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Bis vor Kurzem standen hier noch die Pflanzen, am Montag wurden weite Teile im Maisinger Bachtal gemäht. Die Stadt erklärt das mit der ökologisch erforderlichen Pflege von ehemals landwirtschaftlichen Flächen. 

Spaziergänger irritiert

Alles abgemäht: Auf einmal war die Wiese weg

  • Peter Schiebel
    vonPeter Schiebel
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Im Maisinger Bachtal zwischen Söcking und Neusöcking sind am Montag große Flächen gemäht worden. Spaziergänger sind irritiert, Naturschützer sehen es kritisch, die Stadt erklärt sich.

Söcking – „Wie kann das sein?“ Diese Frage stellt sich Johanna von Halem, seitdem sie am Montag von ihrem Spaziergang durch das Maisinger Bachtal und die Maisinger Schlucht zurückgekehrt ist. „Innerhalb weniger Stunden wurden alle horizontalen Flächen zwischen Neusöcking und Söcking gemäht“, berichtet sie dem Starnberger Merkur. „Viele Hektar Blumenwiese sind auf einen Schlag weg.“

Die 46-Jährige ist in Söcking aufgewachsen, kennt das Gebiet von klein auf. Und sie wundert sich, dass trotz des Erfolges des Volksbegehrens zum Artenschutz so etwas noch vorkommt. Die Maisinger Schlucht sei ein kostbarer Ort, an dem Natur einigermaßen erlebbar sein sollte, sagt sie. „Wenn Mitte Juli aber schon keine einzige Blüte mehr steht, dann hilft das riesige Insektenhotel, welches die Stadt in der Schlucht aufgestellt hat, auch nicht viel. Vielleicht ist es deshalb auch noch immer leer.“

Rathaussprecherin Lena Choi lässt die Kritik so nicht gelten. „Die Wiesenflächen im Maisinger Bachtal sind Bestandteil des städtischen Ökokontos“, sagt sie auf Anfrage. „Das heißt, dass sich die Stadt Starnberg dazu verpflichtet hat, diese ehemals intensiv landwirtschaftlich genutzten Flächen mittels extensiver Pflege ökologisch aufzuwerten und das Artenreichtum zu fördern.“ Zu diesem Zweck würden die Flächen zweimal im Jahr gemäht – „nach anerkannten Regeln der Technik“. Die erste Mahd erfolge in den Sommermonaten, die zweite im Spätsommer/Herbst.

Choi geht in ihren Erklärungen noch weiter. Für den Zeitpunkt der ersten Mahd sei die Artenzusammensetzung maßgeblich, sagt sie. „Ein zu früher Schnitt etwa Anfang Juni wirkt sich negativ auf Wiesenbrüter, Feldhasen und Amphibien aus.“ Die Verschiebung des Zeitpunktes auf Anfang, Mitte Juli führe zu einer deutlich höheren Anzahl an Heuschrecken. „Vor der ersten Mahd müssen zudem die Frühlings- und Frühsommerblüher ihre Samenstände voll ausgebildet haben, um die Verbreitung weiter zu begünstigen. Ist das Schnittgut dann abgeräumt, können die Sommerblüher durchstarten und einen vollflächigen zweiten Flor im August generieren.“ Ein zu später Mähzeitpunkt würde sich im Umkehrschluss also negativ auf die Pflanzenwelt auswirken.

Hans-Jochen Iwan kennt als langjähriger Vorsitzender des Bund Naturschutz in Starnberg alle Biotope – und auch die Vor- und Nachteile von Ökokonto-Flächen. Die Festlegung, dass vom 1. Juli an gemäht werden darf, hält er beispielsweise für wenig zielführend. Es sei sinnvoller, jede einzelne Fläche für sich zu betrachten, sagt er. Biotoppflege sei ohnehin ein ständiger Kampf. „Es kracht an allen Ecken und Enden.“

„Mähen ist sicherlich notwendig“, sagt Hubert Dietrich, der Vorsitzende des Bienenzuchtvereins Starnberg. „Ob es aber sinnvoll ist, alle Flächen auf einmal zu mähen, wage ich zu bezweifeln.“ Dietrich hält es für zielführender, im Abstand von ein bis zwei Wochen die Arbeiten auszuführen und einen Teil der Pflanzen zunächst stehen zu lassen. Als Beispiel für die Notwendigkeit führt er die etwa 560 Wildbienenarten an. Die meisten würden keine langen Strecken fliegen, sondern sich ihre Nahrung im Umkreis weniger hundert Meter holen, erklärt Dietrich. Bei einer wechselseitigen Mahd würden sie Nahrung finden. „So aber haben die Insekten gar nichts“, sagt er.

Johanna von Halem findet drastischere Worte. Die Entscheidungsträger der Stadt seien entkoppelt vom Willen der Bürger, sagt sie mit Verweis auf das Volksbegehren. Und außerdem: Die Natur sei doch bunt. „Kinder sollten die volle Blüte der heimischen Pflanzen sehen.“ Das einzige, das dort derzeit blüht, sei aber das asiatische Springkraut.

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