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AfD auf dem Kirchplatz: Pfarrer lässt Glocken läuten

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Der Starnberger Kirchplatz im Schatten von St. Maria (im Dezember 2018) wird am Donnerstag für mehrere Kundgebungen genutzt - von der AfD und gegen sie. © Stefan A. Schuhbauer - v. Jena

Wenn die AfD am Donnerstag auf dem Starnberger Kirchplatz eine Kundgebung abhalten will, werden die Kirchenglocken läuten.

Starnberg – Dr. Andreas Jall, der katholische Stadtpfarrer von Starnberg, ist ein kluger Mann, der auch kein Blatt vor den Mund nimmt. Und so lässt es ihm keine Ruhe, dass die AfD am nächsten Donnerstag, 23. Mai, ausgerechnet am Kirchplatz und damit unmittelbar an der Stadtpfarrkirche St. Maria zu einer Kundgebung aufruft.

Jall reagiert und lädt parallel dazu für 17.15 Uhr zum Friedensgebet in die Kirche ein, an dem auch sein evangelischer Kollege Dr. Stefan Koch teilnimmt. „Wir wollen zeigen, dass bei uns in der Kirche ein anderer Geist herrscht als draußen auf dem Kirchplatz“, sagt Jall im Gespräch mit dem Starnberger Merkur.

Und wie es sich für eine katholische Kirche gehört, wird sie natürlich auch mit Glockengeläut zur Teilnahme am Friedensgebet einladen. Dass die Glocken von St. Maria genau dann erklingen, wenn Mitglieder oder Anhänger der AfD reden wollen, nimmt Jall in Kauf – und macht den potenziellen Teilnehmern der Kundgebung ein Angebot: „Wir verurteilen niemanden“, betont der Pfarrer. „Sondern wir wollen versöhnen und die Menschen zueinander bringen.“ Es gehe ihm weniger um Protest, sondern vielmehr um Versöhnung.

Dass er sich damit in eine politische Auseinandersetzung einmischt, ist Jall klar. Und er hält das für in höchstem Maß zulässig. „Natürlich leben wir in einer pluralen Gesellschaft, von daher müssen wir auch die AfD akzeptieren“, sagt er. „Aber der Glaube ist nicht in der Sakristei eingeschlossen. Unser Ruf lautet: Gehet hin und bringt Frieden.“ Und genau dieses Angebot wolle er den Menschen in Starnberg am Donnerstag unterbreiten.

Unabhängig von dem Friedensgebet in St. Maria ist noch eine weitere Aktion auf dem Kirchplatz geplant. Der Starnberger Dialog, ein loser Zusammenschluss zahlreicher gesellschaftlicher Gruppen, ruft für 17 Uhr zu der symbolischen Aktion „Wir machen sauber“ auf – und fordert die Teilnehmer auf, den Platz nach dem AfD-Auftritt zu kehren.

Starnberger Dialog will den Platz kehren

„Wir wollen unsere Plätze und besonders den Kirchplatz, Treffpunkt für alle Menschen, an dem die katholische Kirche steht, die Gastronomie für ein lebendiges Miteinander sorgt und Bänke und Brunnen zum Verweilen einladen, nach dem zu erwartenden populistischen Auftritt der AfD für uns zurückhaben“, heißt es in einer von Pfarrer Koch, FDP-Ehrenmitglied Rainer Hange, der SPD-Kreisrätin Sissi Fuchsenberger, der Grünen-Kreissprecherin Kerstin Täubner-Benicke und der Grünen-Landratskandidatin Martina Neubauer unterzeichneten Pressemeldung. Gerne dürften die Teilnehmer mit Besen und Schürze kommen, sagt Koch.

Der AfD-Kreisverband Starnberg ruft für 17 Uhr zu seiner Kundgebung auf dem Kirchplatz auf. Im Anschluss hat die Partei die Starnberger Schlossberghalle gemietet, wo um 19 Uhr die Bundestagsabgeordneten Dr. Gottfried Curio und Martin Hebner, zugleich Kreisvorsitzender der Starnberger AfD, reden wollen.

Eine dritte Veranstaltung auf dem Kirchplatz hat die SPD angemeldet. Sie ist von 14 bis 17 Uhr mit einem Info-Truck im Rahmen des Europawahlkampfs in Starnberg präsent.

Der Sprecher des Landkreises, Stefan Diebl, bestätigte am Freitag die drei Veranstaltungen. Gemäß den Auflagen der Behörde dürfe sich die AfD im nördlichen Bereich des Kirchplatzes Richtung Hauptstraße aufhalten, der Starnberger Dialog in der Mitte des Platzes und die SPD im unteren Teil zur Wittelsbacherstraße hin. Die Starnberger Polizei ist vorbereitet. Nach Informationen des Starnberger Merkur sind bereits Unterstützungskräfte angefordert.

Als positiven Kontrapunkt gegen den ersten großen Auftritt der AfD in der Kreisstadt setzt der Starnberger Dialog unabhängig von der Demo eine Woche der Demokratie. Das Programm finden Sie auf Seite 9 dieser Ausgabe. 

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