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Werben für den Krisendienst: Dr. Michael Welschehold (ärztlicher Leiter), Bezirkstagspräsident Josef Mederer, Gebietskoordinatorin Andrea Kreppold-Roth, Hans-Rainer Schuchmann (Diakonieverin), Beate Sommer (Selbsthilfe) und der Angehörige Gerald Lux (v.l.).

Neue Notrufnummer ab 1. Dezember

Akute Hilfe bei seelischen Krisen im Landkreis Starnberg

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Landkreis - Im Landkreis gibt es von Dezember an einen Krisendienst Psychiatrie. Unter der Telefonnummer 0180 / 6 55 30 00 soll Patienten, Angehörigen, Freunden und Kollegen in akuten Situationen schnell und unbürokratisch geholfen werden.

Die Zahl der psychischen Erkrankungen steigt auch in Bayern seit Jahren. Was das auch für die Angehörigen für Folgen hat, weiß Gerald Lux (77) aus Steinebach nur zu gut. Seit mittlerweile drei Jahrzehnten ist sein Sohn psychisch krank, immer wieder kommt es zu belastenden Situationen. „Ich bin froh, dass es nun endlich den Krisendienst Psychiatrie in unserem Landkreis gibt“, sagt er.

Dieser Krisendienst nimmt am 1. Dezember in den Landkreisen Starnberg und Fürstenfeldbruck seine Arbeit auf – nach Stadt und Landkreis München. Stürzt jemand in ein tiefes seelisches Loch, durchleidet er eine akute psychische Ausnahmesituation, denkt er sogar schon an das Allerschlimmste, kann er von diesem Datum an die Telefonnummer 0180 / 6 55 3000 wählen. Das gilt natürlich auch für Angehörige, Freunde oder auch Arbeitskollegen, die sich um den Patienten ernsthafte Sorgen machen.

Wer anruft – die Nummer ist täglich von 9 bis 24 Uhr geschaltet – landet zunächst in der Leitstelle in München. Dort wird das weitere Vorgehen koordiniert: Hat das Telefonat schon zur Beruhigung der Situation beigetragen? Sind Folgetermine für die nächsten Tage ausgemacht? Oder ist die Krise dermaßen akut, dass ein sofortiges Eingreifen erforderlich ist?

Im letzten Fall informiert die Leitstelle den Sozialpsychiatrischen Dienst – im Landkreis Starnberg angesiedelt beim Diakonieverein in Starnberg. Von dort aus werden geschulte Zweier-Teams losgeschickt. „Sie sind in maximal einer Stunde vor Ort“, sagt Bezirkstagspräsident Josef Mederer. Der Bezirk Oberbayern baut den Krisendienst Psychiatrie auf, will im nächsten Jahr 7,4 Millionen Euro dafür ausgeben. Allein beim Diakonieverein in Starnberg werden künftig 20 bis 25 Psychologen und Sozialpädagogen die Bereitschaften an Abenden, Wochenenden und Feiertagen übernehmen.

Der Bedarf dürfte groß sein. Mederer rechnet mit 20 000 Anrufen pro Jahr aus beiden Landkreisen. Ein gutes Drittel davon dürfte Schätzungen zufolge auf den Landkreis Starnberg entfallen. Bei sieben bis acht Prozent der Anrufer rechnen die Experten damit, sofort eingreifen zu müssen.

„Seelische Krisen sind ein sehr häufiges Phänomen und gehören zu jedem Leben dazu“, sagt Dr. Michael Welschehold, der als ärztlicher Leiter die Leitstelle führt. Bei jedem Dritten führten sie in Situationen, die der einzelne nicht mehr ohne weiteres meisten könne. „Da kann man in einen Teufelskreis geraten“, sagt Welschehold. Welche Ausnahmesituationen genau auf die neuen Krisen-Teams zukommen, lässt sich noch nicht abschätzen.

„Wir werden künftig konfrontiert sein mit Situationen, die viel Anpassung und Spontaneität erfordern“, glaubt der Vorstand des Diakonievereins, Hans-Rainer Schuchmann. Einweisungen in eine psychiatrische Klinik sollen jedenfalls die absolute Ausnahme sein.

Vor allem die Patienten, aber natürlich auch Angehörige, Freunde und Kollegen dürften es ihnen danken. Gerald Lux weiß, was er daran hätte. „Wir mussten einmal einen Notdienst rufen“, erinnert sich der 77-Jährige. Das war seinerzeit die Polizei, die mit Blaulicht zum Wohnhaus nach Steinebach kam. Eine Situation, die es mit der 0180 / 6 55 30 00 hoffentlich nicht mehr geben muss.

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