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Zeigt her eure Zeugnisse (v.l.): die neuen Fischwirte Marcello von Bayern, Marcel Heirler, Felix Erhard und Sebastian Sch ulte nach bestandener Prüfung auf dem Gelände des Instituts für Fischerei in Starnberg.

Ausbildung

Die Zukunft der Fischerei

30 Absolventen des Instituts für Fischerei in Starnberg haben am Mittwoch erfolgreich ihre Ausbildung zum Fischwirt beendet. Vier von ihnen kommen aus dem Landkreis Starnberg – darunter ein echter Seefischer, der Tradition und Moderne miteinander verknüpft.

Landkreis – Am Starnberger See gibt es derzeit noch 35 Familienbetriebe, die seit vielen Generationen die Fischerei ausüben. Eine von ihnen ist die Fischerei Gebhardt in Possenhofen – obwohl der Traditionsbetrieb vor 15 Jahren vor dem Aus stand. Es war einzig dem Mut von Ludwig Erhard zu verdanken, dass der Betrieb überlebte. Nach dem Tod seines Onkels entschloss sich Erhard, seinen Beruf als Schreiner aufzugeben und die Fischerei zu übernehmen. 2005 bestand er die Prüfung zum Fischwirt. Noch mal sollte der Betrieb nicht in eine so schwierige Lage kommen: Erhards Sohn Felix (29) gehört nämlich zu den 30 Absolventen, die am Mittwochabend ihre Abschlusszeugnisse zum Fischwirt im Lehrsaal des Instituts für Fischerei in Starnberg entgegennahmen.

„Ich bin schon früh mit meinem Vater rausgefahren“, erzählt Felix Erhard voller Stolz und spricht vom Fortbestand der Tradition in der Fischerei Gebhard. „Das war damals nicht leicht für meinen Vater, vom Schreiner zum Fischer zu wechseln. Aber heute ist es wichtig, dass es weitergeht.“

Erhard war einer von nur zwei aktiven Seefischern, die am Mittwoch die mündliche Prüfung bestanden und damit ihre dreijährige Ausbildung abgeschlossen haben. Neben weiteren Absolventen aus Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und der Schweiz bestanden auch noch drei weitere junge Männer aus dem Landkreis Starnberg die Prüfung: Marcel Heirler (20) aus Tutzing, Sebastian Schulte (18) aus Starnberg und Marcello von Bayern (19) aus Feldafing.

Alle verbindet die Liebe zur Natur und zum Angeln. Im Gegensatz zu Erhard aber halten sich die anderen drei ihre berufliche Zukunft offen. Während Sebastian Schulte durch seine zukünftige Tätigkeit im Starnberger Institut an seine Ausbildung unmittelbar anknüpft, plant Marcello von Bayern zunächst seine schulische Weiterbildung. Völlig offen lässt Marcel Heirler seine Zukunft. „Vielleicht führt der Weg irgendwann zurück zum Fischen“, resümieren beide übereinstimmend.

An diesem Tag aber überwog die Freude über den Abschluss der Ausbildung. So gab es vom anwesenden Förderverein der Ehemaligen der Bayerischen Landesanstalt für Fischerei (FELS) nicht nur einen finanziellen Zuschuss für die nachfolgende Abschlussfeier, sondern auch ein Trompetensolo eines Förderers. Mit „Freude schöner Götterfunken“ wurden die 30 Fischwirte, darunter drei Frauen, in ihr zukünftiges Berufsleben entlassen. Der Preis für den Besten des Jahrgangs ging an Michael Heberlein aus der Oberpfalz. Einen bleibenden Eindruck bei den Ausbildern hinterließen jedoch alle Auszubildenden.

So schwärmten Ausbildungsleiter Dr. Reinhard Reiter und Ausbilder Harald Hammer von dem guten Niveau der Ausbildungsklasse, die sich alle wesentlichen Inhalte vom „Bruthausarbeiten“ bis zur Fischvermarktung aneignete. „Bisher eine der anständigsten Klassen, die ich unterrichten durfte“, resümierte Hammer.

So wird wohl den Absolventen das Grußwort vom Vorsitzenden des Referates für Fischerei und Fischwirtschaft im Landwirtschaftsministerium, Dr. Franz Geldhauser, noch lange in Erinnerung bleiben: „Von der Befruchtung des Eies bis zum Fischsalat – bleiben Sie der Fischerei erhalten.“

Übrigens: Das Fischereirecht am See verfällt, wenn kein entsprechend ausgebildeter Nachfolger gefunden wird. Für die Fischerei Gebhardt ist das nun kein Problem mehr.

Von Stefan Ackermann

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