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Das ehemalige Betriebsgebäude der Bäckerei Meier wird zum Discount-Warenhaus. Auf 798 Quadratmetern im Erdgeschoss zieht eine Action-Filiale ein. In der Tiefgarage (36) und oberirdisch (5) stehen 41 Parkplätze zur Verfügung. 

Einzelhandel

Action-Filiale kommt: Ein „Kleinpreiskaufhaus“ für Starnberg

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Starnberg bekommt ein Discount-Warenhaus. In die ehemalige Backstube der Bäckerei Meier zieht der Billiganbieter Action ein. Der Bauausschuss hat dem Bauantrag am Donnerstagabend grünes Licht gegeben.

Starnberg – Shampoo für 1,29 Euro, ein aufblasbares Kanu für 65 Euro, Bremsreiniger für 1,46 Euro und ein Seifenblasen-Rasenmäher für 6,95 Euro – das sind vier der aktuellen Wochenangebote der Handelskette Action. „Niedrigste Preise und ein überraschendes Angebot“ – so umschreibt der vor 25 Jahren in den Niederlanden gegründete Discounter das eigene Geschäftsmodell. Ein Modell, das aufzugehen scheint: Mehr als 1000 Action-Filialen gibt es mittlerweile in Europa, 200 davon in Deutschland. In Starnberg soll nun die erste im Landkreis dazukommen.

Der Bauausschuss hat gegen die Stimmen von CSU und BMS am Donnerstagabend grünes Licht für den Umbau der ehemaligen Backstube der Bäckerei Meier an der Emslander Straße 2 gegeben. 798 Quadratmeter stehen im Erdgeschoss des Gebäudes zur Verfügung. An den Büros und Praxen im Obergeschoss, den Lagerflächen im Untergeschoss und der Tiefgarage mit 38 Stellplätzen soll sich nichts ändern. „Es handelt sich bei dem Markt um eine Mischung aus Kleinpreiskaufhaus, Sonderpostenmarkt und Non-Food-Discounter, der sich keiner typischen Betriebsart zuordnen lässt“, heißt es in der Vorlage aus dem Rathaus.

Aber verträgt sich das mit dem vorhandenen Starnberger Einzelhandel? Zieht der Action-Markt womöglich Kaufkraft aus der Innenstadt ab, gibt es also „schädliche Auswirkungen auf zentrale Versorgungsbereiche“, vor denen das Baugesetzbuch warnt? Das waren die wesentlichen Fragen, mit denen sich die Politiker beschäftigten.

„Das ist ein Kaufhaus, das jeder Starnberger vermisst und wofür viele nach Weilheim fahren“, brach Johannes Bötsch (BLS) eine Lanze für das Projekt. Aufgrund des Sortiments müsse kein Innenstadthändler Angst haben, Kunden zu verlieren. Im Gegenteil: Vielleicht habe das Angebot sogar zur Folge, dass zusätzliche Kaufkraft in die Kreisstadt fließt, mutmaßte Bötsch. „Mit diesem Sortiment tritt man der Innenstadt nicht zu nahe“, pflichtete Angelika Kammerl (Parteifreie) bei. „Das Angebot fügt sich an diesem Standort ein“, sagte Annette von Czettritz (Grüne). Und Markus Mooser (WPS) sagte: „Wir sollten froh sein, wenn es in Starnberg wieder ein Kaufhaus gibt.“

Die CSU warnte hingegen vor einem Schnellschuss. „Unser Ziel muss es sein, dass die Innenstadt erhalten bleibt“, sagte Ludwig Jägerhuber vor dem Hintergrund zweier Gutachten. Während die BBE Handelsberatung GmbH keine schädlichen Auswirkungen einer Action-Filiale auf bestehende Strukturen attestiert, bewertet die von der Stadtverwaltung beauftragte CIMA Beratung + Management GmbH diese Analyse in Teilen als nicht nachvollziehbar. „Wir sollten sauber abwägen für eine politische Entscheidung und nicht hopplahopp aus dem Bauch heraus entscheiden“, sagte Jägerhuber, scheiterte jedoch mit einem Antrag auf Vertagung.

Wie die konkreten Action-Pläne für Starnberg ausschauen, ist derweil noch geheim. Eine Unternehmenssprecherin in Düsseldorf wollte sich am Freitag gegenüber dem Starnberger Merkur weder zum Sortiment noch zum Eröffnungstermin oder zu weiteren Details äußern.

Das gesamte Areal am südlichen Ortsausgang entwickelt sich auch an anderer Stelle als Einkaufszentrum weiter. Denn zwischen den bereits bestehenden Märkten von Aldi und Edeka und neben der geplanten Action-Filiale soll bekanntlich ein Neubau mit einem Drogeriemarkt, einem Bio-Lebensmittelmarkt, einem Trachtenladen und einem Dachcafé entstehen. Das Projekt ist bereits seit Jahren in der Planung. Jetzt hat der Bauausschuss die erneute Auslegung des vorhabenbezogenen Bebauungsplans einstimmig beschlossen. Prof. Otto Gaßner (UWG): „Wenn da endlich eine Nutzung reinkommt, wird ein Schandfleck in Starnberg beseitigt.“

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