach unten hängt, vor einer Woche an der Mozartstraße in Söcking. Der Hund war dort, in der Maisinger Schlucht, angebunden. Neben ihm stand eine Box mit Futter, Spielzeug und Kotbeuteln. Jemand hatte Rex, der zu diesem Zeitpunkt vielleicht noch anders hieß oder gar keinen Namen hatte, ausgesetzt. Aber derjenige wollte auch, dass er gefunden wird.

Die Joggerin rief die Polizei, die brachte den kleinen Rüden auf die Dienststelle – und weil sich kein Besitzer meldete einen Tag später ins Tierheim. Dort wohnen derzeit sieben Hunde, acht Kaninchen und mehr als 15 Katzen, die Leiterin Hermann als „Corona-Rückläufer“ bezeichnet. Ein allgemeines Phänomen. Viele Menschen, die sich in der manchmal einsamen Pandemie ein Tier angeschafft haben, wollen es jetzt nicht mehr – oder können sich nicht mehr darum kümmern. „Seit der Aufhebung der Homeoffice-Pflicht werden wir von Abgabeanfragen überrannt“, sagt Balta.

Kotbeutel, Futter, Spielzeug: Diese Box stand neben Rex, als ihn eine Joggerin in der Maisinger Schlucht fand.

Tierheimmitarbeiter sind nicht sauer, sondern bieten ihre Hilfe an

Aber die Tierpflegerinnen schimpfen nicht auf unverantwortliche Mitmenschen. Sie breiten die Arme aus: „Wir machen niemandem Vorwürfe“, sagt Hermann. „Wir helfen. Niemand soll in die Situation kommen, einen Hund oder auch einen Hamster oder ein Meerschweinchen in Lebensgefahr zu bringen.“ Das Tierheim habe ein Pflegenetzwerk aufgebaut und schließe sich auch mit anderen Einrichtungen kurz – damit in dieser schwierigen Zeit alle alleingelassenen Tiere irgendwie unterkommen.

Hundepflegerin Balta kennt das, wenn Welpen in die Pubertät kommen und zu beißen anfangen. Dann sind sie für ihre Frauchen und Herrchen auf einmal nicht mehr so süß. Oder wenn Krankheiten bei ihnen auftauchen. Wie bei Rex. „Er hat massive Probleme mit den Knien und der Hüfte und viel zu schwache Bänder. Wir hoffen, dass sich manches noch verwächst.“

Mit dem Beginn der Sommerferien werden viele Tiere abgegeben (Video)

Hund Rex kommt wohl aus Massenvermehrungsanlage in Rumänien

Balta vermutet, dass der in Rumänien gechippte Hund aus einer Massenvermehrungsanlage stammt. Für sie ein möglicher Hinweis auf schlechte Zucht und illegalen Welpenhandel. Von Zeugen kam auch ein Hinweis – auf einen Mann, der mit dem Welpen überfordert gewesen sei. „Schäferhunde sind schwierig in dem Alter: Sie knabbern an Händen und Füßen und sind nicht stubenrein“, sagt Balta. Sie arbeitet nun an Rex’ Erziehung, um in sieben Wochen „einen gut sozialisierten Junghund“ vermitteln zu können.

Ein neues Zuhause angeboten haben Rex schon viele, das Tierheim bittet deshalb darum, von weiteren Anfragen abzusehen. Der Rüde ist viral gegangen, wie es mit Blick auf die riesige Solidarität im Internet heißt. Mehr als 2000 Facebook-Nutzer teilten einen Post des Tierheims, mehr als 160.000 wurden so auf ihn aufmerksam. Balta: „Das zeigt, wie viele Menschen das Herz am rechten Fleck haben.“

In ganz Bayern werden reihenweise Tiere zurück ins Tierheim gebracht. Auch in Freising sieht die Situation nicht anders aus.

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