Vorreiter in Bayern: Christina Fuchs vernetzt alle im Kinderschutz tätigen Einrichtungen und Stellen, um Kindeswohlgefährdung früh zu erkennen. Landrat Stefan Frey sieht ein gutes Fundament, aber es kann immer noch besser werden.
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Vorreiter in Bayern: Christina Fuchs vernetzt alle im Kinderschutz tätigen Einrichtungen und Stellen, um Kindeswohlgefährdung früh zu erkennen. Landrat Stefan Frey sieht ein gutes Fundament, aber es kann immer noch besser werden.

„Netzwerkkoordination Kinderschutz“

Alles zum Schutz der Kinder: Fachstelle legt Bericht zur Situation im Landkreis Starnberg vor

Die Stelle „Netzwerkkoordination Kinderschutz“ des Landkreises legt ihren Bericht vor. Landrat Stefan Frey ist zufrieden: „Wir haben im Landkreis bereits ein gutes Fundament und viele engagierte Menschen, die sich um einen gelingenden Kinderschutz kümmern.“

Landkreis – Vorreiter zu sein, ist immer gut – vor allem, wenn es um wirklich gute Anlaufstellen wie die Fachstelle für Kinderschutz geht, die der Landkreis Starnberg eingerichtet hat. Die offiziell „Netzwerkkoordination Kinderschutz“ genannte Stelle bedeutet für Christina Fuchs eine ganze Menge Arbeit und Verantwortung. Im Jugendhilfeausschuss stellte sie diese Woche ihre Arbeit vor.

Die Stelle war Ende 2019 beschlossen und im Herbst 2020 besetzt worden. Christina Fuchs, selbst Pädagogin und zuletzt in der Familienberatung tätig, will alle, die im Kinderschutz arbeiten, vernetzen, mithin die Effektivität erhöhen. Im Kern geht es darum, Vernachlässigung, Misshandlung oder gar Missbrauch von Kindern möglichst frühzeitig zu entdecken und auch zu handeln. Dabei spielten nicht nur die Familien eine wichtige Rolle, teilte der Landkreis mit, sondern auch das achtsame Hinsehen durch Mitarbeitende in Betreuungseinrichtungen, Schulen, Ehrenamt, Arztpraxen oder eben auch der Kinder- und Jugendhilfe. Die Forschung habe gezeigt, dass es besonders darauf ankomme, dass die beteiligten Stellen und Familien gut zusammenarbeiten und Zuständigkeiten geklärt sind. Und Information ist wichtig: „Vorschnelles Handeln“, sagte Fuchs im Ausschuss, könne ebenso schädlich sein wie zu langes Abwarten.

Christina Fuchs hat bisher erst einmal den Bestand analysiert, der auch nach Einschätzung von Landrat Stefan Frey gut ist: „Wir haben im Landkreis bereits ein gutes Fundament und viele engagierte Menschen, die sich um einen gelingenden Kinderschutz kümmern.“ Fuchs nennt ein Beispiel aus der Praxis: „Wenn eine Erzieherin im Kindergarten eine Verhaltensänderung beim Kind bemerkt und vermutet, dass es zu Hause vernachlässigt wird oder psychische, körperliche oder sexuelle Gewalt erfährt, kann sie den Fall ohne Nennung von Namen mit einer Beraterin besprechen, die durch unsere Koordinationsstelle vermittelt wird. Gemeinsam werden Lösungsschritte überlegt, wie für den Schutz des Kindes gesorgt und die Familie mit einbezogen werden kann. Die Beratung ist kostenlos und erfolgt innerhalb weniger Tage.“

Fachkräftepool für mehr Beratungen ausbauen

Auf der Liste von Christina Fuchs steht einiges: Sie will den Fachkräftepool ausbauen, also für unterschiedliche Aspekte Experten für Beratungen vermitteln. Das soll schnell passieren, denn infolge der Pandemie rechnet sie mit vermehrten Anfragen, wenn Schulen und Kitas wieder im Normalbetrieb sind. Sie will auch Standards für diese Beratung erarbeiten, die Dokumentation auf ein Niveau bringen, den Kontakt zu Einrichtungen aufbauen oder verbessern. So gab es im Mai bereits eine Runde für Tageseltern. Fuchs wird all das auch innerhalb des Landratsamtes voranbringen. „Substanziell aber ist eine gute Vernetzung, ein Miteinander der Beteiligten, um präventiv Strukturen aufzubauen, die Kinder per se schützen und gesund groß werden lassen. Genau hier setzt die neue Fachstelle an,“ betonte Frey.

Ebenso auf der Liste stehen Veranstaltungen und Fortbildungsreihen sowie die Unterstützung beispielsweise von Schulen, wenn diese Präventionsprojekte starten wollen. Eng zusammenarbeiten werde Fuchs mit der bestehenden Fachstelle Koordinierender Kinderschutz (KoKi), die zur klaren Außendarstellung nun in Koordinierungsstelle Frühe Kindheit umbenannt wurde, wie der Landkreis mitteilte. Das ist auch treffender, denn der KoKi-Ansatz sei rein präventiv ausgerichtet und richte sich an die Familien selbst. Christina Fuchs hingegen hat es vor allem mit den Betreuenden und den Einrichtungen zu tun.

„Das Projekt hat Seltenheitswert in Bayern“, hob Holger Engelke, Leiter des Kinder, Jugend und Familie im Landratsamt, in der Sitzung hervor. „Darauf können wir uns einiges einbilden.“

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